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Hungerstreik gegen B181-Vollsperrung: Einzelhändler fürchten um Existenz

Hungerstreik gegen B181-Vollsperrung: Einzelhändler fürchten um Existenz

Es ist ein so verzweifelter wie ungewöhnlicher Hilferuf: Mit einem Hungerstreik protestiert ein Supermarktleiter in Zöschen - gelegen zwischen Leipzig und Merseburg - gegen die aufgrund von Bauarbeiten erfolgte Vollsperrung der B 181. Er und andere Einzelhändler im Ort klagen über massive Umsatzeinbußen, sehen sich gar in ihrer Existenz bedroht.

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Marktchef Hofmann und Blumenhändler Pohl (hinten) fühlen sich im Stich gelassen.

Quelle: Romy Richter

Zöschen. Sie fordern eine Lösung für eine Umleitung, die Zöschen nicht mehr abschottet - bislang vergeblich.

Vor fünf Tagen hat sich Freimut Hofmann mit einem großen Schild vor seinen Supermarkt gesetzt und einfach aufgehört zu essen. Aus Wut und Verzweiflung ist der Marktleiter in den Hungerstreik getreten. Der 54-Jährige wusste sich nicht mehr anders zu helfen, als mit dieser drastischen Maßnahme gegen die Vollsperrung der Bundesstraße 181 zu protestieren. Er sitzt in einem Gartenstuhl, steht mal auf, läuft im Kreis, begrüßt die spärliche Kundschaft, setzt sich wieder, starrt auf die leeren Parkplätze und auf die ruhige Baustelle gegenüber, die nur wenige Meter lang ist - aber Kern des Problems.

Seit Kurzem wird an der Kanalisation in dem 1000-Einwohner-Ort gebaut. Seitdem ist auch die B 181, die Merseburg und Leipzig verbindet, mitten in Zöschen voll gesperrt. Vom Ortseingang zum Ortsausgang müssen fast 20 Kilometer Umleitungsstrecke in Kauf genommen werden.

Hofmann und andere Gewerbetreibende sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Der Marktleiter spricht von Umsatzeinbußen in Höhe von 40 Prozent. Blumenhändler Thomas Pohl sieht sogar 80 Prozent seines Umsatzes weggebrochen: "Es geht hier nicht um einen Strauß Blumen, den ich mehr verkaufe, oder um eine zusätzliche Kiste Orangen, die im Markt verkauft wird. Es geht ums nackte Überleben." Beide Händler fühlen sich betrogen. Hofmann spricht von einer "Ignoranz der Behörden, die ihresgleichen sucht." Im April sei eine kurze Notiz im Amtsblatt zu den Bauarbeiten erschienen, sagt er. Dann sei man irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt worden. "Auf die Kleinen wurde keine Rücksicht genommen, auf die Interessen des nahen Einkaufsparks nova eventis schon", glaubt Hofmann. Die geplante Baupause ab Mitte November führt er auch auf Absprachen zum dortigen Weihnachtsgeschäft zurück. Hofmann sagt: "Ich will nichts Unmögliches erreichen." Eine vernünftige Ausschilderung, die einspurige Verkehrsfreigabe, eine Verkürzung der Bauzeit oder die Schotterung eines Feldweges als neue Umgehungsstraße, nennt er als Vorschläge. Hoffnung gab es in dieser Woche vor einem "Krisengespräch" mit dem Landrat Frank Bannert (CDU). Doch der musste anschließend die Vorschläge für nicht realistisch erklären. Der Ausbau des Feldweges sei schon aus Kostengründen keine Lösung, hieß es anschließend. Hofmann will weiter kämpfen, weiter hungern, auch um die elf Arbeitsplätze in seinem Markt zu sichern: "So lange ich atme, sitz ich hier!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.08.2013

Romy Richter

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