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Krankenkassen im Wettrennen um die Versicherten-Daten

AOK Plus mit neuer App Krankenkassen im Wettrennen um die Versicherten-Daten

Die für Sachsen und Thüringen zuständige AOK Plus plant eine Fitness-App, die gesundheitsrelevante Daten ihrer Mitglieder erfasst – anonym. Es lockt ein finanzieller Bonus. Doch Datenschützer und Bundesversicherungsamt melden Vorbehalte an.

Fitnessarmbänder und Gesundheitsapps erfreuen sich größerer Beliebtheit. Doch Datenschützer schlagen Alarm.

Quelle: dpa

Leipzig. Schrittzähler, Geschwindigkeits- und Pulsmesser – bei vielen Freizeitsportlern gehören die sogenannten Wearables dazu. Dabei erstellen sie – quasi nebenbei – ein nahezu lückenloses Verhaltens- und Gesundheitsprofil des Trägers. Auch für die Krankenkassen enthalten sie entscheidende Informationen: Wie lebt ein Versicherter wirklich? Wie fit ist er? Was tut er für seine Gesundheit?

Die für Sachsen und Thüringen zuständige AOK Plus plant nun eine Fitness-App, die solche Daten – anonym – erfassen und Versicherten im Gegenzug einen finanziellen Bonus sichern soll. Start soll frühestens am 1. Juli sein. „Wir zielen damit vor allem auf junge Leute“, erläutert Vorstand Stefan Knupfer. „Das bisherige Bonusprogramm soll digitalisiert und dabei auch modifiziert werden.“

Auch Varianten ohne Internet-Zugang

Die App kann dann im Internet heruntergeladen werden. „Es wird dabei auch eine Offline-Variante geben, für jene, die keinen Aktivitätstracker haben oder ihre Daten nicht zur Verfügung stellen wollen“, so Knupfer. Funktionieren soll das Ganze dann so: Auf einem geschützten Server gehen die Daten ein. Die AOK Plus erfährt nur, dass eine Runde gelaufen wurde. Wo, wie schnell, mit welcher Herzfrequenz bleibt hingegen verborgen. Die Länge der notwendigen Strecke sei noch nicht entschieden. Doch prämiert werden sollen sowohl regelmäßiges Training als auch die Teilnahmean organisierten Laufveranstaltungen. Voraussetzung sei ein Smartphone oder ein Tablet. Angeboten werden soll die App sowohl auf den Plattformen Android als auch iOS.

Die in Berlin und Brandenburg beheimatete AOK Nordost ist auf diesem Gebiet schon vorgeprescht. Seit Januar können Versicherte über eine App „FitMit AOK“ mit sportlichen Aktivitäten punkten. Wearables dienen zum Nachweis. Bis zu 375 Euro Einsparung im Jahr sind so möglich. „Die App wurde bis Mitte Februar schon über 7500 Mal runtergeladen“, sagt Sprecherin Gabriele Rähse.

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, schlägt sogar vor, Daten von Fitness-Trackern in einer Art elektronischer Patientenakte zu sammeln und von den Krankenkassen zu verwalten. Schon jetzt bezuschusst die TK den Kauf von Wearables und Fitnesstrackern.

Datenschützer beobachten diese Aktivitäten allerdings mit Sorge. Selbst die anonymisierte Verarbeitung der Patienten-Daten wird kritisiert. Andreas Schneider, Sprecher des Sächsischen Datenschutzbeauftragten, weist daraufhin, dass die Datenverarbeitung für die Gesetzlichen Krankenversicherungen generell beschränkt sei. Er zitiert die Datenschutz-Grundverordnung, in der steht, dass Gesundheitsdaten besonders schützenswerte Informationen darstellen.

Problematisch sieht Schneider auch das Verfahren der Vergütung von sportlichen Aktivitäten. Bei einer per App übermittelten Leistung könne nämlich nicht nachgeprüft werden, ob sie vom Versicherten stammt oder von einer anderen Person. „Wenn die Vergütung zu Lasten der anderen Versicherten geht, muss man die Fakten auch wasserdicht haben. Hat man sie aber wasserdicht, müssen wir als Datenschützer dagegen einschreiten.“ Schneider: „Hier stößt das Verfahren an die Grenzen des Machbaren.“

So sieht das auch das Bundesversicherungsamt. Laut Sprecher Tobias Schmidt eröffne der Gesetzgeber den Krankenkassen zwar die Möglichkeit, durch finanzielle Anreize gesundheitsbewusstes Verhalten zu fördern. Dieses müsse allerdings nachweisbar unter fachlicher Anleitung erfolgen. Akzeptiere eine Krankenkasse die von Versicherten per App selbst übermittelten Daten als Nachweis, entspreche dies nicht den rechtlichen Grundlagen.

Drittel der Deutschen zeichnet Daten auf

Der Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) hält die Daten für einen Teil der Privatsphäre: „Niemand sollte gezwungen sein, seine Fitness überwachen zu lassen.“ Er will deshalb prüfen, ob die Gesundheitsdaten auf Grundlage der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung gesetzlich eingeschränkt werden müssen.

Die Barmer GEK geht einen anderen Weg. Auch sie bietet eine App an, die zu mehr Bewegung motivieren soll. Das Programm zeichnet jedoch keine Daten auf. Auch Bonuspunkte können nicht gesammelt werden. „Was jemand in seiner Freizeit macht, geht uns nichts an“, sagt Sprecherin Claudia Szymula.

Laut dem IT-Branchenverband Bitkom zeichnet rund ein Drittel der Deutschen Gesundheitsdaten auf. Allerdings sehen 39 Prozent die Verwendung dieser Daten durch Dritte problematisch.

Roland Herold

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