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Kultusminister Wöller: „Schule in Sachsen ist am sozial gerechtesten“

Kultusminister Wöller: „Schule in Sachsen ist am sozial gerechtesten“

Interview. Beim CDU-Bundesparteitag in Leipzig will er Sachsens Mittelschulen als Erfolgsmodell in andere Bundesländer exportieren. Zu den Plagiatsvorwürfen in Bezug auf seine Doktorarbeit will er sich aber ausdrücklich nicht äußern.

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Im Interview: Sachsens Kultusminister Wöller (CDU).

Quelle: Andreas Döring

svorwürfen in Bezug auf seine Doktorarbeit will er sich aber ausdrücklich nicht äußern.

Herr Wöller, in wenigen Tagen beginnt die Schule wieder, was beschäftigt einen Kultusminister da?

Es geht um rund 400.000 Schüler an über 1400 Schulen mit etwa 30.000 Lehrern. Das so zu organisieren, dass es auf den Punkt funktioniert, hat in den letzten Jahren immer sehr gut geklappt. Es gibt einige Veränderungen in Bezug auf das nächste Schuljahr. Aber wir sind gut vorbereitet und sehen dem gelassen entgegen. Was mir noch durch den Kopf geht: Schule ist für die Schüler da, das wird oft vergessen, wenn man politisch diskutiert. Es geht um deren Zukunft, die liegt mir sehr am Herzen

Dafür braucht es auch gute Lehrer. Wie schwer ist es, die Schulen im Freistaat mit Lehrern

zu versorgen?

Bis 2020 scheiden etwa 10.000 Lehrer aus dem Schuldienst aus. Und zwischen 2020 und 2030 sind es nochmal 14.000. Wir müssen uns jetzt um Ersatz kümmern. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, Übernahmegarantien für Lehramtsstudenten auszusprechen. Und wir haben Referendarstellen geschaffen, das war eine unserer größten Baustellen. Dieses Jahr sind das 650 plus 250 zusätzliche Plätze. Wir können also 900 jungen Referendaren, die Chance geben, in diesem Jahr einen Platz zu bekommen. Das ist ein klares Signal: Lehrer ist ein attraktiver Beruf.

Das ist ein Anreiz, aber was ist mit dem Gehalt?

Das Gehalt ist wichtig, ist aber immer relativ. Genauso wichtig ist für die Menschen, die hier in Sachsen arbeiten und wohnen, dass sie einen festen Arbeitsplatz bekommen. Klar ist auch, dass wir keine Verbeamtung für Lehrer in Sachsen haben. Das ist derzeit ein Vorteil für andere Bundesländer. Aber man muss auch sehen, dass die Verbeamtung enorme Kosten in Form von Pensionslasten bedeutet. Das müssen dann die nächsten Generationen bezahlen.

Wir haben nicht nur die Aufgabe, junge Menschen bestmöglich auszubilden, wir haben auch die Aufgabe, ihnen möglichst keine Schulden zu überlassen. Ich bin für Offenheit. Wenn man sich die Zahlen ansieht, werden in den westlichen Flächenländern die Schülerzahlen um ein Fünftel sinken. Bayern führt bereits mit uns Gespräche, um Lehramtsabsolventen zu übernehmen. Es gibt auch Stimmen, die die Verbeamtung in den westlichen Ländern in Frage stellen. Wir stehen da vor interessanten Diskussionen.

Diskutiert wird das sicher auch beim Bundesparteitag der CDU im Herbst in Leipzig, sofern nicht der Aufstand der Alten in der Partei alles überlagert. Wie wollen Sie da Akzente setzen?

Wir haben in Sachsen eine sehr interessante Entwicklung hinter uns. Anfang der 90er wollten uns viele westliche Länder Ratschläge geben, NRW wollte uns die Gesamtschule empfehlen, Bayern und Baden-Württemberg ihr dreigliedriges Schulsystem. Sachsen ist Gott sei Dank einen eigenen Weg gegangen. Nämlich den sächsischen Weg. Viele haben gesagt: Sachsens Abitur sei ein Abitur light. Mittlerweile haben wir nachweislich eines der besten, was auch die Ergebnisse von Pisa zeigen. Viele beginnen jetzt, den sächsischen Weg zu übernehmen. Die Zusammenführung von Haupt- und Realschulgang in die Mittelschule hat sich in Sachsen auch aus demografischer Sicht bewährt. Niedersachsen oder Hamburg gehen jetzt auch diesen Weg.

Ist Sachsens Weg wirklich der goldene Weg, um den Erfolg eines Kindes von der Herkunft abzukoppeln?

In unseren Mittelschulen bekommen Kinder die bestmöglichen Chancen. Ich würde mich freuen, wenn wir in Deutschland mehr darüber diskutieren würden, was wir inhaltlich machen können. In Deutschland gibt es aber immer noch eine zu starke Kopplung zwischen Herkunft und Bildungserfolg.

Warum?

Wenn man genau hinsieht, ist dieser Zusammenhang in Sachsen am schwächsten. Schule in Sachsen ist am sozial gerechtesten in ganz Deutschland. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen. Wichtiger als Strukturfragen sind für mich die Fragen der Anschlussfähigkeit und der Durchlässigkeit.

Sind Bildungskarrieren hinreichend flexibel, auch später noch?

Wir sind da sehr durchlässig. Es geht nicht mehr darum, ob ein Kind aufs Gymnasium kommt, sondern welcher Weg zum Abitur der richtige ist. Da gibt es mehrere Wege, zum Beispiel über das Berufliche Gymnasium. Jeder fünfte Mittelschüler, der den Realschulabschluss macht, geht dann auch aufs Berufliche Gymnasium. Wir müssen mehr Werbung machen für die Mittelschule, sie ist das Flaggschiff unseres Schulsystems.

Schlechte Noten fängt Sachsen im Fach Inklusion. Kinder mit Behinderung werden an den Schulen nicht so integriert, wie es die UN vorschreibt. Nun bilden Sie eine Expertenkommission, die der Landtag schon lange plant. Ihre Fraktion ist sehr irritiert darüber.

Ich halte das Thema für sehr wichtig. Wir müssen auch da Fortschritte erzielen. Die geistigen Barrieren, die da sind, müssen wir erstmal einreißen. In der Gesellschaft und bei einigen Eltern. In den letzten drei bis vier Jahren haben wir den Anteil an Schülern mit sonderpädagogischer Förderung in den Regelschulen verdoppelt auf rund 5600 Schüler. Das ist eine gute Entwicklung, aber die stellt mich noch nicht zufrieden. Ich hatte schon Anfang

des Jahres Vorschläge dazu unterbreitet. Ich habe sehr begrüßt, dass die Fraktion einen überparteilichen Konsens im Landtag anstrebt, um Inklusion jenseits des parteipolitischen Streits zu diskutieren. Das kann der Sache nur dienlich sein.

Aber warum kommen Sie dem fraktionsübergreifenden Antrag nun um wenige Wochen zuvor?

Ich hatte schon Anfang des Jahres mit der Fraktion gesprochen und im Mai erste Eckpunkte für die nächsten Schritte öffentlich vorgestellt.

Sie werden gerade wegen Ihrer Doktorarbeit angegriffen. Nach den Berichten über die Plagiatsvorwürfe gibt es einige Irritationen in der Öffentlichkeit.

Dazu habe ich bereits alles gesagt.

Interview: Christine Keilholz

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