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Hunderte Menschen protestieren friedlich gegen Neonazi-Aufmarsch in Döbeln

Hunderte Menschen protestieren friedlich gegen Neonazi-Aufmarsch in Döbeln

Gegen einen Neonazi-Aufmarsch mit rund 250 Teilnehmern haben am Sonnabend in Döbeln mehrere hundert Menschen demonstriert. Die Polizei sprach von rund 500 Gegendemonstranten.

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Döbeln macht mobil gegen Rechts: Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Sonnabend gegen einen Aufmarsch von Neonazis.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Mit friedlichem und kreativem Protest stellten sich Vereine und Gruppierungen den Rechtsextremen entgegen. Ein Großaufgebot der sächsischen Polizei mit Unterstützung einer Hundertschaft aus Sachsen-Anhalt sowie der Bundespolizei sicherte die Kundgebungen ab. Über der Stadt kreiste ein Hubschrauber.

Auf dem Obermarkt spielte die Mittelsächsische Philharmonie Musik aus der Konserve, Theaterschauspieler rezitierten Gedichte: Ein breites Bündnis demokratischer Kräfte zeigte in der Muldestadt den ganzen Tag über deutlich Flagge gegen Neonazis. Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) hatte die Bürger zuvor zur Teilnahme an den Gegenaktionen aufgefordert: "Die Jungen Nationaldemokraten (JN) wollen in unserer Stadt demonstrieren. Ich rufe, auch in Abstimmung mit Fraktionen des Döbelner Stadtrates, alle Bürgerinnen und Bürger auf, friedlich dagegen zu protestieren. Auf diese Weise wollen die demokratischen Kräfte in unserer Stadt zum Ausdruck bringen, dass Rechtsradikale in Döbeln nicht willkommen sind."

Fünf Strafanzeigen erstatttet - Sitzblockade aufgelöst

Die Kundgebungen blieben ebenso wie der Gegenprotest friedlich. In der Oschatzer Straße hatten zeitweise rund 20 Menschen mit einer Sitzblockade die Extremisten nach einer Kundgebung am Obermarkt am Weiterlaufen gehindert. Nach Gesprächen mit der Polizei rückten die Linkautonomen später an den Straßenrand. Skurrile Beobachtung am Rande: Während die Neonazis durch die Muldestadt marschierten, übertönte eine Gänsefamilie wenige Meter entfernt die Parolen mit ihrem Geschnatter. Gegen 16.30 Uhr endete der Aufmarsch planmäßig am Hauptbahnhof.

Laut Polizei wurden insgesamt fünf Strafanzeigen erstattet: drei wegen des Verdachts der Beleidigung, eine wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und eine wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Ein Teilnehmer der Gegendemonstration wird verdächtigt, gegen das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben und kassierte deshalb eine Anzeige.

Die Neonazis hatten sich am späten Vormittag am Ostbahnhof der Stadt versammelt. Einige Teilnehmer reisten auch mit dem Auto an und wurden von der Polizei an einer Tankstelle im Norden der Stadt kontrolliert. Zudem trafen auch Busse aus Chemnitz und Tschechien ein. Die Stadtverwaltung ging im Vorfeld von bis zu 350 Teilnehmern aus, szenekundige Beobachter hatten sogar mit einer Zahl von 500 gerechnet.

Verbindungen zu IS-Provokation in Leipzig

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Gänse am Rande des Aufmarschs.

Quelle: Thomas Lieb

Die JN wird auch mit einer Aktion in dieser Woche in Leipzig in Verbindung gebracht. Am Dienstag hatte eine vermummte Gruppe auf dem Markt eine Enthauptung einer IS-Geisel nachgestellt. Bereits weniger Minuten nach dem Vorfall tauchte ein Foto auf dem Facebook-Portal der Initiative „Sag was Du denkst“ auf. Anschließend wurde dieses Bild auch von der NPD-Nachwuchsorganisation JN geteilt. Inzwischen hat sich der Staatsschutz eingeschaltet.

In seinem Demoaufruf hatte der Bürgermeister auch Parallelen zur friedlichen Revoluation gezogen: "1989 sind wir für Demokratie und Freiheit auf die Straße gegangen. Es ist unerträglich und nicht zu akzeptieren, dass nun exakt 25 Jahre danach Rechtsradikale in Döbeln für die Abschaffung der Demokratie eintreten."

Thomas Lieb / Matthias Roth / Robert Nößler

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