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Lehrermangel in Sachsen: CDU-Schulpolitiker heizt die Debatte an

Lehrermangel in Sachsen: CDU-Schulpolitiker heizt die Debatte an

Mit einem ungewohnt scharfen Angriff gegen die Regierung und die eigene Fraktionsspitze hat der CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz die Debatte um neue Lehrer an den Schulen neu belebt.

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Sachsen droht ein eklatanter Lehrermangel.

Quelle: dpa

Dresden. In Sachsen werde ein funktionierendes Bildungssystem ohne Not an die Wand gefahren, sagte Colditz mit Blick auf den Lehrermangel in einem Interview mit der „Sächsischen Zeitung“ (Dienstag).

Zustimmung kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Endlich wird die Diskussion um mehr Lehrerstellen nicht mehr hinter verschlossenen Türen geführt“, sagte die Landesvorsitzende Sabine Gerold. Die Linken im Landtag schlugen eine fraktionsübergreifende parlamentarische Initiative gegen den Lehrermangel vor.

„Ich sehe einen Finanzminister, der sich keinen Millimeter bewegt, einen Kultusminister, der sich nicht durchsetzt, und eine Staatskanzlei, die zuschaut“, monierte Colditz. Die Regierung spiele auf Zeit. Auch die Spitze seiner Fraktion wünsche er sich aktiver. Es schmerze ihn sehr, aber er habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen als in die Öffentlichkeit zu gehen.

Sachsen braucht in den nächsten Jahren viele neue Lehrer. Einer Analyse des Kultusministeriums zufolgen werden bis 2020 etwa 10 700 Pädagogen aus dem Dienst scheiden, die meisten ab 2015. Damit droht vor allem Grund- und Mittelschulen ein Aderlass. Bis 2030 geht die Prognose gar davon aus, dass dann 21 000 der jetzt noch 29 000 tätigen Lehrer nicht mehr vor den Schülern stehen werden. Denn das Durchschnittsalter liegt jetzt schon bei 50 Jahren.

Auf der anderen Seite will das Land bis 2020 jede fünfte Stelle im öffentlichen Dienst einsparen und das Personal von aktuell 87 000 auf 70 000 Stellen schrumpfen. Ginge es nach Finanzminister Georg Unland (CDU), müsste auch an den Schulen Personal eingespart werden - er will die Zahl der Lehrerstellen bis 2020 auf 23 000 eindampfen. Kultusminister Ronald Wöller (CDU) hingegen will die aktuell 28 341 Stellen erhalten, die sich momentan 33 497 Pädagogen teilen.

Colditz zufolge sollte Ministerpräsident Stanislaw Tillich ein Sechs-Augen-Gespräch mit seinen CDU- und Ministerkollegen Georg Unland (Finanzen) und Roland Wöller (Kultus) führen, „sie arbeiten lassen und nach vier Wochen das Thema mit einer Regierungserklärung abschließen“. Er erlebe derzeit jedoch, dass das Thema ausgesessen werde. Was er in Beratungen zur Vorbereitung des Haushaltes erlebt habe, „macht mich so wütend, lässt mich zweifeln und beinahe verzweifeln“.

Die Kritik von Colditz sei sehr mutig, sagte Gerold. „Ich bin beeindruckt.“ Die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP seien offensichtlich weiter als die Regierung. „Das stimmt mich optimistisch“, sagte die Gewerkschaftschefin.

CDU-Fraktionschef Steffen Flath betonte lediglich, das Lehrerproblem sei bekannt. Die Fraktion dringe bei der Regierung auf eine Lösung. Zu Colditz’ öffentlichem Vorstoß wollte er sich nicht näher äußern. Die Schulexpertin der Linken, Cornelia Falken, schlug ein fraktionsübergreifendes Bündnis im Schulwesen vorgeschlagen. Die Bildungsexpertin der SPD-Fraktion, Eva-Maria Stange, mahnte in einer Mitteilung an, den schon beschlossenen Stellenabbauplan zu stoppen.

Schon zuvor hatte die FDP-Fraktion Fehler bei der Lehrerausbildung unter anderem im Grundschulbereich beklagt. Der FDP-Schulexperte Norbert Bläsner forderte das CDU-geführte Kultusministerium deshalb unlängst auf, die angekündigten zusätzlichen 573 Plätze für Referendare komplett im kommenden Jahr zur Verfügung zu stellen.

dpa

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