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In Archiven fehlen Mitarbeiter – Jahn will Fach "Medienkompetenz"

Stasi-Unterlagen-Behörde In Archiven fehlen Mitarbeiter – Jahn will Fach "Medienkompetenz"

Wer lerne, mit historischen Quellen umzugehen, könne auch bei Facebook Informationen besser bewerten, sagt Roland Jahn. Der Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde fordert zum Sächsischen Archivtages in Dresden bessere Medienkompetenz von Jugendlichen. Er schlug vor, ein Schulfach dafür einzuführen, in dem die Schüler das Aktenlesen lernen.

Wer lerne, mit historischen Quellen umzugehen, könne auch bei Facebook Informationen besser bewerten, sagt Stasi-Unterlagen-Behördenchef Roland Jahn.

Quelle: dpa

Leipzig. Datenflut in Zeiten von Fake News: Die Archive in Sachsen sehen sich bei der Digitalisierung von Dokumenten noch am Anfang. Selbst das Staatsarchiv habe Nachholbedarf, obwohl man dort schon mehr mit der Zeit gehe als in den kleinen Archiven, sagte Thekla Kluttig vom Landesverband der Archivare am Donnerstag zum Sächsischen Archivtag in Dresden. Er steht unter dem Motto „Archive im Umbruch“ und soll Träger der Archive, vor allem Kommunen, sensibilisieren: „Woran es mangelt, ist Verständnis.“

Zugleich klagen die Archive über Personalmangel. „Ganz oft gibt es das Ein-Mann- oder Ein-Frau-Archiv. Diese Kollegen leisten quasi alles“, sagte Verbandschefin Grit Richter-Laugwitz. Sie müssten Unterlagen übernehmen, bewerten, erschließen, auswerten, die Öffentlichkeitsarbeit machen und seien nun auch für Digitalisierung zuständig. Manche Archivare seien frustriert, weil sie für alles verantwortlich sind.

Personalmangel, fehlende Archivsoftware, Platzmangel

Der Landesverband hatte unter seinen Mitgliedern eine Umfrage gestartet und dabei auch Defizite erfragt. Neben Personalmangel wurden auch fehlende Archivsoftware, ein Stau bei der Bearbeitung, unzureichende Restaurierung und Konservierung von Dokumenten sowie Platzmangel angegeben. Ein weiteres Problem: Nur knapp die Hälfte der Archivstellen sei mit Fachkräften besetzt. Oft müsste sich ein Verwaltungsmitarbeiter eines anderen Bereiches kümmern.

Das Sächsische Staatsarchiv kann angesichts einer riesigen Informationsflut ohnehin nur ein bis zwei Prozent der anfallenden Dokumente sichern. „Die Vorstellung, dass Archivare wie Hamster durch die Gegend ziehen, alles sammeln und nichts loswerden wollen, trügt“, sagte Direktorin Andrea Wettmann. Jedes Jahr würden Behörden dem Staatsarchiv rund 20 Kilometer Akten anbieten. Deshalb müsse man eine „Schneise in den Wald schlagen“: „Nicht jeder Bußgeldbescheid muss für Jahrhunderte aufbewahrt werden.“

Neues Schulfach "Medienkompetenz" gefordert

Anders ist das bei der Stasi-Unterlagen-Behörde. Dort wird alles aufbewahrt. Die Digitalisierung betrifft dort nicht nur den Bestand, sondern auch Anträge auf Akteneinsicht. Die können neuerdings elektronisch übermittelt werden – vorausgesetzt der Betreffende besitzt einen Personalausweis mit Online-Funktion.

Nach den Worten von Behördenchef Roland Jahn sollen möglichst bis Jahresende Akten auch etwa in einer Dropbox bereitgestellt werden. Die Stasi-Unterlagen werden laut Jahn nicht komplett digitalisiert. Bei 111 Kilometer Akten sei dafür der Aufwand zu hoch.

Jahn forderte am Rande des Archivtages, ein Schulfach Medienkompetenz einzuführen. Lehrer sollten mit ihren Schülern in Archive gehen und lernen, wie man Quellen recherchiert: „Das ist im Zeitalter von Fake News eine wichtige Sache.“ Wer lerne, mit historischen Quellen umzugehen, könne auch bei Facebook Informationen besser bewerten. „Das schafft bei Menschen ein Bewusstsein für die Aussagekraft von Dokumenten“, so der frühere DDR-Oppositionelle.

Sachsen hatte 2013 als eines der ersten Bundesländer ein elektronisches Staatsarchiv eingerichtet. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll das Projekt elektronisches Kommunalarchiv beginnen. Bisher kann bei nur 17 von 75 an der Umfrage beteiligten Archiven online im Katalog recherchiert werden, 11 sind gar nicht im Internet präsent. Fast die Hälfte hat keine Mittel oder weniger als 500 Euro für technische Ausstattung. Bei mehr als 20 Prozent ist über die Hälfte der Bestände nicht oder nur bedingt erschlossen. „Bis auf die Stadtarchive Leipzig und Dresden ist praktisch kein Kommunalarchiv in der Lage, elektronisch zu archivieren“, sagte Kluttig.

von LVZ

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