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Infinus-Skandal: Einer der Chefs packt aus und kommt frei

Infinus-Skandal: Einer der Chefs packt aus und kommt frei

Was wirklich mit dem Geld passiert ist, das mehr als 40 000 Anleger in Kapitalanlagen des Dresdner Finanzdienstleisters Infinus investiert haben, könnte bald klarer werden.

Jens Pardeike, einer der beschuldigten Manager will auspacken, wurde deshalb aus der Untersuchungshaft entlassen - auf Antrag der Staatsanwaltschaft, wie deren Sprecher Lorenz Haase, gestern auf Anfrage bestätigte.

Pardeike sei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keineswegs unschuldig, so Haase. Der Chef der auch als "blaue Infinus" bekannten Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut habe jedoch in geringerem Umfang als die Mitbeschuldigten von den Betrügereien profitiert, die ihnen zur Last gelegt werden. Außerdem habe er ein Teilgeständnis abgelegt, sei bereit, sich der Verantwortung zu stellen und mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.

Die "blaue Infinus" ist von der Konzernmutter Future Business AG aA (FuBus) rechtlich unabhängig und gehört auch nicht zu den 17 Unternehmen der Gruppe, die inzwischen Insolvenz angemeldet haben. Unter staatlicher Bankenaufsicht (BaFin) bietet sie vertraglich gebunden Vermittlern die Möglichkeit, ohne eigene BaFin-Lizenz die volle Produktpalette einschließlich riskanter Anlagen zu vermitteln. Doch dem Haftungsdach laufen die Vermittler davon. Von einst über 800 sind nur noch 630 bei der BaFin gelistet.

Pardeike stammt wie FuBus-Chef Jörg Biehl aus der Region, hatte gemeinsam mit diesem nach der Wende aus einer kleinen Versicherungsagentur die Finanzgruppe aufgebaut, die zuletzt ein Milliardenvermögen verwaltete.

Eine Haftbeschwerde von Siegfried Bullin, Aufsichtsratschef der FuBus und der zum Konzern gehörenden Prosavus AG, hat das Landgericht Dresden abgelehnt. Die Vorwürfe des Kapitalangebetrugs und des Unterhaltens eines betrügerischen Schneeballsystems würden aufrechterhalten, so Haase. Es bestehe Fluchtgefahr.

Ob die Liste der bei sechs Beschuldigten beschlagnahmten Vermögenswerte, die die Staatsanwaltschaft veröffentlichte (LVZ berichtete) jetzt tatsächlich Anlegern den Weg eröffnet, durch einen so genannten dringlichen Arrest an ihr Geld zu kommen, bleibt fraglich. Viele Anwälte und die Stiftung Warentest raten zwar dazu. Doch wegen der Insolvenzverfahren sind Zwangsvollstreckungsmaßnahmen derzeit nicht möglich. Auch FuBus-Gründer Jörg Biehl, der als Gesellschafter mit seinem Privatvermögen haftet, befindet sich in vorläufiger Privatinsolvenz. Sollte es Anlegern gelingen, einen Arrest zu erwirken, können auf dem Klageweg bis zu einem rechtskräftigen Urteil Jahre vergehen.

Auch eine weitere Strategie der Anlegeranwälte ist keineswegs sicher. Sie wollen versuchen, die "blaue Infinus" wegen fehlerhafter Anlageberatung ihrer vertraglich gebundenen Vermittler auf Schadenersatz zu verklagen. Nach eigenem Bekunden hat das Haftungsdach eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abgeschlossen. Deren Leistungen könnten jedoch nach oben gedeckelt sein. Und beim Gesamtschaden könnte es nicht nur um die 400 Millionen Euro gehen, die Anleger in die Orderschuldverschreibungen der FuBus investiert haben, sondern auch gut um die doppelte Summe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.02.2014
Holger Grigutsch

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