Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kirchentag lockte Massen nach Dresden - 120.000 Menschen beim Abschlussgottesdienst

Kirchentag lockte Massen nach Dresden - 120.000 Menschen beim Abschlussgottesdienst

Dresden. So schön kann Kirche sein. 120 000 Menschen säumen das Dresdner Königsufer, an dem Geistliche auf einer mächtigen Bühne predigen und beten.

Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und setzt die historische Stadtsilhouette, die Canaletto einst so unerreicht porträtierte, ins Licht. Etwas abgekämpft, aber glücklich sehen sie aus, die Teilnehmer des 33. Evangelischen Kirchentags mit ihren grünen Schals.

Am Sonntag versammeln sie sich nach fünftägigem Veranstaltungsmarathon zum letzten Mal, um ihren Glauben zu zelebrieren, Gemeinschaft zu erleben. Die Problemschwere mancher Kirchentagsforen zu Energiewende oder einer gerechteren Welt ist weg. Singen, beten und umarmen heißt die Devise - und Adressen austauschen.

Ein schönes Fest des Glaubens hat Dresden erlebt, keine Frage, vielleicht den „ersten gesamtdeutschen Kirchentag“, wie Präsidentin Katrin Göring-Eckardt meint. Ein Drittel der Teilnehmer kam aus dem Osten in die stolze Sachsen-Metropole, insgesamt strömten mehr Menschen als erwartet nach Dresden. Selbst die Organisatoren waren überrascht, liegt die Stadt doch in einer extrem säkularisierten Region, in der sich nur noch jeder vierte oder fünfte zum christlichen Glauben bekennt.

„Es gibt eine neue Lust auf Theologie“, schließt Göring-Eckhardt aus der Resonanz und den Debatten. Ob indes der Kirchentag zwischen Ostsee und Chemnitz, Halberstadt und Frankfurt/Oder wirklich nachhaltige Wirkung für die evangelische Kirche entfaltet, darf als offen gelten. „Dass allein eine solche Großveranstaltung zu einem Aufschwung führt, wage ich doch zu bezweifeln“, hatte der Religionssoziologe Olaf Müller von der Universität Münster schon vor dem protestantischen Laientreffen erklärt. Sicher allerdings war der Kirchentag eine Vergewisserung im eigenen Glauben und die Erfahrung als große Gemeinschaft in einer immer säkulareren Umgebung.

Ein Kirchentag des Glaubens war es, aber noch viel mehr ein politischer Kirchentag. Schon früh hatten die Organisatoren um  Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckardt von den Grünen das Thema Atom auf die Agenda gesetzt, das nach Fukushima eine ganz neue Dynamik entfaltete. Etliche Veranstaltungen drehten sich um den Atomausstieg, der parallel zum Kirchentag in Berlin von Regierungskoalition und Ländern festgezurrt wurde.

Mit der Integration von Zuwanderern, dem sexuellen Missbrauch und Auslandseinsätzen der Bundeswehr standen weitere Reizthemen im Mittelpunkt. Doch gab es dabei auf den Podien und in den übervollen Hallen kaum wirklich Streit, wirkliches Fetzen, empörte Zwischenrufe, wie auf Kirchentagen vergangener Jahrzehnte.

Stattdessen Beifall für Politiker wie Bundespräsident Christian Wulff, Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder seine Grünen-Kollegin Renate Künast. Selbst als Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärt, Flüchtlinge aus Tunesien seien unerwünscht in Europa, gibt es in der Halle keinen Aufschrei - obwohl beide großen Kirchen vehement eine neue Flüchtlingspolitik fordern.

Ist das die „neue Mitmachkultur“, die Göring-Eckhardt auf dem Kirchentag ausgemacht hat? Der Kirchentag sei eine Veranstaltung der nachdenklichen Töne, keine Talkshow, gibt sie zu bedenken. Der „Störenfried“, wie einst Gründer Reinold von Thadden den Kirchentag verstand, hat an Biss verloren.

Ungebrochen ist indes der Andrang der Massen für den Popstar der Protestanten, Ex-Bischöfin Margot Käßmann. Tausende pilgern von einer überfüllten Veranstaltungshalle zur nächsten, um die zweifelsohne populärste Vertreterin der Kirche zu sehen - und sei es nur auf einer Leinwand vor der Halle. „Wie die reden kann, einfach Klasse“, sagt eine Zuhörerin. Von Käßmann kommen wie gewohnt klare Worte: gegen Kinderarmut, gegen Waffenhandel. Und im Publikum lauscht Bundespräsident Christian Wulff, der mit dem Ruf nach mehr Ökumene zum Auftakt des Kirchentags einen Akzent gesetzt hatte. 

Simona Block, Michael Evers und Stefan Kruse, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr