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Immer mehr sächsische Jugendliche trinken sich ins Krankenhaus

Zahl seit 2000 verdoppelt Immer mehr sächsische Jugendliche trinken sich ins Krankenhaus

Immer mehr Jugendliche in Sachsen trinken bis zur Alkoholvergiftung. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Zehn- bis 19-Jährigen, die durch "Komasaufen" im Krankenhaus landen, fast verdoppelt. Sie stieg im Jahr 2014 auf 763 Fälle.

Immer mehr Jugendliche in Sachsen trinken bis zur Alkoholvergiftung. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Immer mehr sächsische Jugendliche trinken bis zur Alkoholvergiftung und landen im Krankenhaus. Das Robert-Koch-Institut ermittelte eine Verdoppelung der Fälle bei Zehn- bis 19-Jährigen zwischen den Jahren 2000 und 2014 von 398 auf 763. Die Dunkelziffer dürfte dabei höher sein, da nur Krankenhausaufenthalte erfasst wurden, aber nicht alle mit einer Alkoholvergiftung ärztliche Hilfe suchen.

Die meisten Fälle traten bei 15- bis 19-Jährigen auf, doch auch schon jüngere Jugendliche würden „Komasaufen“ betreiben. Dabei sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Etwa zwei Drittel der eingelieferten Jugendlichen ist männlich, ein Drittel ist weiblich. Dieses Verhältnis hat sich im untersuchten Zeitraum nicht verändert. Bei beiden Geschlechtern verdoppelte sich die Anzahl derer, die Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit trinken. „In dem Alter ist das vielleicht auch ein Modetrend“, sucht Claudia Szymula von der sächsischen Krankenversicherung Barma GEK nach Erklärungen für das Phänomen.

Im Gegensatz zu den Jungen hörten die Mädchen, wenn sie älter würden, eher mit dem übermäßigen Trinken auf. Männer, die in ihrer Jugend bereits zu viel tränken, blieben derweil häufiger beim Alkohol. „Das ist auch ein psychologisches Problem. Frauen sprechen eher über ihre Probleme und holen sich Hilfe. Männer versuchen häufiger, Dinge allein zu lösen und landen damit mitunter auch beim Alkohol“, so Szymula.

Alkoholmissbrauch bei jungen Menschen sei vor allem wegen der drohenden Abhängigkeit ein Problem. Jeder, der als junger Mensch bereits zu viel trinkt, laufe Gefahr, eine Sucht zu entwickelt.  „Die wird man so schnell nicht mehr los“, warnt Claudia Szymula und verweist auf die Alkoholvergiftungsfälle bei Erwachsenen, die noch besorgniserregender seien: Am stärksten betroffen sei hier die Gruppe der 50- bis 55-Jährigen. Im Jahr 2014 wurden in Sachsen 539 Männer und 193 Frauen, die zu viel getrunken hatten, in ein Krankenhaus eingeliefert. Im Jahr 2000 waren es nur 94 Männer und 32 Frauen.

„Hier hat sich die Altersgruppe verschoben“, erklärt Claudia Szymula. „Im Jahr 2000 waren es noch die jüngeren, die etwa 40-Jährigen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Menschen eine Alkoholabhängigkeit über viele Jahre mitnehmen.“ Daher sei die gestiegene Zahl der jugendlichen „Komasäufer“ so besorgniserregend.

Die gestiegene Zahl führt die Barma GEK auch darauf zurück, dass Präventionsarbeit nicht mehr richtig ankommt. „Eine Broschüre nimmt heute wahrscheinlich kaum mehr einer in die Hand“, so Szymula. Stattdessen müsse sich die Aufklärungsarbeit noch viel mehr auf die sozialen Medien ausweiten. Auch die Schulen müssten auf das Problem in den Suchtpräventionsstunden besser reagieren. Szymula: „Es ist ein gesellschaftliches Problem, das gemeinsam gelöst werden muss.“

pad

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