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Jahn bleibt bei Versetzung von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern

Jahn bleibt bei Versetzung von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern

Dresden. Der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, hält trotz Kritik an seinem Ziel fest, belastete Mitarbeiter seines Hauses in andere Bundesbehörden zu versetzen.

„Das ist mein Wunsch“, sagte Jahn am Dienstag bei einem Besuch in der Dresdner Außenstelle seiner Behörde. Einige Betroffene hätten bereits eine Zusage gemacht, bei entsprechenden Angeboten zu wechseln. Allerdings dürfe das keine Tätigkeit sein, die mit der Aufarbeitung der Stasi zu tun habe. Opfer empfänden es als Schlag ins Gesicht, wenn Ex-Stasi-Offiziere sie beim Besuch der Unterlagenbehörde am Empfang begrüßten. „Dieses Empfinden muss man ernst nehmen.“

Jahn war mit der Forderung, frühere Stasi-Mitarbeiter aus seiner Behörde entfernen zu wollen, in die Kritik geraten. Für ihn habe die Lösung dieses Problems keine Priorität, sie sei aber ein Teil seiner Arbeit. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Behörde. Jahn zufolge sind 47 Mitarbeiter betroffen. Der Großteil von ihnen habe früher beim Personen- und Objektschutz der Stasi gearbeitet. Heute seien sie in der Behörde beispielsweise am Empfang, aber auch als Sachbearbeiter und im Archiv tätig. Der Großteil von ihnen arbeite in Berlin, der geringere Teil in Außenstellen. In Dresden gebe es keinen entsprechenden Fall, in Chemnitz dagegen schon.

„Wir arbeiten an konkreten Vermittlungen in andere Behörden“, sagte Jahn. Jetzt sollte man sich aber erstmal bis Ende Mai Zeit nehmen und auf das Gutachten warten. Es soll juristische Klarheit über arbeitsrechtliche Fragen bringen. Ziel seiner Arbeit sei die Versöhnung. „Das heißt aber auch, die Wunden der Opfer zu heilen.“ Nach Auffassung von Jahn ist rund 20 Jahre nach der Wende zugleich ein Zeitpunkt erreicht, den früheren Stasi-Mitarbeitern eine zweite Chance zu geben. Opferverbände sähen das nicht anders, erwarteten aber auch ein Zeichen der Reue. Es gebe noch zu wenige Ex-Stasi-Leute, die sich für ihr früheres Tun entschuldigen.

Sachsens Stasi-Landesbeauftragter Lutz Rathenow hält ein Versetzen der Mitarbeiter in deren eigenem Interesse für notwendig. „Ihre Anwesenheit ist ein permanenter Anlass für Verschwörungstheorien und die bloße Diskussion über ihre Anwesenheit führt zur Re-Traumatisierung ehemaliger Opfer“, sagte er der dpa. Es stelle sich die Frage, ob die Jahn-Behörde neben den Stasi-Unterlagen nicht auch die Geschichte ihrer Aufarbeitung nach 1990 erforschen sollte. „Wie sind die Mitarbeiter eigentlich in die Aufklärungsbehörde hineingekommen? Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung nicht, eine öffentliche Debatte hat es damals nicht gegeben.“

Die SPD-Fraktion im sächsischen Landtag würdigte Jahn als Vertreter der Versöhnungspolitik. „Versöhnung bedeutet aber nicht nur Vergeben, sondern auch Wiedergutmachung und das Hineinversetzen in die Sichtweise der Opfer. Diese Perspektive wurde in den letzten 20 Jahren nicht immer ausreichend eingenommen“, erklärte die Abgeordnete Hanka Kliese.

Jahn sprach sich für eine differenzierte Bewertung der DDR aus. Die DDR habe Repression und Stasi-Gefängnisse bedeutet, für viele aber auch subjektiv ein schönes Leben. „Aufklärung heißt differenzierte Darstellung“, sagte Jahn. Dies schließe DDR-Biografien ein. Man müsse auch genau hinschauen, warum jemand zum inoffiziellen Mitarbeiter wurde und welche Zwänge da existierten. „Nur so können wir wirklich begreifen, wie Diktatur funktioniert.“ Die DDR lasse sich nicht auf Stasi reduzieren. Künftig müsse stärker das Zusammenspiel der SED mit der Stasi und staatlichen Strukturen in der Fläche beleuchtet werden.

dpa

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