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Landesbischöfin Ilse Junkermann fordert: Mehr Verständnis für Vorbilder

Landesbischöfin Ilse Junkermann fordert: Mehr Verständnis für Vorbilder

Die evangelische Bischöfin Ilse Junkermann hat mit Blick auf die Debatte um den in der Kritik stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff für mehr Menschlichkeit und eine realistische Vorstellung von Vorbildern geworben.

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Ein Bundespräsident soll Vorbild sein, Fehler darf er sich deswegen nicht erlauben. Oder doch? Die evangelische Bischöfin Ilse Junkermann wünscht sich bei der Wahrnehmung von Vorbildern mehr Realitätssinn.

Quelle: dpa

Magdeburg. „Ich finde es sehr problematisch, wie Menschen als ideale Menschen produziert werden, die sie gar nicht sein können, und man dann einen großen Skandal übers Scheitern macht. Das ist unrealistisch. Das ist kein Maß des Menschlichen“, sagte die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Im Umgang mit Vorbildern forderte sie mehr Realitätssinn.

„Wir verstehen unter Vorbildern ideale Menschen, die alles erfüllen sollen, was man selber nicht kann. Es ist gut, wenn wir da enttäuscht werden. Weil kein Mensch perfekt ist“, sagte Junkermann. Wulff steht in der Kritik, unter anderem weil er 2008 als Ministerpräsident von Niedersachsen von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens einen 500 000-Euro-Kredit für den Kauf eines Privathauses aufnahm. Diesen hatte er 2010 auf eine Anfrage im Landtag unerwähnt gelassen.

In der heutigen Gesellschaft bestehe die Kultur, sich zu übernehmen, sagte Junkermann. „Das ist ein ganz großes gesellschaftliches Problem.“ Es führe dazu, dass man „nicht zurückfahren kann“ - und schließlich tatsächlich über seine Verhältnisse lebe.

Die Bischöfin warb dafür, bei der Wahrnehmung von Vorbildern neue Maßstäbe anzusetzen. „Wir brauchen einen Diskurs darüber, was wirklich vorbildhaft ist“. Sie selbst verstehe unter einem Vorbild auch jemanden, der zeige, wie man sich im Falle des Scheitern verhält. „Also: Wie gehe ich mit meinen Schwächen um? Wie gehe ich damit um, wenn ich selber an meine Grenzen komme?“ Wer das Verhalten anderer beurteile, müsse sich zunächst selbst bewusst machen: Ich selber kann auch kein vorbildhaftes und perfektes Leben führen. „Weil das Leben eben nicht so ist.“

Junkermann war in diesem Jahr selbst in die Kritik geraten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte ihr und anderen deutschen Bischöfen vorgeworfen, zu große Dienstwagen mit einem zu hohen Kohlendioxidausstoß zu fahren. Junkermann hatte erklärt, den Wagen auf ärztlichen Rat wegen eines Hüftschadens zu fahren. „Nur in einer bestimmten Wagengröße gibt es die Möglichkeit, so zu sitzen, dass ich ohne Schmerzen aus dem Wagen aussteigen kann.“ Bei diesem Fall sei sie an ihre Grenze gestoßen, sagte die Bischöfin. „Da habe ich meine Gesundheit höher gewichtet als mein klimagerechtes Verhalten.“

Der Fall zeige: „Es gibt nicht immer nur richtig oder falsch. Manchmal ist es gemischt.“ Sie werbe daher um mehr Verständnis für Menschen in einer Vorbildfunktion. Man sollte bei der Wahrnehmung von Vorbildern deswegen auch bewusst machen: „Wo gehört zu unserem Vorbild auch, dass was nicht gelingt, dass ich nicht das ideale Leben leben kann, dass ich Fehler mache.“

Silke Katenkamp, dpa

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