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„Hyperloop“ mit Stopp in Leipzig? Vorhaben laut Experte kaum umsetzbar

Hochgeschwindigkeitstrasse „Hyperloop“ mit Stopp in Leipzig? Vorhaben laut Experte kaum umsetzbar

Leipzig soll Teil des Hochgeschwindigkeits-Zugsystems Hyperloop werden. Doch so schön die Idee von einer 140-minütigen Rundreise durch Deutschland auch ist – die Umsetzung ist laut eines Verkehrsexperten unrealistisch.

Die für Deutschland geplante Route des Hyperloop soll auf durch Leipzig führen.

Quelle: Hyperloop One

Leipzig/Dresden. Hyperloop – das klingt wie eine neue Achterbahn im Freizeitpark, ist tatsächlich aber das nächste große Projekt des US-Erfolgsunternehmers und Visionärs Elon Musk. Der Erfinder des Online-Bezahldienstes PayPal investiert schon länger in neue Ideen im Bereich Mobilität: Er gründete den E-Auto-Hersteller Tesla und hob SpaceX, ein Weltraum-Tourismusprogramm, aus der Taufe. Nun hat er den Zugverkehr auf dem Schirm.

In zweieinhalb Stunden durch die Republik

Besagter Hyperloop ist eine Hochgeschwindigkeitstrasse der besonderen Art: ein auf Luftpolstern gleitender Zug in einer Vakuum-Röhre. Durch den damit quasi nicht mehr vorhandenen Reibungswiderstand sollen Geschwindigkeiten von 1200 Kilometern pro Stunde erreicht werden. Anfang Juni wurde auch Deutschland als möglicher Standort für eine von vielen Trassen vorgestellt. Die ringförmige Strecke soll einmal durch die ganze Republik verlaufen, Haltestellen wären Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München, Nürnberg und zu guter Letzt: Leipzig.

Die für Deutschland geplante Route des Hyperloop soll auf durch Leipzig führen

Die für Deutschland geplante Route des Hyperloop soll auf durch Leipzig führen.

Quelle: Hyperloop One

Der 2000 Kilometer lange Rundkurs soll für den Personen- und Gütertransport geeignet sein, eine Runde 142 Minuten dauern. Eine Verkehrsrevolution? Die Vorstellung begeistert, ein erster Test des Antriebs war bereits erfolgreich, etwa zum Jahr 2020 soll die Technik marktreif sein. Doch es gibt auch skeptische Stimmen – eine davon kommt von der TU Dresden.

Planung würde Jahrzehnte dauern

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass neben den schon laufenden und finanzierten Vorhaben ein völlig neues Verkehrssystem realisiert werden kann”, meint Günter Löffler, Professor und Experte für Schienenfahrzeugtechnik an der Technischen Universität Dresden. Grund für seine Zweifel sind nicht die Fahrzeuge oder der Antrieb, sondern die Schwierigkeiten, die beim Bau der Trasse auftreten würden.

Aufgrund der hohen Geschwindigkeit seien nämlich eine nahezu ebene, mit großen Bögen versehene Strecke sowie zahlreiche Tunnel und Brücken zur Überwindung von Geländeunebenheiten nötig. „Allein die Planung der Trasse wird mit allen Genehmigungsverfahren, zum Beispiel auch Grundstückserwerb, Jahre oder Jahrzehnte brauchen, der Bau der Röhren Unsummen kosten und der Betrieb wegen der Aufwendungen für Vakuum und Sicherheit kaum effizient und wirtschaftlich sein.” Viele seiner Kollegen sehen das ähnlich.

Entwurf des Hyperloop-Zugs

Entwurf des Hyperloop-Zugs.

Quelle: dpa

Erinnerungen an Transrapid

Auch merkt Löffler an, dass ein ähnlich ambitioniertes Projekt schon einmal gescheitert sei: „Ich erinnere an die jahrzehntelange Erprobung des Schwebezuges Transrapid auf der Versuchsstrecke im Emsland, die trotz technischer Machbarkeit vor allem aus Kostengesichtspunkten – bis auf die Kurzstrecke in Schanghai – nicht weiter verfolgt wird. Das Umsetzungspotenzial beim Hyperloop schätze ich ähnlich ein.” Einzig in Asien und besonders China, wo das größte Schnellfahrbahnnetz existiert, sieht er Potential für den Hyperloop.

Bewährtes Eisenbahnsystem noch lange nicht am Ende

Also aus der Traum von Hochgeschwindigkeitsfahrten durch Deutschland? Nicht ganz. „Das bewährte Eisenbahnsystem ist noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen und kann bei Ausnutzung aller Systemvorteile Geschwindigkeiten von 500 Stundenkilometern technisch sicher erreichen”, bescheinigt Löffler. Das würde beispielsweise den innerdeutschen Flugverkehr gänzlich überflüssig machen. „In Frankreich ist das mit dem TGV schon weitgehend Realität.” Neue Züge, beispielsweise der ICE 4, verkehrten allerdings aus Kostengesichtspunkten mit „lediglich” 250 Kilometern pro Stunde, „was aber bei den relativ geringen Bahnhofsabständen in Mitteleuropa auch völlig ausreicht.”

Elon Musk wird sich trotz all dem wohl nicht von seinen Plänen abhalten lassen und seine Visionen weiterhin verfolgen. Und wer weiß, vielleicht wird Leipzig irgendwann tatsächlich Teil eines deutschen Hyperloop-Systems werden. Die Frage ist nur, ob die heute Geborenen den Rohrpost-Zug noch erleben werden.

Von Christian Neffe

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