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Kaffee, Kunst und ein wenig Katerstimmung im Katzenerlebnispark Bobenneukirchen

Kaffee, Kunst und ein wenig Katerstimmung im Katzenerlebnispark Bobenneukirchen

Wenn jemand die Bretter, die die Welt bedeuten, kennt, dann ist es Renate Oeser (87). Aus Meißen stammend war sie einst Opernregisseurin  in Halle, Zwickau, Altenburg und Wittenberg.

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Ausgewiesene Katzenexpertin: Renate Oeser wollte die versprengten Samtpfoten ins Vogtland holen.

Quelle: Roland Herold

Bobenneukirchen. Über 100 Opern hat sie inszeniert und neun Opernfilme mit dem Fernsehstudio Halle gedreht. Ab 1969 unterrichtete sie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, wo sie 1990 zur Professorin berufen wurde.

Doch dann kam  die Rente (1994).  „Was kann ich ei- gentlich, habe ich damals gedacht“, erinnert sich Oeser. Ihr Grundstück im vogtländi- schen Bobenneukirchen („Bobn’nei’ker’ng“, wie der Vogtländer sagt)  hatte sie 45 Jahre zuvor gekauft. Doch die eigene Gemüsezucht im Gewächshaus lohnte sich schon lange nicht mehr. Da habe sie dann halt zunächst kleine Frauenfiguren entworfen, erinnert sie sich. „Später sagte ich mir: Du liebst Katzen - machst du eben eine Katzenpension auf.“

Nicht nur der Amtstierarzt sei begeistert von der Aussicht gewesen, dass nun künftig in der Urlaubszeit weniger Katzen ausgesetzt werden würden. Eine Freundin kam sogar auf die Idee, den Katzenbesitzern einen Kaffee anzubieten. Oeser schüttelt den Kopf: „Eine Schnapsidee, habe ich damals gedacht. Die sind doch nur damit beschäftigt, wann sie am Flughafen sein müssen und wo sie dann einen Parkplatz bekommen.“

Dennoch sei es ihr Schicksalstag geworden. Sie googelte den Begriff Katzen-Café im Internet und stieß auf einen Katzenmuseum-Förderkreis in Frankfurt/Main. Dessen Chefin hatte zwar 15000 Katzenfiguren in 30 Ländern gesammelt, besaß aber selbst kein Museum. Mit ihr gemeinsam entstand der verwegene Plan, die komplette Sammlung ins Vogtland zu schaffen und zwar nach Kürbitz, wo das dortige Herrenhaus leer stand.

Fast, aber leider nur fast wäre aus   Kürbitz das Mekka der europäischen Katzenfreunde geworden. 15000 Katzenfiguren? Damit wäre der 700-Seelen-Ortteil von Weischlitz nahe Plauen in die Champions League der Katzenmuseen vorgestoßen. Nur so zum Vergleich: 7000 Katzenfiguren stehen in einer Sammlung in Moskau, 6000 im Deutschen Katzen- museum im bayerischen Traunstein, 6000 im spanischen Lloret de Mar, 5000 im Kattenkabinet in Amsterdam und 1000 in Berlin-Lichterfelde.

Es sollte nicht sein. Die Kürbitzer blieben störrisch und 90 Prozent der Sammlung wanderten auf Burg Katzenstein in Baden-Württemberg, wo sie noch heute auf ihre Erweckung warten. Doch die restlichen zehn Prozent gab die Sammlerin quasi zum Trost an Renate Oeser. Nun existiert in Bobenneukirchen seit drei Jahren ein Katzenerlebnispark mit Katzen-Café, Katzen-Kunst-Kabinett, Katzen-Souvenir-Verkauf und Katzen-Pension.

In der Katzenboutique gibt es unter anderem von Oeser selbst gefertigte Katzentaschen, aber auch Katzen-Türstopper, Katzenschachteln, Katzenklingeln, Katzentassen, Katzenbücher, Katzenteller und was der Katzenfreund eben noch so braucht.

 In der Katzenpension kommen in großzügigen Volieren auch Freigänger auf ihre Urlaubskosten („Sonst werden sie rammdösig“), und in einem der Gewächshäuser präsentiert Oeser temperamentvoll ihre Katzen-Kunst-Sammlung: englische, indische, balinesische, thailändische, mexikanische, portugiesische, japanische und auch deutsche Katzen.  Von der winzigen Eisenkatze („Der Hausmeister“) bis hin zur großen Betonkatze. Ganze Rudel wurden von Oeser zu abenteuerlichen Installationen wie Irrgärten, Teppichen oder Mäusefresstafeln verarbeitet.

Nach so viel Kultur winkt schließlich selbst gebackener Kuchen. Denn kann man - je nach Wetter - entweder im Katzen-Café oder im Freigelände zwischen renitenten und aufwändig gearbeiteten Katzenpersönlichkeiten an den Tischen einnehmen. Schnurren beim Kuchen.

Geöffnet zwischen Himmelfahrt und Oktober, Sonnabend und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. Tel.: 037434/80451. www.katzen-kaffee.de.vu

Roland Herold

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