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Jahrzehnte nach Tschernobyl-Unglück: Viele Wildschweine noch immer radioaktiv belastet

Jahrzehnte nach Tschernobyl-Unglück: Viele Wildschweine noch immer radioaktiv belastet

28 Jahre nach dem Atomunfall von Tschernobyl sind in Thüringen etliche Wildschweine noch immer so sehr verstrahlt, dass ihr Fleisch nicht verkauft werden darf. Voriges Jahr wurden laut Gesundheitsministerium 586 erlegte Tiere untersucht und bei fast jedem zehnten der Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm überschritten.

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In einigen Thüringer Regionen ist das Fleisch von Wildschweinen noch immer radioaktiv belastet.

Quelle: dpa

Erfurt. Ein Ende des Problems sei nicht abzusehen, da sich die Cäsium-Belastung nur alle 30 Jahre halbiere, sagte die Leiterin des Referats für Lebensmittelüberwachung, Karin Schindler. 

Wildschweine sind laut Schindler deswegen stärker betroffen als andere Wildtiere, weil sie im Waldboden wühlen, wo sich das Cäsium besonders lange hält. „Sie nehmen dabei in großem Umfang Pilzmyzel auf, in dem sich Cäsium besonders stark anreichert.“ Wildschweine, die in dichten Waldgebieten leben, sind daher stärker betroffen als diejenigen, die sich verstärkt auf Wiesen und Feldern rumtreiben. 

Untersucht werden aber nicht alle geschossenen Wildschweine. Vielmehr gibt es ein abgestuftes System mit Schwerpunktgebieten, in denen alle Tiere getestet werden müssen, Jagdbezirken, in denen nur Stichproben von jedem fünften Tier untersucht werden und den übrigen Landesteilen mit noch kleineren Stichproben, erläuterte Schindler.  

Zu den Schwerpunkten gehörten Gebiete im Thüringer Wald, vor allem in den Landkreisen Hildburghausen, Gotha und dem Ilm-Kreis, erklärte die Expertin. Das liege an der dortigen Waldstruktur sowie an den Wetterbedingungen in den Tagen nach der Reaktorkatastrophe im April 1986. Auch im Kreis Greiz gebe es eine Region, wo zumindest im Winter alle geschossenen Schweine untersucht werden. „Im Sommer halten sie sich dort auf Wiesen und Feldern schadlos.“

Die Untersuchungen werden erst fällig, wenn das Fleisch verkauft oder verschenkt werden soll, erläuterte Schindler. Erlegt ein Jäger ein Tier für den eigenen Verzehr, ist das nicht nötig. „600 Becquerel ist ein sehr niedriger Grenzwert. Wenn man das einmal isst, ist das kein Problem.“

Doch wird das Fleisch positiv getestet, muss es entsorgt werden; der Jäger wird dafür entschädigt. Das Prozedere sei sehr gut eingespielt, konstatierte der Präsident des Landesjagdverbandes, Steffen Liebig. „Das klappt ohne Probleme.“ Auch in diesen Gegenden würden Wildschweine weiter „straff bejagt“. Liebig betonte, dass in Bayern weitaus mehr Regionen betroffen seien als in Thüringen. 

Thüringens Jäger hatten im Jagdjahr 2013/14 nach früherer Auskunft des Forstministeriums mit knapp 23 500 Tieren deutlich weniger Wildschweine geschossen als in der Jagdsaison zuvor. Als Grund gilt der lange Winter, der sich bis ins Frühjahr 2013 zog und den Frischlingen und damit der Population insgesamt zugesetzt habe.

dpa

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