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Kita-Streiks vor dem Ende – Schlichtung nach dramatischer Nachtrunde

Arbeitskampf Kita-Streiks vor dem Ende – Schlichtung nach dramatischer Nachtrunde

Am Ende geht die Sonne über Berlin auf - und die Gesichter mancher Verhandler im Kita-Streit werden immer grauer. Ein Ergebnis haben beide Seiten auch nach über 16 Stunden nicht hinbekommen.

Der Kita-Streik wird am Montag ausgesetzt.

Quelle: dpa

Berlin/Leipzig. 6.02 Uhr - die Abfahrt des ICE-Sprinters in Berlin nach Frankfurt gibt am Donnerstagmorgen das Ende der Tarifverhandlungen im Kita-Streit vor. Denn der Verhandlungsführer der Gewerkschaften, Verdi-Chef Frank Bsirske, will unbedingt rechtzeitig bis 11 Uhr in der Mainmetropole sein, um dort bis zu 320 Streikdelegierten den Verhandlungsstand erklären zu können.

Während der über 16-stündigen Schlussrunde in einem Hotel in der Nähe des Berliner Kurfürstendamms sieht es immer wieder so aus, als ob Bsirske mit aus Gewerkschaftssicht ziemlich leeren Händen zu den Delegierten fahren müsste - und weiter gestreikt wird. Dann die Überraschung: Die vierwöchigen bundesweiten Streiks sollen am Montag vorerst zu Ende gehen - trotz des Scheiterns der Tarifverhandlungen für die kommunalen Erzieher und Sozialarbeiter. Beide Seiten verständigen sich auf eine Schlichtung, damit gilt eine Friedenspflicht.

Ob sich das Schlichtergespann - Hannovers früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) und ein noch unbenannter zweiter Schlichter von der Arbeitgeberseite - viel leichter tut als die Verhandler, ist fraglich. „Wir hoffen, ich denke gemeinsam, dass wir dann im Schlichtungsverfahren zu einer endgültigen Befriedung kommen können“, sagt der Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbands VKA, Thomas Böhle. Und wenn nicht? Dann könnte doch wieder gestreikt werden.

Der Teufel steckt einerseits im Detail. 102 unterschiedliche Monatsgehälter umfasst die gültige Tariftabelle, je nach Berufsgruppe - also etwa Erzieher oder Sozialarbeiter, und nach Berufsjahren. Gibt es hier für einige künftig deutlich mehr, könnte das jene mit nur geringen oder gar keinen Erhöhungen auf die Palme bringen. Außerdem sind die finanziellen Auswirkungen für die Kommunen ganz unterschiedlich - je nachdem, in welchen Städten besonders viele Vertreter der einzelnen Berufsgruppen arbeiten.

Andererseits geht es ums Grundsätzliche. Die Interessensgegensätze seien einfach zu groß gewesen, heißt es hinterher von einem Verhandler. Aber, wie es von anderer Seite heißt: „Ein Streik hätte nicht mehr gelohnt.“ Mehr hätten die Gewerkschaften dadurch wohl nicht herausholen können. Es prallen unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Beispiel: Eine Erzieherin mit schwierigen Aufgaben verdient nach 16 Jahren 3732 Euro im Monat. Bei einem Arbeitgeberwechsel rutscht sie aber auf das Anfangsgehalt von 2657 Euro brutto zurück, außer der Arbeitgeber zahlt freiwillig mehr - für die Gewerkschaften ein Unding. Die Arbeitgeber hingegen argumentieren: Viele vor allem Ältere bekämen den Job sonst gar nicht.

Vor allem aber sehen Bsirske und Co. die öffentliche Meinung auf ihrer Seite mit der Forderung nach einer „nachvollziehbaren Aufwertung des gesamten Berufsfeldes“, also bei allen 240 000 kommunalen Erziehern, Sozialarbeitern und anderen. Dass kleine Kinder in der Kita nicht nur betreut werden, sondern ihnen auch viel beigebracht wird, ist eine heute weit verbreitete Erkenntnis.

Und dass die Mitarbeiter von Jugendämtern etwa bei Verdacht auf Vernachlässigung eines Kindes mehr Zeit und eventuell auch manchmal mehr Motivation brauchen, dürfte ebenfalls eine verbreitete Ansicht sein. Dennoch: Die VKA sieht die Betroffenen gar nicht schlecht bewertet, auch im Verhältnis etwa zu Feuerwehrmännern und anderen Beschäftigten der Kommunen. Deswegen kommt man an diesem Kernpunkt auch nicht weiter, als über Berlin schon wieder die Sonne aufgeht und die Abfahrt von Bsirskes Zug naht. Die Lokführer streiken nämlich derzeit nicht.

Basil Wegener

Los-Angeles-Platz 1, 10789 Berlin 52.502149 13.33582
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