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Köpping: „Die Nachwendezeit muss auf den Tisch“

SPD rüttelt an Tabuthema Köpping: „Die Nachwendezeit muss auf den Tisch“

Ist über die Zeit nach der Friedlichen Revolution 1989 in Ostdeutschland nie genug gesprochen worden? Das könnte heute Wutbürgern und Rechtspopulisten Oberwasser verschaffen. So sieht es zumindest Sachsens Gleichstellungsministerin.

Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping stößt eine Debatte zur Nachwendezeit an.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig . Die sächsische SPD will offensiver mit möglichen Fehlern der Nachwendezeit umgehen und Versäumnisse aufarbeiten. Es sei bisher ein politisches Tabuthema gewesen, offen über den sozialen Abstieg vieler Menschen im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zu diskutieren, sagte die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping, am Montag beim Politischen Reformationstag der Landes-SPD in Leipzig. „Darüber reden dürfen und können, das ist der erste Schritt zur Aufarbeitung und Versöhnung mit dem Lebensweg von vielen tausend Sachsen und Ostdeutschen.“

„Die Nachwendezeit muss auf den Tisch. Bei den Menschen zeigt sich, dass ihnen in der Vergangenheit nicht zugehört wurde“, sagte Köpping in der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Blühende Landschaften nach der Wende - versprochen und gebrochen?“. Für Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, ist das Zuhören wichtig. Dies sei eine symbolische Anerkennung. „Die darf nicht als Folklore abgetan werden.“

In ihrem Vorstoß sieht Petra Köpping zugleich einen Weg, sich mit den lange angestauten Sorgen der Menschen auseinanderzusetzen, die Pegida und die AfD aufgegriffen hätten. Die Nachwende-Regierungen in Sachsen hätten das Land als Wiege der Friedlichen Revolution verkauft und dabei die Probleme der Bürger in der Öffentlichkeit ausgeblendet. Darin liege eine der wesentlichen Ursachen für die Politikverdrossenheit und die Wut der Bürger sowie Rechtspopulismus in Sachsen und auch den anderen ostdeutschen Bundesländern. Es gebe kaum eine Familie im Osten Deutschlands, die nicht von Ungerechtigkeit und Demütigung betroffen gewesen sei, erklärte die SPD-Politikerin. Gefühlte und tatsächliche Ungerechtigkeiten in der Zeit nach dem Zusammenbruch der DDR seien maßgeblich mitverantwortlich für das Misstrauen in die Demokratie.

Von Martin Kloth

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