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Körperwelten-Ausstellung erstmals in Dresden zu sehen

Körperwelten-Ausstellung erstmals in Dresden zu sehen

Dresden. Körperwelten - die Schau der plastinierten Menschen - macht erstmals Station in Dresden. Seit Freitag sind die Exponate - dieses Mal unter dem Motto "Eine Herzenssache" und in Form eines Schachspielers, eines Radfahrers oder eines Feuerwehrmanns samt geretteter Person - in der Zeitenströmung, Königsbrücker Straße 96, zu sehen.

Ist es die Gier nach Sensationen? Oder ist es der Wunsch, die Anatomie des Menschen näher kennenzulernen? Was den Erfolg der Ausstellung ausmacht, ist schwer zu beantworten. Kuratorin Angelina Whalley probiert es dennoch: "Körperwelten haben inzwischen mehr als 38 Millionen Besucher gesehen, allein in Deutschland sind es mehr als acht Millionen Menschen. Auch dem schwersten Kritiker wird es schwerfallen, all diesen Personen Sensationslust vorzuwerfen."

Letztlich müsse diese Frage jeder für sich selbst beantworten. Am Ende jedoch, das ist der Kuratorin aufgefallen, ergebe sich bei den Besuchern ein völlig neuer Blick auf sich selbst. Und es entwickele sich ein Bewusstsein über die Unterschiedlichkeit zwischen diesem fragilen Körper und den Leistungen, die er imstande ist zu leisten. "Es ist meine persönliche Herzensangelegenheit, den Besuchern zu zeigen, wie man bewusst und gesund leben kann", so Whalley.

Möglich werden die Körperwelten-Ausstellungen, die seit 1995 durch die Lande touren, einzig durch die Menschen, die ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen. 14.000 Spender gibt es derzeit, 11.800 davon in Deutschland. Vivien Lorenz ist wohl die jüngste unter ihnen. Bereits mit 20 Jahren entschied sich die Dresdnerin nach einem Besuch der Leipziger Ausstellung, ihren Körper zu spenden. Die Frage nach dem Warum beantwortet sie vielseitig. Zum einen sei es ein Kindheitstrauma der heute 24-Jährigen, lebendig begraben zu werden. "Jetzt habe ich die innere Sicherheit, dass mir das nicht passieren wird", sagt sie. Zudem hatte sie im Alter von zwei Jahren einen Hirntumor und ist deshalb der Meinung, ihre Überreste könnten für die Forschung interessant sein. Dass ihrer Familie die Kosten einer Beerdigung erspart bleiben, bestärkte sie zusätzlich, diesen Entschluss zu fassen.

Die Hinterbliebenen waren es aber auch, die die Dresdnerin am meisten zweifeln ließen. Schließlich haben sie keinen Ort zum Trauern, wissen nicht, was mit ihrer Angehörigen passiert. Das weiß auch Vivien Lorenz nicht. Ob aus ihr ein Exponat in lebendiger Pose wird oder lediglich ein Präparat, entscheidet einzig das Körperspendenprogramm, das in Heidelberg beheimatet ist.

Der Körperwelten-Macher selbst, Gunther von Hagens, ist von seiner Parkinson-Erkrankung gezeichnet. Das Reden fällt ihm schwer, die Krankheit löst in ihm eine "emotionale Instabilität" aus, wie er es am Donnerstag unter Tränen bezeichnete. Doch trotz allem ließ er es sich nicht nehmen, nach Dresden zu reisen. Auch deshalb, weil die Landeshauptstadt eine besondere Rolle in seinem Leben gespielt hat. Der "gläserne Mensch" im Deutschen Hygiene-Museum faszinierte den jungen von Hagens, brachte ihm letztlich auf die Idee der plastinierten Menschen. Weniger erfreulich ist seine Erinnerung an eine Nacht in einem Dresdner Gefängnis 1968, die ihm ein Fluchtversuch aus der DDR einbrachte. "Das war der Tiefpunkt meiner Karriere, heute erlebe ich meinen Höhepunkt", erklärte er sichtlich bewegt.

Die Ausstellung ist bis zum 4. Mai von Montag bis Freitag zwischen 9 und 19 Uhr sowie an den Wochenenden von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Tickets kosten 17 Euro, ermäßigt 13 Euro. Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren zahlen 11 Euro.

Christin Grödel

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