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In Sachsen leben 200.000 Analphabeten

Neue Kurse sollen helfen In Sachsen leben 200.000 Analphabeten

Nicht richtig lesen und schreiben zu können, macht den Alltag ungemein schwierig. In Sachsen sollen etwa 200 000 Menschen betroffen sein. Alphabetisierungskurse sollen helfen.

In Sachsen können 200.000 Menschen nicht richtig lesen und schreiben.

Quelle: dpa

Dresden . - Sachsen gibt mehr Geld zur Unterstützung von Analphabeten aus. Mit den Mitteln vom Land und der Europäischen Union werden Kurse für Menschen finanziert, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Wie das Kultusministerium mitteilte, werden von 2014 bis 2020 landesweit rund 19 Millionen Euro Fördermittel für Alphabetisierungskurse bereit gestellt. In der vergangenen Förderperiode von 2007 bis 2013 waren es 15 Millionen Euro. An den soziapädagogisch betreutet Kursen hatten damals rund 3500 Menschen teilgenommen.

Am Welttag der Alphabetisierung am 8. September soll auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Studien zufolge leben rund 202 000 Menschen in Sachsen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Bundesweit sind demzufolge etwa 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren dabei auf Hilfe angewiesen. Wie viele dieser sogenannten funktionalen Analphabeten es tatsächlich gibt, lässt sich laut Ministerium nicht genau sagen. Viele Betroffene wollten sich nicht outen, weil sie sich schämten.

„Analphabetismus wird oft vererbt“, berichtet Iris Nußbaum von der Koordinierungsstelle Alphabetisierung Sachsen (koalpha). Eltern, denen das Schreiben und Lesen schwer falle, könnten ihren Kindern bei den Schularbeiten meist nicht helfen. „Und was die Kinder bis zur vierten Klasse da nicht lernen, ist später kaum noch aufzuholen.“ Viele Analphabeten hätten keinen Schulabschluss und kämen aus sozial schwachen Milieus.

Laut Ministerium haben die Betroffenen Lesen und Schreiben in der Schule meist nur rudimentär beherrscht, es später im Beruf und auch im privaten Leben kaum mehr angewendet und so wieder verlernt. Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen. Und dennoch: Mehr als jeder Zweite (57 Prozent) von ihnen sei berufstätig. „Viele können gut verbergen, dass sie nicht lesen und schreiben können“, sagt Nußbaum. Dennoch sei deren Alltag schwierig. „Das beginnt bei Kaufverträgen, die nicht verstanden werden, und geht bis zu Formularen von Behörden oder auch beim Arzt, Bewerbungen oder Anträgen.“ Koalpha organisisiert ein landesweites Netz von Bildungseinrichtungen, in den Betroffene Hilfe finden können.

„Das Problem wird oft verschleiert“, bestätigt Cornelia Fiebiger von der Volkshochschule Leipzig. Die meisten Analphabeten kämen auf Anregung von Behörden, Vereinen, Helfern, Nachbarn oder Freunden in die Kurse. Im vergangenen Semester hätten 27 Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren teilgenommen.

„Mitunter lernen die Teilnehmer eine längere Zeit, sind jedoch schließlich in der Lage, auch selbst ein Formular auszufüllen“, sagt Regina Molke von der Volkshochschule Dresden, die in jedem Semester einen Alphabetisierungskurs anbietet. Solche Kurse gibt es auch für Asylbewerber. Im Frühjahrssemester waren es zwei Kurse mit je 14 Teilnehmern. Diese würden sofort im deutschen Alphabet unterrichtet - nicht in dem ihrer Muttersprache, hieß es.

Analphabeten litten in der Regel unter Abhängigkeit von anderen, die ihnen beim Lesen und Schreiben helfen müssten, viele zögen sich zurück, sagt Nußbaum. Wenn sie die Kurse besucht hätten, ändere sich das. „Die Menschen blühen auf und werden selbstbestimmt.“

Von Ralf Hübner

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