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Hunderte Menschen in Leipzig und Dresden ohne Wohnung

Notunterkünfte öffnen Hunderte Menschen in Leipzig und Dresden ohne Wohnung

Im Winter kann eine warme Unterkunft für wohnungslose Menschen überlebenswichtig werden. Die meisten Betroffenen gibt es sachsenweit in Dresden und Leipzig. Einige Notunterkünfte stoßen bereits an Kapazitätsgrenzen.

Schlafplatz auf dem Gehweg: Dem Sozialdienst in Leipzig sind derzeit 295 wohnungslose Menschen bekannt. (Archivfoto)

Quelle: Andreas Döring

Dresden. Mit den ersten kalten Tagen des Herbstes haben in den Städten Sachsens die ersten Unterkünfte für Menschen ohne Wohnung wieder geöffnet. Sie können dort übernachten, bekommen Essen und können sich waschen. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass einige Unterkünfte an Kapazitätsgrenzen stoßen. Die Diakonie geht davon aus, dass die Wohnungsnot in Sachsen zunimmt. Das Land will sozialen Wohnungsbau deshalb fördern. 

In Leipzig hält die Stadt insgesamt 98 Betten für alleinstehende Männer und Frauen ohne Wohnung bereit ( einen Überblick über die Winternotquartiere gibt es hier). Diese Zahl könne bei Bedarf kurzfristig erhöht werden, heißt es. Dem Sozialdienst sind nach eigenen Angaben 295 wohnungslose Menschen bekannt. Die meisten übernachten bei Bekannten, 87 Alleinstehende sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, 50 Haushalte mit insgesamt 144 Menschen leben in Wohnungen, die von der Stadt angemietet wurden, 36 in Gartenlauben, Abrisshäusern oder vollständig im Freien.

Zahl der Wohnungslosen in Dresden steigt

Die Landeshauptstadt Dresden hat nach eigenen Angaben Ende Oktober 362 Wohnungslose untergebracht. Bis Ende Juni 2016 sei die Zahl zwischen 260 und 290 relativ stabil geblieben. Seit Juli habe diese im Monat um durchschnittlich 23 zugenommen. Von Dezember bis März gibt es 15 Notbetten für eine kurzfristige Unterbringung. Seit Anfang November können Wohnungslose in den Nachtcafés der Dresdner Kirchgemeinden übernachten. Bis Ende März erhalten sie dort Getränke, eine warme Mahlzeit, ein Frühstück, sie können duschen und Wäsche waschen. Dafür zahlen sie einen symbolischen Euro pro Nacht.

Seit 1994 gibt es in Dresden diese Nachtcafés, die sich als Ergänzung zu den städtischen Obdachlosenunterkünften sehen. „Vergangene Saison hatten wir mehr als 2200 Übernachtungen“, berichtet Mira Körlin von den evangelischen Dresdner Kirchbezirken. Öfter als in den Vorjahren habe das Nachtcafé wegen des großen Andrangs schließen müssen. „Die Kirchgemeinden kamen immer öfter an ihre Kapazitätsgrenzen.“ Seit etwa fünf Jahren kämen auch Menschen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern und Südosteuropa, sagt Körlin.

Betroffene immer jünger

In Chemnitz sind laut der Stadt 18 Obdachlose im Nachtquartier gemeldet, weitere 30 würden schon länger von der Wohnungslosenhilfe betreut. Die Zahlen blieben etwa konstant. Wie viele wohnungslose Menschen es in Sachsen gibt, weiß so genau niemand. Ein gesondertes Monitoring zur Situation dieser Menschen gebe es nicht, heißt es dazu im Sozialministerium.

Die Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens geht davon aus, dass sich die Wohnungsnot in Sachsen immer mehr zuspitzt. Ihrem aktuellen Bericht zufolge ist die Zahl von Menschen in Wohnungsnot, die zur Beratung kamen, im vergangenen Jahr auf 2722 gestiegen. 1380 von ihnen waren unter anderem schon wohnungslos, weitere 953 waren von Wohnungslosigkeit bedroht, 100 lebten in unzumutbaren Verhältnissen. Zehn Jahre zuvor waren es rund 1000 Beratungen weniger. Die Betreuten würden immer jünger, deren Probleme immer komplexer, heißt es. Die meisten seien ohne Arbeit, fast immer seien Drogen im Spiel.

„Es ist offenkundig, dass es für Menschen mit niedrigem Einkommen oder in besonderen sozialen Nöten immer schwieriger wird, eine bezahlbare Wohnung zu finden oder sie zu halten“,  sagt die zuständige Referentin, Rotraud Kießling. Das gelte vor allem für Bezieher von Arbeitslosengeld II. In den Ballungsgebieten, aber selbst in den Landkreisen gebe es nicht genügend Wohnungen. „Die Zahl der Wohnungsnotfälle, Zwangsräumungen und Energieabschaltungen steigt und steigt.“ Gründe seien geringes Einkommen, Krankheit, Isolation, Altersarmut, Sanktionen des Job-Centers. Das könne schnell zu Mietschulden und Wohnungsverlust führen.

Das Land will den sozialen Wohnungsbau deshalb wieder ankurbeln. Seit dem Jahr 2000 wurden laut Innenministerium keine Sozialwohnungen gefördert. Wegen des hohen Leerstands habe es genügend preiswerten Wohnraum gegeben, heißt es. Erst seit Ende 2015 sei erkennbar, dass dieser in Großstädten mit viel Zuzug wie Dresden und Leipzig knapp werde. In den nächsten Jahren sollen etwa 3500 neuen Sozialwohnungen gefördert werden. Bis 2019 würden voraussichtlich 140 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt.

Von LVZ

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