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„Ich lege für die Mieter meiner Boote die Hand ins Feuer“

Elster-Saale-Kanal „Ich lege für die Mieter meiner Boote die Hand ins Feuer“

Der Lärm-Streit am Elster-Saale-Kanal und das Bemühen um Deeskalation: Motorboote auf dem Elster-Saale-Kanal und Burghausener mit Grundstücken an der „Rinne“, die der Lärm der Wasserfahrzeuge mächtig nervt: Da geraten schnell mal Leute in Verdacht, die plötzlich nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Davon kann Jungunternehmer Stephan Lademann ein Liedchen singen.

Ins Gerede gekommen: der Motorbootsverleih am Elster-Saale-Kanal in Schönau.

Quelle: André Kempner

Burghausen. Motorboote auf dem Elster-Saale-Kanal und Burghausener mit Grundstücken an der „Rinne“, die der Lärm der Wasserfahrzeuge mächtig nervt: Da geraten schnell mal Leute in Verdacht, die plötzlich nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Davon kann Jungunternehmer Stephan Lademann ein Liedchen singen. Der Leipziger betreibt seit 2013 einen Motorbootsverleih am Kanal in Schönau, vermietet vier Boote mit 5-PS-Außenbordmotor. Zuletzt wurden Kunden vom Ufer aus mit Steinen beworfen und beschimpft. Doch Lademann wehrt sich gegen den Vorwurf, für nächtliche Rennen und überbordenden Krach verantwortlich zu sein. Hat er in dieser Woche in einem Gespräch mit Burghausens Ortsvorsteher Stefan Köster (parteilos) und Ortsrätin Sabine Fuchs (CDU) noch einmal ausdrücklich getan. „Ich lege für die Mieter meiner Boote und diejenigen, die bei mir Liegeplätze nutzen, meine Hand ins Feuer“, bekräftigte Lademann auch gegenüber der LVZ. Ein einziges Mal in den zwei Jahren seiner Geschäftstätigkeit habe es einen Fall von Rowdytum gegeben, der ihm durchaus peinlich gewesen sei. Ansonsten betreibe er sein Geschäft am Tage. „Wer also nachts auf dem Kanal die Sau rauslässt, kommt nicht von mir“, sagte der Bootsverleiher. Natürlich seien seine Fahrzeuge mit ihren Zweitaktmotoren –  zumal wenn sie voll besetzt sind – „keine Ruderboote, aber übermäßig laut sind sie deshalb noch lange nicht“. Und sie führen auch nicht schneller als acht Stundenkilometer, was der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf dem Kanal entspricht. Moderne Vier-Takt-Motoren, die leiser arbeiteten, könne er sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider nicht leisten, so Lademann.

Das wissen jetzt auch die Burghausener Lokalpolitiker Köster und Fuchs. „Der Bootsverleih in Schönau ist wohl nicht das Problem. Uns ärgern vielmehr die Freizeitkapitäne, die zum Beispiel an der Slipanlage bei Möhritzsch ihre Boote zu Wasser lassen und dann deutlich schneller als acht Kilometer pro Stunde fahren“, sagte der Ortsvorsteher gestern auf Anfrage. In der Dunkelheit täten sie dies gern unbeleuchtet, weshalb es schwer sei, die schwarzen Schafe zur Rechenschaft zu ziehen. Deshalb bleibe er bei seiner Absicht, Leipzigs Umwelt- und Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) zur nächsten Sitzung im August in den Ortschaftsrat zu bitten. „Wir müssen hier eine Lösung finden.“

Um Deeskalation und Verständnis bemüht sich in der Causa Lärm auch Michael Witfer, der Vorsitzende des Saale-Elster-Kanal-Fördervereins (SEKFV). Er hatte um das Treffen im ehemaligen Gemeindeamt gebeten – nicht zuletzt deshalb, weil Motorbootsverleiher Lademann SEKFV-Mitglied ist. Witfer betreibt unermüdlich Werbung für die Vollendung des Kanal-Projekts, das mit dem ersten Erdaushub bei Burghausen im Juli 1933 begann und seit der Einstellung der Arbeiten im Februar 1943 ruht. „Burghausen würde vom Sportbootverkehr, von größeren Fahrgastschiffen und kleineren Schubleichtern profitieren, sollte es in hoffentlich naher Zukunft zu einem Anschluss an die Saale kommen“, sagte er. Tourismus brauche gastronomische Einrichtungen. Entlang der Wasserstraße würden sich neue Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten auftun. „Ich kann die Menschen am Kanal nur bitten, unsere Vision als Chance zu begreifen.“

Aktuelle Bedenken hinsichtlich des Umwelt- und Naturschutzes zerstreute der Vereinschef. „Wenn ich höre, dass Leute klagen, der Bootsverkehr beeinträchtige die Wasserqualität, so kann ich mit der frohen Kunde kontern, dass dessen Zunahme in jüngerer Vergangenheit das Algenwachstum deutlich vermindert hat“, betonte Witfer. Auch die Fauna zeige sich regelmäßig und bleibe den Uferbereichen treu. „Nehmen wir den Eisvogel. Der lässt sich weder am Kanal noch auf der Saale von Motorbooten abschrecken.“ Dass keine Enten mehr auf der Wasserstraße badeten, auch dafür hat der Vorsitzende des Saale-Elster-Kanal-Fördervereins eine plausible Erklärung: „Das liegt an den strammen Welsen, die es unter Wasser gibt. Für Enten sind sie der Tod.“

(Dominic Welters)

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