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Lehrermangel: Personalbedarf steht fest, Stellen gibt es keine

Lehrermangel: Personalbedarf steht fest, Stellen gibt es keine

Im Osten fehlen bis 2025 jährlich hunderte Lehrer, in den westdeutschen Ländern gibt es tausende zu viel. Das besagt eine Prognose der Kultusministerkonferenz, die am Freitag in Wittenberg vorgestellt wurde.

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Stephan Dorgerloh

Quelle: dpa

Wittenberg. Konsequenzen werden nicht gezogen. Die Erfassung soll Bewerbern als Orientierungshilfe dienen.

Die Studie war ein Wutprodukt. "Sehr guten Morgen, Herr Lehrer!" So wurden Berliner Pädagogen 2009 auf ihrem Schulweg angesprochen. Was da von Plakaten grüßte, war keine Charmeoffensive für ausgebrannte Pauker, sondern reinste Abwerbung. Baden-Württemberg jagte in Berlin Pädagogen, um sie mit besseren Bezügen und Beamtenstatus im Schwabenlande anzustellen. Die Aktion erzeugte damals Wut über das Wildern in fremden Gefilden. Und sie veranlasste die Kultusministerkonferenz, anhand der Schülerzahlen Angebot und Nachfrage bei Lehrern zu ermitteln. Für ganz Deutschland.

Demnach gibt es bei derzeit 794 300 Lehrern bis 2025 einen jährlichen Einstellungsbedarf von 25 800 Lehrern. Im Westen Deutschlands übersteigt das Angebot den Bedarf um etwa 39 Prozent oder 8100 Personen. Pro Jahr. Im Osten fehlen bis 2025 jährlich 600 Lehrer. Das sind zwölf Prozent zu wenig Bewerber. Lenkungshilfen, mit denen drüben ungebrauchte Pädagogen für den Wechsel in unterversorgte Gebiete hüben begeistert werden könnten, gibt es nicht. "Die Erfassung dient Absolventen als Orientierung, wo sie gebraucht werden. Es bleibt eine individuelle Entscheidung", sagt Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz.

Gebraucht werden die Lehrer im Osten. Das zeigt die tägliche Unterrichtspraxis an den Schulen, die von Stundenausfall, großen Klassen und wenig Extraangeboten geprägt ist. Stellen gibt es aber keine. "Alle freien Stellen sind besetzt und werden es auch immer sein", heißt es aus Sachsens Kultusministerium. Dem altersbedingten Ausscheiden von jährlich bis zu 1500 Lehrern stehen 1700 Studienplätze mit der entsprechenden Zahl von Absolventen gegenüber. Von einer Bedarfslücke könne keine Rede sein.

In Thüringen gibt es sogar tausend Lehrer zu viel, heißt es aus dem Kultusministerium. Das liege an den verbeamteten Lehrern in Teilzeit. Dennoch habe sich der Freistaat mit der Einstellung von je 400 Lehrern in diesem und im nächsten Jahr auf die bevorstehenden Altersabgänge vorbereitet.

Die Kultusministerkonferenz kommt nicht umhin, zu relativieren. Grundlage für die Ermittlung des Gesamtbedarfs bilden die Lehrkräfte, die für die prognostizierten Schülerzahlen als erforderlich angesehen werden. "Für Förderschulen und Grundschulen und für einige Fächerkombinationen übersteigt die Nachfrage das Angebot an Junglehrern stark", relativiert KMK-Präsident Stephan Dorgerloh (SPD). Dass in den Ländern trotzdem kaum freie Stellen zu besetzen seien, liege an politischen Vorgaben wie Klassengröße, Lehrer-Schüler-Relation, Inklusion und planmäßigem Unterrichtsausfall. Das seien die Unbekannten im System, so Dorgerloh.

Trotz der Voraussage des Lehrermangels war ihm gestern richtig feierlich zumute. Als der Kultusminister Sachsen-Anhalts den Aufbau eines Pools einheitlicher Prüfungsaufgaben für alle Abiturienten verkündete (wir berichteten), sprach Dorgerloh von nichts weniger als dem "Wittenberger Beschluss". Selbst ein Verweis auf den Reformator Philipp Melanchthon, der in Wittenberg starb und begraben liegt, durfte nicht fehlen. So wichtig sei die Entscheidung zum vergleichbaren Abitur. Melanchthon habe von Wittenberg aus das Gymnasium für Deutschland auf den Weg gebracht. Nun würden vom selben Ort aus die Kultusminister die Qualität der gymnasialen Oberstufe bundesweit wieder zusammenführen. So der Subtext von Dorgerlohs Worten. Der Verweis auf die Historie sagt auch einiges über die Wirksamkeit des Aufgabenpools: Der Weg zu gleichen Abituranforderungen in allen sechzehn Ländern ist noch sehr lang. Und verbindlich ist er leider nicht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2013

Andreas Friedrich

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