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Immer mehr Sachsen leiden an Depressionen

Immer mehr Sachsen leiden an Depressionen

Immer mehr Menschen haben in Sachsen mit psychischen Krankheiten zu kämpfen. Laut Gesundheitsministerium haben im vergangenen Jahr rund 800.000 der 18- bis 65-Jährigen an mindestens einer psychischen Störung gelitten.

Dresden. Bei den Älteren war es sogar jeder Vierte. Tendenz steigend. Die Kassen verzeichnen bei diesen Krankheiten seit Jahren starken Zuwachs, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Am weitesten verbreitet sind Depressionen und Angstzustände gefolgt von Suchterkrankungen und Demenz. Unter anderem verbesserte Diagnosemöglichkeiten lassen die Zahlen nach oben schnellen. Eine andere Ursache ist vermehrter Alltagsstress.

„Die Klinik ist immer voll belegt. Wir können Patienten oft nicht so behandeln, wie es sein müsste", klagte Oberärztin Karolina Leopold von der Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Dresden. Sie ist Leiterin eines Früherkennungszentrums für psychische Störungen, das vor gut einem Jahr gegründet wurde. Jeder kann kommen, die Behandlung ist anonym und kostenlos. 88 Leute hätten sich seither gemeldet, sagte Leopold.

„Jeder zweite war psychisch krank - oder stand kurz davor." Meist habe es sich dabei um Depressionen, Angstzustände oder Sucht gehandelt. „Manche kiffen und wissen nicht, dass sie sich gerade deswegen unwohl fühlen." Die häufigsten Ursachen seien allerdings Stress bei der Arbeit oder Mobbing.

„Mehr als 80 Prozent der Betroffenen klagen über Stress", bestätigte der Sprecher der Techniker Krankenkasse (TK), Matthias Jakob. Diese Menschen fühlten sich erschöpft und leer. Das gehe schon bei Schülern los. Jakob zufolge stieg die Zahl der TK-Versicherten in Sachsen, die sich wegen psychischer Probleme stationär behandeln lassen mussten, von 1600 Fällen 2008 auf 1775 nur ein Jahr später. Die TK versuche gegenzusteuern und biete unter anderem Unternehmen und sogar schon Schülern Kurse zur Stressbewältigung an.

Bei der KKH-Allianz ist einer Mitteilung zufolge von 2004 bis 2008 die Zahl der Krankenhausbehandlungen von Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen um 14 Prozent gestiegen. „Die Depression kommt bei der AOK Plus im Ranking der 357 häufigsten Krankheiten auf den 13. Platz", sagte die Sprecherin der Allgemeinen Ortskrankenkasse für Sachsen und Thüringen, Hannelore Strobel.

Oft seien es zusätzliche Belastungen wie etwa erhöhte Mobilität oder zusätzlicher Termin- und Leistungsdruck, die diese Krankheiten auslösten. Ein Ende der Entwicklung sei nicht absehbar. Die Kasse plant für ihre Versicherten in den beiden Ländern ein Programm „PsycheAktiv". Betroffenen soll dabei professionelle Hilfe angeboten und der Aufenthalt im Krankenhaus vermieden werden.

Das Gesundheitsministeriums führt die steigenden Krankenzahlen in dem Bereich vor allem auf bessere Möglichkeiten bei Diagnose und Behandlung zurück. Viele der erkrankte Menschen könnten richtig behandelt ein fast normales Leben führen, sagte Leopold vom Dresdner Uniklinikum. Diese arbeiteten unter anderem als Rechtsanwälte, Lehrer oder sogar Ärzte. Aber wegen fehlender Betten in den Krankenhäusern würden Patienten oft zu zeitig entlassen und müssten hinterher zu lange auf ambulante Betreuung warten. „Da gibt es eine Lücke." So komme es zu Rückfällen.Zudem seien die Hausärzte für psychische Erkrankungen in der Regel nicht genug ausgebildet.

dpa

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