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Jedes dritte Kind im Vorschulalter hat Sprachprobleme

Bundesprogramm Sprach-Kitas Jedes dritte Kind im Vorschulalter hat Sprachprobleme

Eigentlich lernen Kinder automatisch sprechen. Doch bei vielen schleichen sich Fehler ein, die oft erst spät entdeckt werden. Da sind neben den Eltern vor allem Erzieher, Betreuer und Pädagogen gefragt.

Viele Schulanfänger müssen in Sachsen zum Logopäden.

Quelle: dpa-tmn

Dresden - . Stottern, Lispeln oder ein zu geringer Wortschatz - etwa jedes dritte Kind im Vorschulalter hat in Sachsen Probleme mit dem Sprechen. Bei mehr als 12 000 Jungen und Mädchen sind laut Gesundheitsministerium bei der Untersuchung vor der Schulaufnahme für das Schuljahr 2015/16 Auffälligkeiten festgestellt worden. Dieses Ergebnis sei mit dem vergangener Jahre vergleichbar, hieß es bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahlen bewegten sich seit zehn Jahren auf etwa gleichem Niveau.

In Leipzig etwa wurden nach Angaben der Behörden im Einschulungsjahr 2016 bei 32 Prozent der untersuchten Kindern Sprachprobleme festgestellt.

Rund 365 Kindergärten in Sachsen beteiligen sich am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“, bei dem unter anderen Kindheitspädagogen, Erziehern oder Heilerziehungspflegern vermittelt wird, wie sie Kindern helfen, ihr Sprachvermögen zu entwickeln. Wie sie beispielsweise beim Vorlesen, Erzählen oder dem Beschreiben von Bildern sprachlich den altersgerechten Ton treffen - nicht zu simpel, aber auch nicht zu kompliziert.

„Das Interesse ist groß“, sagt Robert Jurleta vom Landeskompetenzzentrum zur Sprachförderung an Kindertageseinrichtungen in Sachsen. „Wenn die Kinder die Kita verlassen, ist deren sprachliche Entwicklung meist beendet. Sie können dann komplexe Zusammenhänge erfassen und auch ausdrücken.“

Laut Jurleta muss zwischen Sprachstörungen und Sprachdefiziten unterschieden werden. Ist der Wortschatz klein, die Grammatik möglicherweise fehlerhaft, wird von Defiziten gesprochen. Die Ursache sei meist fehlende sprachliche Anregung. Der Einfluss der Eltern sei dabei gar nicht so groß, sagt Jurleta. Mit gemeinsamem Erzählen, Bilderbüchern, Versen, Reimen oder auch Liedern können pädagogische Fachkräfte den Kindern unter anderem helfen, ihr Sprachvermögen zu verbessern. Und es sei gut, wenn diese eine Kita besuchten, möglicherweise gar eine der „Sprach-Kitas“.

Logopäden sind gefragt

Wenn Kinder jedoch lispeln, stottern oder poltern, das heißt undeutlich sprechen, geht es in der Regel um Sprachstörungen. Da sind dann Therapeuten und Logopäden gefragt. Auf den späteren Lernerfolg in der Schule hätten diese Phänomene aber kaum Einfluss, sagt Jurleta.

Nach Angaben des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie in Sachsen sind 2016 bei den Kinder unter fünf Jahren 9516 Mal logopädische Therapien verordnet worden. In der Gruppe der Fünf- bis unter Zehnjährigen ist ein starker Anstieg auf 40 734 solcher Rezepte zu verzeichnen, was Fachleute auf die Schuleingangsuntersuchung zurückführen. Verglichen mit dem Jahr zuvor ist das ein Minus von 1,7 Prozent beziehungsweise 6,2 Prozent. 

„Viele Eltern kommen leider erst spät mit den Kindern zum Logopäden“, sagt Landesvorsitzende Jana Trülzsch. „Früher wäre besser.“ Vor allem zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr könne viel korrigiert werden. Oft gehe es um Lautbildung, gestörtes Sprachverständnis oder Wortschatzdefizite.

Die Krankenkassen haben laut Techniker Krankenkasse in Sachsen bei den bis Fünfjährigen im vergangenen Jahr für mehr als 9500 verordnete Behandlungen rund 3 Millionen Euro bezahlt. 2007 waren es rund 8000 und 2015 fast 10 150 Behandlungen.

Von Ralf Hübner

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