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In Stasi-Akten Hinweise auf sexuellen Missbrauch in DDR-Heimen

In Stasi-Akten Hinweise auf sexuellen Missbrauch in DDR-Heimen

Torgau. In DDR-Kinderheimen soll es Fälle von sexuellem Missbrauch gegeben haben, die sogar in Akten notiert wurden. „Es gibt in Stasi-Unterlagen Hinweise darauf“, sagte die Leiterin der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof im sächsischen Torgau, Gabriele Beyler, am Donnerstag.

Sie hatte Mitte März unter dem Eindruck der Missbrauchsfälle in Berlin und in den alten Bundesländern Betroffene aufgerufen, über entsprechende traumatische Erlebnisse in DDR-Heimen zu berichten. Bislang haben sich 25 Männer und Frauen bei ihr gemeldet. „Wir müssen die Fälle für Ost und West zeitgleich aufklären“, forderte die Gedenkstätten-Chefin.

„Wenn es so etwas in den DDR-Kinderheimen gegeben hat, wären die Stasi-Akten eine sichere Quelle“, sagte der Leiter der Leipziger Stasi- Gedenkstätte "Runde Ecke", Tobias Hollitzer. Allerdings kenne er selbst nicht den Inhalt aller Akten. Um in diese Einblick zu nehmen, könnten etwa Journalisten oder Wissenschaftler einen Antrag stellen.

Die 25 ehemaligen Heimbewohner, die sich bisher bei Beyler und dem Bundestagsabgeordneten Manfred Kolbe (CDU) meldeten, berichteten von massiven sexuellen Übergriffen ihrer Erzieher. „Die Opfer waren damals zwischen 6 und 17 Jahren alt und heute zwischen 40 und 50“, sagte Beyler. „Es ist wichtig, auch diesen Teil der Vergangenheit, der in den Heimen passiert ist, aufzuklären.“ Der Missbrauch sei aber nur eine Facette dessen, was den Kindern und Jugendlichen in den Heimen angetan worden sei. „Es wurde auch versucht, Kinder mit Psychopharmaka „ruhigzustellen““, sagte Beyler.

Die Gedenkstättenleiterin und der CDU-Politiker haben Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) in einem Brief aufgefordert, Vertreter der Gedenkstätte Torgau am geplanten Runden Tisch zur Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe zu beteiligen, der am 23. April erstmals tagen soll. „Es ist uns wichtig zu sagen: Den Ost-Heimkindern ging es genauso wie jenen im Westen“, sagte Beyler.

dpa

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