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Immer öfter werden Menschen vermisst - 222 Fälle in Sachsen

Immer öfter werden Menschen vermisst - 222 Fälle in Sachsen

Weg und verschwunden: Im Freistaat werden immer öfter Menschen vermisst. Die Tendenz ist leicht steigend, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

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Quelle: Stephan Lohse

Dresden. Demnach wurden 2010 bei der Polizei 2624 Menschen als vermisst gemeldet, im Jahr zuvor waren es 2114. Zumeist handelt es sich dabei um Kinder oder Jugendliche, die zu Hause oder in einem Heim ausgerissen sind und dann zurückkehren oder wiedergefunden werden. Laut LKA gelten derzeit 222 Menschen offiziell als vermisst. Dabei sind auch Fälle erfasst, die bis zu 30 Jahre zurückliegen können und bisher nicht aufgeklärt wurden. Bei der Suche helfen auch Privatdetektive, Initiativen und das Deutsche Rote Kreuz.

Im Bereich der Polizeidirektion Westsachsen wird gerade eine 16-Jährige aus Eilenburg (Nordsachsen) gesucht, die Mitte Oktober von der Berufsschule nicht nach Hause gekommen ist. „Bei Vermisstenmeldungen ist Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt Polizeisprecher Michael Hille in Leipzig. Wichtig seien die Umstände, unter denen jemand verloren gehe. „Gab es Streit, hat der Betreffende Dinge mitgenommen oder handelt es sich um einen kranken Menschen.“ Es gebe auch Fälle, bei denen Leute einfach einen Schnitt machen wollten. „Diese wollen gar nicht wiedergefunden werden.“ Unabhängig davon müsse die Polizei jeder Anzeige nachgehen. „Wir wissen ja nicht, ob den Menschen etwas zugestoßen ist.“

Die meisten der Vermisstenfälle haben sich laut LKA in den ersten drei Wochen erledigt. „Oft sind es Kinder und Jugendliche, die ausbüxen - aus Abenteuerlust oder weil sie Probleme mit Eltern oder Erziehern haben“, sagt LKA-Sprecherin Kathlen Zink. Mancher Jugendlicher sei der Polizei schon als Dauerausreißer bekannt. Nur selten blieben Menschen dauerhaft verschwunden. Aus dem Jahr 2009 seien noch sieben und von 2010 noch acht Fälle ungeklärt.

Gelegentlich werden auch die Dienste von Privatdetektiven in Anspruch genommen. So etwa, wenn sich Paare trennen und die Kinder von einem der ehemaligen Partner ins Ausland entführt werden. „Da können wir mit unseren Kontakten oft schneller reagieren als die Behörden, die einen langen Verfahrensweg einhalten müssen“, sagt Privatdetektiv Lutz Peschel, Chef der Alldek Saxonia aus Dresden. Er hat gerade den Fall des sechsjährigen Hans aus Treuen im Vogtland auf dem Tisch, der im August von einem dreiwöchigen Urlaub mit der Mutter nicht zurückkehrte. Der Junge lebt beim Vater. Die Polizei fahndet jetzt nach der Frau europaweit mit Haftbefehl - und Peschel sucht mit.

Eine „Initiative Vermisste Kinder“ aus Hamburg versucht bundesweit, unglücklichen Eltern zu helfen. Die Initiative ist rund um die Uhr unter der bundesweit einheitlichen Nummer 116 000 zu erreichen. „In dringenden Fällen flimmert die Suchanzeige mit Bild schon nach wenigen Stunden über die Info-Bildschirme auf Bahnhöfen und Flughäfen“, sagte der Gründer der Initiative, Lars Bruhns. Zudem können die Informationen über Facebook und Smartphone abgerufen werden. Seit 1997 sei es der Initiative gelungen, 67 Kinder ausfindig zu machen.

Rund 40.000 Anfragen nach Vermissten erreichen auch jährlich den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes in München, der schon lange nicht mehr nur nach Menschen sucht, die während des Zweiten Weltkrieges und danach vermisst wurden. „Wann immer irgendwo auf der Welt eine Katastrophe oder ein großes Unglück geschieht, kommen die Leute und fragen nach Angehörigen“, sagt DRK-Standortleiter Heinrich Rehberg. Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 gab es rund 5000 Anfragen. „Bei der Tsunami-Katastrophe in Thailand 2004 haben wir rund um die Uhr gearbeitet.“ Sucheinsätze im Inland sind hingegen eher selten. „Aber bei großen Evakuierungen wie etwa bei der großen Flut in Sachsen 2002 oder jüngst beim Fund einer Fliegerbombe in Halle/Saale suchen die Leute bei uns nach Angehörigen.“

dpa

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