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In Bautzen haben die ersten 50 sächsischen Wachpolizisten ihre Ausbildung begonnen

Traumjob Polizistin In Bautzen haben die ersten 50 sächsischen Wachpolizisten ihre Ausbildung begonnen

Am Montag haben die ersten 50 Bewerber ihre Ausbildung zum Wachpolizisten im ostsächsischen Bautzen begonnen. Eine der ersten ist Mandy Hempel, 31-jährige Kickboxerin aus Dresden. Sie sieht den Diemst als Sprungbrett für eine Polizeikarriere.

Mandy Hempel ist eine der ersten Wachpolizisten in Sachsen.

Quelle: dpa/Andreas Debski

Bautzen. Mandy Hempel will so gar nicht in das Bild passen, das gemeinhin über Wachpolizisten entworfen wird. Die langen blonden Haare hat die 31-jährige Dresdnerin in einem Zopf gebändigt, sie lacht viel und auf gerade mal 169 Zentimeter scheint sich die Energie wohl sortiert zu haben. "Für mich ist die Wachpolizei die Chance, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzukommen", sagt Mandy Hempel, ohne dass dieser Satz auswendig gelernt klingt - sondern ehrlich. Bedenken, es könnten sich jede Menge Haudraufs und Hobby-Ordnungshüter für die Kurzausbildung melden, wischt die junge Frau mit einem Lächeln weg: "Die Polizei war schon immer mein Traum. Im zweiten Anlauf habe ich es jetzt endlich geschafft. Beim ersten Test war ich im vergangenen Jahr einfach zu aufgeregt."

Mandy Hempel ist eine von 50 Wachpolizisten, die gestern im Fortbildungszentrum der sächsischen Polizei in Bautzen ihren Dienst angetreten haben. Es ist der erste Lehrgang, fünf von ihnen sind Frauen. In nur drei Monaten sollen die Wachpolizisten ihren Dienst in den Polizeidirektionen Dresden und Leipzig antreten und überwiegend zum Schutz von Asyl-Unterkünften sowie in der Personenbewachung eingesetzt werden.

Warme Worte gab es zum Auftakt reichlich. Horst Kretzschmar, der Chef der sächsischen Bereitschaftspolizei, sprach von einem "richtigen Schritt zur richtigen Zeit". Landespolizeipräsident Jürgen Georgie entgegnete den Kritikern aus Gewerkschaften und Opposition, die unter anderem von einer "Billig-Polizei" gesprochen hatten: "Wir sind froh über diese Unterstützung, diese wertvolle Ergänzung." Aufgrund der enorm gestiegenen Einsatzzahlen und -zeiten hätte die reguläre Polizei nicht immer die Möglichkeit, im Ernstfall vor Ort zu sein. Dank der Wachpolizei sei nun ein viel besserer Schutz insbesondere von Flüchtlings-Unterkünften, machte Jürgen Georgie klar - und das sowohl vor Übergriffen von außen, als auch innerhalb der Quartiere bei möglichen Auseinandersetzungen. Die Entlohnung beträgt für die auf zwei Jahre befristeten Verträge monatlich 2200 brutto, was etwa 500 bis 600 Euro weniger sind, als ein Streifenbeamter verdient.

Der Landtag hatte erste kurz vor Weihnachten grünes Licht für die neue Wachpolizei gegeben. Innenminister Markus Ulbig (CDU) sieht in den Hilfskräften eine "Übergangslösung", um die akute Personalnot bei der Polizei eindämmen zu können. Dem Auftakt-Lehrgang folgen pro Quartal jeweils 100 weitere Schüler, bis die volle Stellenzahl von momentan geplanten 550 im nächsten Jahr erreicht wird. Das alles lässt sich der Freistaat einiges kosten: Für die Erstausstattung sind rund vier Millionen Euro veranschlagt, die Einsatzkräfte selbst machen etwa 23 Millionen Euro aus.

Der Bewerberandrang war bislang gewaltig: Seit Dezember haben sich 1500 Sachsen zwischen 20 und 33 Jahren gemeldet, um Wachpolizist zu werden. Mandy Hempel ist eine von ihnen - die ehemalige Kickboxerin und Judoka bestand den Intelligenztest und das Diktat ohne Probleme, lief bei der Sportprüfung die 2000 Meter bei Schnee und Eis in gut neun Minuten. Eigentlich Hotelfachfrau mit nachgeholtem Fachabitur, hat sie in den vergangenen vier Jahren bereits einige Erfahrung mit Migranten gesammelt: Als Assistentin der Geschäftsführung arbeitete die 31-Jährige in einem Projekt, das zugewanderte Ärzte unterstützt und für Behandlungen in Deutschland fit macht. "Ich habe keine Angst vor Einsätzen in Asylbewewerberheimen - erstens werde ich nie allein sein, zweitens kann ich Konflikte schon heute gut schlichten, und drittens vertraue ich auch auf die Ausbilder, die mir alles Notwendige beibringen werden", sagt Mandy Hempel selbstbewusst, und ihre Augen machen klar, wie ernst sie es meint.

Zur Ausbildung gehört neben Rechtslehre und interkultureller Theorie auch ein ausführliches Schießtraining, was ebenfalls ein großer Kritikpunkt ist, sowie das Training zur Selbstverteidigung. "Das ist völlig vergleichbar mit der Ausbildung im mittleren Dienst", erklärt Landespolizeipräsident Georgie. Man habe es hier mit "entwickelten Persönlichkeiten" zu tun, denen vertraut werden müsste.
Mandy Hempel, ungebunden und kinderlos, weiß jedenfalls, was sie will: Die Wachpolizei soll für die Dresdnerin das Sprungbrett in den gehobenen Dienst werden, irgendwann möchte sie an der Polizei-Hochschule studieren und danach beim Landeskriminalamt Sachsen den Kriminellen auf die Schliche kommen. Ein Traum, der realistisch scheint. Zumal die junge Frau mit TV-Reihen wie "Tatort" oder anderen Krimis nichts anfangen kann, sondern Dokumentation über Verbrechen favorisiert. "Ich lebe ja in der Wirklichkeit. Und blauäugig bin ich nur im wahrsten Wortsinn."

Warme Worte gab es zum Auftakt reichlich. Horst Kretzschmar, der Chef der Bereitschaftspolizei, sprach von einem „richtigen Schritt zur richtigen Zeit“. Landespolizeipräsident Jürgen Georgie entgegnete den Kritikern aus Gewerkschaften und Opposition, die unter anderem von einer „Billig-Polizei“ gesprochen hatten: „Wir sind froh über diese Unterstützung, diese wertvolle Ergänzung.“ Auch wenn darunter die Weiterbildung der regulären Polizisten leiden müsse. Aufgrund der enorm gestiegenen Einsatzzahlen und -zeiten hätte die reguläre Polizei nicht immer die Möglichkeit, im Ernstfall vor Ort zu sein. Dank der Wachpolizei sei nun ein viel besserer Schutz insbesondere von Flüchtlings-Unterkünften, machte Jürgen Georgie klar - und das sowohl vor Übergriffen von außen, als auch innerhalb der Quartiere bei möglichen Auseinandersetzungen. Die Entlohnung beträgt für die auf zwei Jahre befristeten Verträge monatlich 2200 brutto, was etwa 500 bis 600 Euro weniger sind, als ein Streifenbeamter verdient.

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