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Leipziger Arzt fordert von Patienten Gebühr für Notfallaufnahme

Behandlungspauschale Leipziger Arzt fordert von Patienten Gebühr für Notfallaufnahme

Deutschlands Notaufnahmen sind voll. Jetzt fordert die Ärzteverband Hartmannbund von den Patienten eine Gebühr. Wer vom Notdienst oder in der Notaufnahme behandelt wird, soll zahlen.

Der Besuch in der Notaufnahme könnte künftig kostenpflichtig werden.

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Leipzig. Ärzte berichten von zunehmend überfüllten Notfallaufnahmen in Krankenhäusern. Dem will der Leipziger Arzt und Vorsitzender des ärztlichen Vereinigung Hartmannbund Sachsen, Dr. Thomas Lipp, jetzt entgegen wirken. Er fordert eine Gebühr für alle Notfall-Patienten. Zehn Euro soll zahlen, wer den Kassenärztlichen Notfalldienst in Anspruch nimmt. Wer sich in der Notfallaufnahme behandeln lässt, 20 Euro.

„Es gibt zunehmend Fehlinanspruchnahmen beim Notdienst“, so Lipp gegenüber LVZ.de. Viele Patienten, die abends oder am Wochenende in die Notaufnahmen kämen, könnten auch bis zum nächsten Tag warten und dann ihren Hausarzt aufsuchen. „Das Problem ist seit längerem bekannt. Aber es kostet halt nichts und ist bequem den Notfalldienst in Anspruch zu nehmen.“

Gutachten: Ein Drittel der Patienten könnte auch zum Hausarzt

Tatsächlich hatte ein Gutachten der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) vom Februar ergeben, dass viele Patienten statt zum Hausarzt in die Krankenhäuser gehen. „Die Auswertung der Behandlungsfälle zeige, dass ein Drittel der Patienten von niedergelassenen Ärzten versorgt werden könnte“, heißt es in dem Bericht.

Das Leipziger Klinikum St. Georg teilte auf LVZ.de-Anfrage mit, dass ihre Patientenzahlen im vorigen Jahr um rund 4.000 angestiegen seien. Auch in diesem Jahr gebe es in den ersten vier Monaten schon wieder eine Steigerung um ungefähr 1.500 Patienten.  

„Rund 30 Prozent der Patienten gehören meist nicht in eine Notaufnahme. Aber am Wochenende und nachts sind ja keine Hausärzte im Dienst“, so Dr. Stefanie Hanschke, Chefärztin der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme. Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion widersprach sie trotzdem der Forderung des Hartmaannbundes: „Eine finanzielle Abgabe für die Notaufnahme in dieser Höhe hat bereits bei der Praxisgebühr nichts gebracht. Wir sehen auch jetzt darin keinen Sinn und gehen davon aus, dass sich das Verhalten der Patienten bezüglich des Aufsuchens der Notaufnahme dadurch nicht ändert.“

Lipp: keine Ausnahmen machen

Um die Krankenhäuser und die Notfalldienste zu entlasten, fordert der Hartmannbund-Vorsitzende Lipp nun die Notfall-Gebühren. Kritik, dies gehe zu Lasten sozial Schwacher, kann er nicht verstehen. „Niemand geht so verantwortungsvoll mit dem Gesundheitssystem um, wie wirklich Kranke oder Arme“, so der Allgemeinmediziner. Die Notfallbehandlung sei immer eine Ausnahmesituation, die fast nie eintrete. „Auch als Hartz IV-Empfänger kann ich mir das leisten“, sagt Lipp. „Deutschland ist eine Wohlstandsgesellschaft, Verelendung gibt es hier keine.“ Durch einen Rettungsfall komme niemand in Schwierigkeiten. Und: „Die Preise sind problemlos. Ausnahmen sollten in keinem Fall gemacht werden.“ Im Hinblick auf das von ihm so betitelte Prekariat sagt Lipp weiter: „Wer tagsüber Geld für Rotwein oder Zigaretten ausgibt, der kann im Notfall auch eine Gebühr zahlen.“

GKV-Sprecher: Kranken Menschen keinen Missbrauch vorwerfen

Auch dem Argument, dass durch die Pauschale Kranke vom Besuch der Notaufnahme abgehalten würden, widerspricht der Leipziger Arzt. „Ich finde das eine Unverschämtheit. Da spricht der Staat den Einzelnen die Intelligenz ab, über den eigenen Körper zu verfügen. Viele Sachen sind eben aufschiebbar, bei einem Fußballländerspiel kommt auch kaum einer in die Notaufnahme“, so der sächsische Hartmann-Vorsitzende, der seinen kontroversen Gebührenvorschlag zuerst auf einem Ärztetag machte.

„Es ist ein Unding, dass hier vielen kranken Menschen in dem Beschluss des Ärztetages pauschal ‚Missbrauch’ vorgeworfen wird. Vielleicht ist der häufigere Gang in die Notaufnahme ja auch das Ergebnis eines eventuell unzureichenden Wochenenddienstes der niedergelassenen Ärzte. Bevor die Ärzte fordern, den Patienten erneut in die Tasche zu greifen, sollten sie erstmal eine seriöse Analyse der Situation und der Gründe auf den Tisch legen“, kontert hingegen Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV).

Im Gegensatz zur Praxisgebühr könne laut dem Allgemeinmediziner Lipp, die Notfall-Pauschale über die Krankenkassenkarte abgerechnet und nach einem festen Zeitraum von den Krankenkassen eingezogen werden. Dass die Krankenkassen die Notfall-Gebühr ablehnten, kann Lipp nicht begreifen. „Das ist dämlich von den Krankenkassen. Die knurren doch nur, weil sie den Aufwand von den Gebühren fürchteten.“

Über die große öffentliche Aufregung bei dem Thema zeigt sich Lipp überrascht. „Ich habe eine fällige Diskussion angestoßen“, gibt sich der Leipziger überzeugt. „Das ist eine Schutzgebühr gegen Missbrauch, keine Gebühr für den Gebrauch“, so Lipp gegenüber LVZ.de.

Lucas Grothe

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