Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Jugendämter setzen vermehrt auf Pflegefamilie statt Heim

Jugendämter setzen vermehrt auf Pflegefamilie statt Heim

Jungen und Mädchen aus Problemfamilien werden von den Jugendämtern immer häufiger in die Obhut von Ersatzeltern und nicht in ein Heim gegeben. Das familiäre Umfeld komme Kindern eher entgegen, argumentieren die Ämter laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Voriger Artikel
Falschgeldfunde in Sachsen nehmen zu
Nächster Artikel
Bericht zur Doktortitel-Affäre: Noch ein Verdachtsfall in Jena

Rund 210 Kinder leben in Dresden in Pflegefamilien.

Quelle: dpa

Dresden. Zudem sei die Pflegefamilie günstiger als ein Platz im Heim. Deshalb werden solche Familien gesucht. Die Träger der freien Wohlfahrtspflege verweisen jedoch darauf, dass Pflegeeltern oft die nötige sozialpädagogische Qualifikation fehle. In Sachsen wurden 2009 laut Statistischem Landesamt insgesamt 1959 Mädchen und Jungen von Jugendämtern in Obhut genommen - etwa so viele wie 2008.

„Die Pflegefamilie oder das Heim für ein Kind ist immer das letzte Mittel“, sagte Evelin Hipke vom Dresdner Jugendamt. Rund 210 Kinder leben in der Landeshauptstadt in Pflegefamilien, fast 410 in Heimen, etwa 20 mehr als noch vor drei Jahren. „Bei Kindern bis sechs Jahre wird generell nach einer Familie gesucht“, sagte Hipke. Mit Info- Veranstaltungen wird permanent nach Familien gesucht, die bereit sind, die Jungen oder Mädchen teilweise bis zur Volljährigkeit bei sich aufzunehmen. Etwa 160 „Elternpaare auf Zeit“ kümmern sich derzeit in Dresden um die Kleinen. Die Kosten spielten bei der Entscheidung Heim oder Familie laut Hipke aber keine Rolle.

Der Chemnitzer Jugendamtschef Holger Pethke räumte ein, dass er in Zeiten knapper Kassen auch ans Geld denken muss. „Die finanziellen Aufwendungen für Kinderheimplätze sind erheblich höher.“ Während ein Platz im Heim etwa zwischen 90 und 150 Euro täglich koste, schlage ein Kind in einer Pflegefamilie mit maximal 600 Euro im Monat zu Buche. „Einen 15-Jährigen etwa würden wir dennoch nicht in eine Familie gegeben. Das überfordert die Leute.“ Pflegefamilien würden auch in Chemnitz gesucht. „Wir könnten mehr von ihnen gebrauchen.“

Pflegefamilie oder Heim - das sei eine Frage des Einzelfalls, sagte der Sprecher des Landkreises Mittelsachsen, André Kaiser. Dabei spielten unter anderem das Alter des Kindes sowie die Mitwirkungs- und Veränderungsbereitschaft der Eltern eine Rolle. Für jüngere Kinder werde überwiegend die Betreuung in einer Pflegefamilie bevorzugt. Dem Landkreis entstünden für Unterbringungen in Pflegefamilien und Heimen jährlich Kosten von etwa sechs Millionen Euro.

Den Jugendlichen werde oft zu spät geholfen - auch wegen eines enormen Kostendiktats, kritisierte die Sprecherin der Diakonie in Sachsen, Sigrid Winkler. Pflegefamilien sieht der Verband skeptisch. Diese seien zwar erheblich günstiger. Die fachliche Qualifikation der Pflegeeltern liege oft aber deutlich unter den Anforderungen, die für Mitarbeiter in der stationären Kinder- und Jugendhilfe gelten. „Die sozialpädagogische Ausbildung reicht da oft nicht aus.“

Es sei zu bezweifeln, dass Pflegeeltern etwa Stress-Situationen immer gewachsen seien. Winkler glaubt, dass künftig immer mehr Jugendliche die Jugendämter beschäftigten werden. „Die erzieherischen Hilfen werden laut Studien vor allem von Familien in ökonomisch schwieriger Lage in Anspruch genommen“, sagte Winkler. „Das nimmt zu.“

Die Orientierung der Jugendhilfe auf Pflegefamilien hat für die freien Träger auch wirtschaftliche Folgen. „Die Belegung der Heime ist massiv zurückgegangen“, sagte die Sprecherin der AWO Sachsen, Ines Vogel. Viele Häuser seien noch vor Jahren aufwändig gebaut und dann wieder aufgegeben worden. Derzeit liefen noch 17 Heime unter AWO-Regie.

Ralf Hübner, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr