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Kriegsveteranen im Konvoi durchs Vogtland

Kriegsveteranen im Konvoi durchs Vogtland

Plauen. Auf den Tag genau 65 Jahre nach dem Einmarsch von US-Soldaten in Plauen rollte erneut ein Militärkonvoi mit US-Flagge in der Vogtland-Metropole ein: An diesem Freitag war es indes nur der „Liberty Convoy“ aus rund 30 originalgetreuen Militärfahrzeugen, nicht die 87. Infanterie-Division der Dritten US-Armee.

Immerhin fünf US-Kriegsveteranen von damals waren dabei, heute sind sie 85 bis 90 Jahre alt. Sie wurden begleitet von allerhand Hobby-Historikern, Geschichtsinteressierten und vorwiegend tschechischen Vereinsmitgliedern in Militär-Montur.

Dabei handelt es sich laut Organisator Christian Pöllmann keineswegs um eine Folklore-Veranstaltung. „Der Liberty Convoy will erinnern, will gedenken und will versöhnen“, sagt er zu dem Anliegen des einmaligen Projekts. Im Gepäck hat Pöllmann neue Erkenntnisse über die Begleitumstände der damaligen Kriegstage im Vogtland: Erst vor einem Jahr habe man Kenntnis von den Aufzeichnungen des damaligen US-Sergeanten Tom Stafford erhalten. Der heute 87-Jährige ist einer jener fünf US-Kriegsveteranen, der bei dem insgesamt dreitägigen „Liberty Convoy“ dabei ist.

Seinem Einsatz soll die vorzeitige Aufgabe deutscher Truppen im Vogtland und in Westböhmen zu verdanken sein, wobei er sich beim Aushandeln der Kapitulationserklärung um einige Dienstgrade höher ausgegeben habe, heißt es. „Wie Baron Münchhausen“, sagt Pöllmann. Stafford selbst will um sein Engagement, mit dem er auch die Sprengung einer Brücke in dem durch Luftangriffe zu drei Viertel zerstörten Plauen verhindert hatte, nicht viel Aufhebens machen: Er freut sich, dass er am Rande des „Liberty Convoys“ die deutschstämmige Tante seiner Frau trifft.

Stafford ist das vierte Mal in Plauen. Zum ersten Mal dürften ihm am Straßenrand „Ami go home“-Slogans aufgefallen sein - Anhänger der rechtsextremen NPD zeigten auf der Strecke nach Plauen massive Präsenz. Stafford sagt, dass er „Ami“ einfach französisch übersetzt habe und den „Freunden“ dann einfach den ausgestreckten Daumen entgegen gereckt habe.

Viele Passanten winken auch, manche klatschen, einige filmen den Konvoi, der mit Polizeischutz unterwegs ist. Organisator Pöllmann nimmt das gespaltene Bild als Beleg dafür, dass über die Befreiung des kurz vor Kriegsende durch Bombardements schwer zerstörten Plauens weitergeredet werden müsse. Auch schon zu DDR-Zeiten sei das Thema wegen der „falschen“ Befreier - erst im Juli 1945 lösten die Sowjets die US-Amerikaner im Vogtland ab - vernachlässigt worden. Der „Liberty Convoy“ 2010 solle deshalb ein Anfang sein - Neuauflagen in den kommenden Jahren werden nicht ausgeschlossen.

Die Route am Samstag führt vom Camp der Veteranen in Pausa nach Reichenbach. Am Sonntag ist zum Abschluss eine Kranzniederlegung an einem Außenlager des früheren Konzentrationslagers Flossenbürg im tschechischen Kraslice geplant.

Tino Moritz, dpa

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