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Langfinger in Krankenhäusern sind auf Geld und Kaffeelöffel aus

Langfinger in Krankenhäusern sind auf Geld und Kaffeelöffel aus

Blutdruckmessgeräte, Kühlakkus oder Blutzuckermessstreifen: In Thüringer Krankenhäusern treiben immer wieder Diebe ihr Unwesen. Dabei verschwinden nicht nur Brieftaschen und Geld aus Patienten- oder Personalzimmern, sondern auch medizinische Geräte, Verbrauchsgüter und Computerzubehör.

Jena/Suhl/Altenburg. Beliebtes "Souvenir": Der gemeine Kaffeelöffel.

Nach Selbsteinschätzung der Kliniken handelt es sich dabei jedoch um Einzelfälle. „Das sind keine besonderen Größenordnungen“, sagte die Sprecherin des Universitätsklinikums Jena, Helena Reinhardt. Die Polizei spricht von gelegentlichen Fällen. In Thüringen gibt es mehr als 40 Akutkrankenhäuser.

Ausgesprochen beliebte „Souvenirs“ seien Kaffeelöffel, berichteten mehrere Kliniken. „Das ist der Klassiker, das hat jeder“, sagte Uwe Koch, Geschäftsführer des Robert-Koch-Krankenhauses Apolda mit 230 Betten. Auch Verbrauchsmaterial wie Kühlakkus verschwinde des Öfteren. Taschendiebstähle in Patientenzimmer kämen nur „vereinzelt“ vor. „In der Regel dann, wenn die Patienten den Tresor nicht benutzen und Geld oder Schmuck ungesichert ablegen“, hat Koch festgestellt. Im Hufeland-Klinikum Bad Langensalza (Unstrut-Hainich-Kreis) haben es Langfinger nach Auskunft einer Sprecherin etwa auf Toilettenpapier- und Papierhandtuch-Vorräte abgesehen. Ansonsten seien Diebstähle, auch in Patientenzimmern, jedoch „kein großes Thema“.

Die meisten Thüringer Kliniken empfehlen den Patienten schon vor der stationären Aufnahme, Wertgegenstände oder größere Summen Bargeld nicht mit ins Krankenhaus zu nehmen oder sie in einem verschließbaren Schrank aufzubewahren. „Bargeld brauchen die Patienten hier nicht, sie kriegen alles Lebensnotwendige von uns“, sagte Lutz Blase, Geschäftsführer des Klinikums Altenburger Land. Zuzahlungen werden in der Regel bargeldlos abgewickelt.

Am Universitätsklinikum Jena, mit 26 Kliniken und 4000 Mitarbeitern größtes Krankenhaus in Thüringen, melden Patienten gelegentlich den Diebstahl von Telefonkarten, die von ihnen auf der Station mit einem Geldbetrag aufgeladen und abtelefoniert werden können. Wahrscheinlich lösten die Diebe diesen Betrag ein, vermutet Sprecherin Helena Reinhardt. Einen kompletten Schutz gebe es nicht. „Die Patienten schließen ja nicht ab, wenn sie ihre Zimmer verlassen. Das ist auch gar nicht möglich.“

Grundsätzlich seien Kliniken nun einmal offene Bereiche und müssten Besuchern den Zugang ermöglichen, heißt es auch aus anderen Häusern. „Andererseits kann man in Krankenhäusern auch nachts nicht so einfach reinmarschieren und etwas klauen“, sagt Ilka Vollmar von der Polizeidirektion Jena. „Die sind doch immer besetzt.“

Im SRH Zentralklinikum Suhl, einem 660-Betten-Haus mit jährlich rund 60 000 Patienten, seien in der Vergangenheit schon Blutdruckmessgeräte und Wandbilder von den Fluren verschwunden, sagte Sprecherin Janine Domhardt. Die Verdachtsfälle auf Diebstähle in Patientenzimmern schätzt das Klinikum auf etwa drei pro Jahr. Ob es sich dabei tatsächlich um Diebstahl oder um verlorene Dinge handele, sei in der Regel nicht nachweisbar. Strafanzeige zu erstatten, sei Sache der Patienten.

„Wir hängen Bilder inzwischen mit einer speziellen Diebstahlsicherung auf“, berichtet Melanie Gottschild, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit am Medinos-Krankenhaus in Sonneberg. Neben Kunstdrucken und Vorhängen wurde das 220-Betten-Haus auch schon um gerade angelieferte Computer-Monitore „erleichtert“. Und vor Dieben aus der Nachbarschaft seien sogar die Lebensmittel aus der Geburtshilfestation nicht sicher gewesen.

Schwarze Schafe gibt es auch unter dem Klinikpersonal. Im vergangenen Jahr ertappte die Kriminalpolizei einen Mitarbeiter der Zentralklinik Bad Berka (Weimarer Land), der über Monate Blutzuckermessstreifen aus den Klinikvorräten gestohlen und im Internet versteigert hatte. Schaden: rund 5300 Euro. Die Klinik entließ den überführten Mitarbeiter. Seitdem sei die Belegschaft „sehr sensibilisiert“ und achte verstärkt darauf, dass keine Geräte oder Medikamente entwendet würden, sagte Kliniksprecher Stephan Zeidler. Der Diebstahl der Messstreifen war seinerzeit zuerst dem Hersteller aufgefallen.

dpa

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