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Integration im Altenheim: Zwei Syrer wagen Neuanfang als Pflegehelfer

Ein neuer Job Integration im Altenheim: Zwei Syrer wagen Neuanfang als Pflegehelfer

Integration funktioniert am besten über Arbeit. Zwei Syrer ergreifen die Chance und packen in einem Chemnitzer Altenpflegeheim mit an. Die Branche sucht händeringend Mitarbeiter.

Die syrischen Flüchtlinge Ahmed Mistikalo (l) und Bassil Alhorane unterhalten sich mit der Rentnerin Hildegard Hoffleuchter.

Quelle: dpa

Chemnitz. Eigentlich wäre er gern Arzt geworden, erzählt Ahmed Mistikalo. Nun fängt er am anderen Ende der Skala an: als Hilfspfleger in einem Chemnitzer Altenpflegeheim des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Doch das Lächeln im Gesicht des 18-jährigen Syrers zeigt, dass er mit dieser Option mehr als zufrieden ist.

Vom 1. März an wird er zusammen mit seinem Landsmann Bassil Alhorane offiziell als Pflegehilfskraft arbeiten. Möglich gemacht hat das ein Projekt des Chemnitzer Stromanbieters EnviaM. Die Initiative „Ich pack' das!“ fördert seit 2004 Jugendliche, die es nicht auf geradem Weg in eine Ausbildung schaffen. Das Programm gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Mit der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 sei klar gewesen, dass man dabei auch Asylbewerber aufnehmen wolle, sagt Personalvorstand Ralf Hiltenkamp.

Seit Dezember im Praktikum

Doch bevor die beiden Syrer zusammen mit einem Pakistaner und drei deutschen Jugendlichen auf den Beginn einer Berufsausbildung vorbereitet werden konnten, habe man viele gesetzliche Hürden nehmen müssen. Deshalb hat es fast ein Jahr Vorlaufzeit gebraucht, bis der Energieversorger mit Hauptsitz in Chemnitz nun die ersten beiden Flüchtlinge erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren konnte.

Weil sich die beiden jungen Männer eine Tätigkeit in der Pflege vorstellen konnten, ging ihr Ausbilder auf den ASB zu. Auf die erste Bewerbung für ein Praktikum folgte eine umgehende Zusage. Seit Dezember helfen sie den 200 Bewohnern unter anderem beim Anziehen und Essen oder betreuen demenzkranke Menschen.

Vorbehalte nicht bekannt

Seine Branche sei dringend auf ausländische Mitarbeiter angewiesen, sagt ASB-Heimleiter Gunter Melzer. „Denn Deutsche stehen bei uns nicht gerade Schlange.“ Aktuell gebe es sieben freie Leerstellen, aber nur drei Bewerber. Einer davon sei noch nicht einmal zum Bewerbungsgespräch erschienen.

Außer Fachleuten brauche er gerade auch Hilfskräfte, da etwa 80 Prozent der Altenpflege Helfertätigkeiten seien. Neben Ahmed Mistikalo und Bassil Alhorane arbeiten demnach bereits ein Marokkaner, eine Irakerin, zwei weitere Syrer sowie mehrere Vietnamesen und Polen für den ASB Chemnitz mit insgesamt 520 Mitarbeitern. Vorbehalte bei Bewohnern oder Angestellten sind Melzer nach eigener Aussage nicht bekannt.

„Integration ist wirtschaftliche Notwendigkeit“

Ralf Hiltenkamp betont, dass der Stromanbieter in der Flüchtlingsfrage Flagge zeigen wolle. „Integration ist für uns aber auch einfach eine wirtschaftliche Notwendigkeit.“ Als größter Versorger Ostdeutschlands mit rund 1,4 Millionen Kunden basiere das Geschäft maßgeblich auf Menschen, die man versorgen könne. Gerade im ländlichen Raum aber mache der demografische Wandel dem Unternehmen zu schaffen.

A und O bei der Integration von Flüchtlingen sei die Sprache, sagt Hiltenkamp. Für den Einstieg in den Beruf reiche es jedoch nicht, wenn sich Migranten umgangssprachlich verständigen können. Eine weiterführende sprachliche Qualifizierung werde aber häufig nicht gefördert. So habe das Unternehmen die Kosten für einen weiteren Sprachkurs der Syrer übernommen, damit diese mit den alten Menschen kommunizieren könnten. „Das muss die Politik anders regeln“, fordert er.

Feinfühligkeit gefordert

Auch fehle es Behörden oft an Feinfühligkeit im Einzelfall. So habe Mistikalo zwar nur acht Klassen besucht und keinen Abschluss nach deutschen Standards. „Aber schauen Sie sich nur dieses Lächeln an - das ist es, was in unserem Beruf zählt“, meint sein Chef. Tatsächlich schwindet dieses Lächeln nur einmal im Gespräch mit dem 18-Jährigen – bei der Frage nach seiner Heimatstadt Aleppo. Dorthin möchte er nie wieder zurückkehren. „Ich war erst 13 und habe viele schlimme Dinge gesehen“, sagt er dieses Mal ganz leise.

Von dpa

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