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Langeweile in der sächsischen Provinz – Zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche

Langeweile in der sächsischen Provinz – Zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche

Der seit Jahren anhaltende Sparkurs von Freistaat und Kommunen trifft auch die Jugendarbeit immer härter. Das spüren vor allem die Jugendlichen auf dem Lande, wie eine Umfrage ergab.

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Sächsische Jugendliche beim Zeitvertreib. (Archivfoto)

Quelle: Jörg ter Vehn

Dresden. Der Landesetat für Jugendarbeit wurde allein 2010 um rund 7,7 Millionen Euro gekürzt. Die Auswirkungen sind regional verschieden: „Je weiter man nach Osten kommt, umso dramatischer wird die Situation“, sagte die Geschäftsführerin des Kinder- und Jugendrings Sachsen, Wencke Trumphold. Zu erheblichen Engpässen bei Freizeitangeboten sei es in der Vergangenheit auch im Erzgebirge gekommen.

Skaten, Kicken, Zocken oder einfach mal miteinander reden - in Dresden kümmern sich derzeit etwa 189 Sozialarbeiter in 167 Anlaufstellen um junge Menschen. Die Kürzungen der Landesmittel machte sich aber auch hier bemerkbar. Seit 2011 wurden 15 Mitarbeiter öffentlicher Träger entlassen, Öffnungszeiten verkürzt und einzelne Programme gestrichen. „In allen Bereichen der Jugendarbeit war die Einschränkung von Leistungen unvermeidbar“, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt. Zu Schließungen sei es aber nicht gekommen.

Vor allem der landesweite Abbau fest angestellter Jugendbetreuer sorgt für Langeweile unter Jugendlichen. Ein Problem, das die Grünen-Politikerin Elke Herrmann aus ihrem Wahlkreis kennt. „Genügend Gebäude mit Angeboten gibt es. Was reduziert wurde, ist das hauptamtliche Personal. Um Stellen zu sparen, wurde in Zwickau beispielsweise beschlossen, dass Clubs von den Jugendlichen selbst geführt werden.“

Seit 2010 mussten in Chemnitz nach Angaben der Stadt sechs Jugendzentren schließen. Derzeit gibt es 25 solcher Anlaufpunkte, vor zwei Jahren waren es noch 31. Neben leeren Kassen  - bis 2015 soll das Geld für Jugendarbeit um rund 800.000 Euro gekürzt werden - macht der Stadt vor allem der demografische Wandel zu schaffen. Von den rund 243.000 Chemnitzern sind nur etwa 43.000 jünger als 27 Jahre. In der Hälfte der betroffenen Clubs gingen die Lichter aus, weil zu wenig Jugendlichen vorbeikamen. Dies gilt in gleichem Maße für den ländlichen Raum.

In der Provinz sind für Jugendliche Anlaufstellen um die Ecke Mangelware. „Junge Menschen sind dann häufig sich selbst überlassen. Wegen des dürftigen Nahverkehrs können sie sich kaum selbstständig bewegen“, beschreibt Wencke Trumphold vom Landesjugendring die Folgen. Auf dem Land bieten Sportvereine neben der Feuerwehr oft den einzigen Raum für Freizeitspaß. Doch die Landjugend hat immer weniger Zeit - die Schulwege sind durch Schulschließungen lang, sagte der Sprecher des Landessportbundes, Jochen Meyer.

Jugend- und Freizeitangebote werden in Sachsen gemeinsam von den Kommunen, dem Land und den Trägern finanziert. Der Freistaat überweist Städten und Gemeinden für alle jungen Menschen bis 27 Jahre jährlich eine Pauschale von 10,40 Euro pro Kopf. Das soll sich vorerst auch nicht ändern. „Es ist vorgesehen, das Budget für die Jugendpauschale auf dem Ist-Stand von 2011 bei 10,3 Millionen Euro einzufrieren“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums.

Gegen diesen Plan regt sich Widerstand. Ein Einfrieren der Jugendpauschale würde bei den Landkreisen zu drastisch steigenden Jugendhilfekosten führen, sagte eine Sprecherin des Sächsischen Landkreistages. Der Verband verlangt eine deutliche Erhöhung der Pauschale auf das Niveau von 2009 - rund 14,30 Euro pro Kopf. Auch der Städte- und Gemeindetag fordert eine Überprüfung der Pauschale bis spätestens 2014, sagte Geschäftsführer Mischa Woitschek mit Blick auf steigende Kosten in den Folgejahren. Kinder- und Jugendring-Geschäftsführerin Trumphold warf der Regierung vor, neben der Kostenentwicklung die künftige Absicherung von Tariflohnzahlungen zu ignorieren.

Kai Thomas, dpa

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