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Kunsthistorische Sensation: Älteste Darstellung einer Marienkrönung in Altenburg entdeckt

Kunsthistorische Sensation: Älteste Darstellung einer Marienkrönung in Altenburg entdeckt

Die älteste Darstellung einer Marienkrönung ist gestern in Altenburg erstmals öffentlich präsentiert worden. Die Wandmalerei war bei Restaurierungsarbeiten in den „Roten Spitzen“ entdeckt worden, den letzten erhaltenen Bauten der einstigen Stiftskirche St.

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Kunsthistorische Sensation in den "Roten Spitzen" in Altenburg: Darstellung einer Marienkrönung durch Christus.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Marien, die vor 840 Jahren von Kaiser Barbarossa geweiht wurde.

Millimeter für Millimeter hatte die Restauratorin Diana Berger-Schmidt erfasst und in den Computer übertragen, was hinter einer abgetragenen Mauer an der Wand in der Kapelle am Fuße des Südturms der Roten Spitzen zum Vorschein kam. Erst seit einigen Wochen haben die Experten Gewissheit: Was sich da hauchzart auf jahrhundertealtem Putz abzeichnet und für Laien erst auf Abbildungen mit ultraviolettem Licht halbwegs erkennbar wird, ist die älteste Darstellung einer Marienkrönung, die durch Christus selbst vollzogen wird, wie Jörg Hahnel vom Altenburger Schlossmuseum erläuterte.

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Altenburg. Eine kunsthistorische Sensation wurde jetzt in Altenburg erstmals öffentlich präsentiert. Seit einigen Wochen haben die Experten Gewissheit: Was sich hauchzart auf jahrhundertealtem Putz abzeichnet, ist die älteste Darstellung einer Marienkrönung durch Christus. Die Wandmalerei war bei Restaurierungsarbeiten in den „Roten Spitzen“ entdeckt worden, den letzten erhaltenen Bauten der einstigen Stiftskirche St. Marien, vor 840 Jahren von Kaiser Barbarossa geweiht.

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Exaktere Jahresangaben zu dem Bildnis, von dem nur noch die sogenannte Unterzeichnung vorhanden ist – aber keine Farben mehr – sollen  nach Untersuchungen der Jenaer Universität im Frühjahr vorliegen. Fest steht aber schon jetzt, dass die Arbeit des unbekannten Künstlers stilistisch ins ausgehende 12. Jahrhundert datiert und sich somit in die frühen französischen Darstellungen einreiht. Doch während dort Maria stets bereits gekrönt neben Christus sitzt, ist das Altenburger Bildnis das einzige, das diesen Krönungsakt zeigt.

Weitere Einzelheiten stellte Hahnel gestern zusammen mit Sabine-Maria Kuchta von der Erfurter Universität auf der Festsitzung anlässlich der 840. Wiederkehr der Weihe der Stiftskirche St. Marien durch Kaiser Barbarossa dar. Anschließend hatten die Teilnehmer der Tagung die Gelegenheit, bei Führungen durch die Roten Spitzen und die benachbarten archäologischen Grabungen das Werk des unbekannten Meisters erstmals zu bestaunen. 

Die das Altenburger Stadtbild prägenden Roten Spitzen sind seit Jahrhunderten das Wahrzeichen der Stadt. Die in Backstein errichtete Doppelturmanlage ist der Überrest der ehemaligen Stiftskirche St. Marien des Augustiner-Chorherrenstiftes. Die Kirche wurde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa als architektonisches Symbol kaiserlichen Machtanspruches gestiftet und nach außerordentlich kurzer Bauzeit 1172 in seiner Anwesenheit geweiht.

Nach Meinung der Experten repräsentiert der Bau den politischen Rang, den der Kaiser dem Pleißenland mit seinem Zentralort Altenburg zugedacht hatte. Er war sieben Mal in seiner „Lieblingspfalz“, und so gesehen gehört die Stiftskirche St. Marien in ihrer Bedeutung durchaus neben den Kaiserdom zu Speyer.  Darüber hinaus gilt die Kirche inzwischen als der Initialbau der Backstein-Großbauweise nördlich der Alpen. Mit der Auswertung der neuesten Forschungsergebnisse über die Bauabfolge der Altenburger Stiftskirche hat sich nun auch der Fokus des Backsteinbaues von Norddeutschland in den mitteldeutschen Raum verlagert. 

Heute sind von der im Mittelalter sehr umfangreichen Klosteranlage nur noch die beiden Türme, die Roten Spitzen, erhalten. Sie wurden seit 2005 mit Millionenaufwand saniert, wie Bürgermeisterin Kristin Knitt gestern berichtete. Im Frühjahr soll die Anlage dann museal so weit erschlossen sein, dass sie für Besucher über einen Rundweg zugängig wird, der auch die noch laufenden archäologischen Grabungen einschließt.

Bis dahin ist durchaus noch mit weiteren Entdeckungen zu rechnen. So wird derzeit eine zweite bildliche Darstellung im Nordturm analysiert, die möglicherweise auch eine Darstellung von Barbarossa enthält. Erst kürzlich waren bei den Straßenbauarbeiten unmittelbar vor den Roten Spitzen ein Brunnen und ein Friedhof gefunden worden.

Günter Neumann

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