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Leipziger Experten: Erdbebentätigkeit im Vogtland offenbar verändert

Leipziger Experten: Erdbebentätigkeit im Vogtland offenbar verändert

Das Vogtland liegt in einem Erdbebengebiet, das sich in einem rund 20 Kilometer breiten Streifen von Regensburg bis Leipzig zieht. Typisch sind dort eigentlich Schwarmbeben - aber etwas hat sich verändert.

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Der Seismologe Siegfried Wendt vom Geophysikalischen Observatorium der Universität Leipzig wertet seismographische Aufzeichnungen des jüngsten Erdbebens im Vogtland am 06.08.2014 aus.

Freiberg/Leipzig. Die jüngsten Beben im Vogtland und Westböhmen sprechen aus Expertensicht für eine neue Lage. Die kürzer werdenden Abstände und die einzelnen dominanten Ausschläge weichen von den bisher für die Region typischen Schwarmbeben ab. Der Leipziger Geophysiker Siegfried Wendt und der Freiberger Geologe Ottomar Krentz sprechen im Interview von Serien.

Frage:

Was ist anders an den Erdstößen in diesem Jahr?

Krentz:

Schwarmbeben kommen von einer Stelle und bestehen aus sehr vielen Einzelereignissen. 2008 etwa wurden von August bis November über 10 000 Stöße gemessen - von sehr geringer Intensität bis zur Magnitude 3,9. Die jetzigen Beben weichen davon ab, weil der Schwarm drumherum fehlt. Vor dem 24. Mai war nichts, dann kam der große Schlag, danach war Feierabend. Nach dem 31. Mai bebte es ein bisschen länger. Und nun das nächste größere Beben ohne Vorwarnung - und bis jetzt registrieren wir auch nichts weiter. 

Wendt:

Es hat ein dominantes Beben gegeben am 31. Mai mit einer Magnitude, die deutlich größer war als die des zweitgrößten Bebens. Das steht im Widerspruch zu dem Begriff Schwarm. Danach gab es eine verstärkte Aktivität, die aber abgeklungen war. Daher hat mich das  neue Beben überrascht, das sich auch durch nichts angekündigt hatte. Die Frage ist, ob es nun eine ähnliche Phase wie Ende Mai hat, oder allein steht.   

Wie kann man das erklären? 

Krentz: Momentan gar nicht, das muss erforscht werden. Die Daten werden derzeit gesammelt.

Wendt: Offensichtlich ist wirklich einiges anders geworden. Bis 2008 lebten wir in der Vorstellung von einem sechs- bis siebenjährigen Zyklus zwischen größeren Schwärmen. Der nächste kam aber schon 2011, allerdings noch als typischer Schwarm. 2014 ist von neuer Qualität: Gibt es beim Schwarm viele Beben gleich geringer Magnitude, sprechen einzelne dominante Beben eher für eine Serie. 

Wie häufig und warum bebt hier die Erde? 

Krentz: Das kann man schlecht sagen. Wir haben manchmal relativ kurze Abstände, alle zwei bis drei Jahre. In den letzten 50 Jahren lagen sieben bis acht Jahre dazwischen. Wir gehen davon aus, dass  aufsteigende Wässer und Gase den Schwarmbebeneffekt hervorrufen. So lange es vor sich hin blubbert, ist es nicht schlimm. Aber wenn es sich aufstaut und mit einem Mal rauskommt, können Erdbeben entstehen. Das ist wie bei einem Topf, wo es anfängt zu Kochen, wackelt der Deckel. 

Wendt: Es muss wissenschaftlich untersucht werden, warum die Spannung sich nun nicht mehr schwarmartig entlädt, sondern mit einzelnen starken Beben. 

Besteht Anlass zur Sorge? Und was ist noch zu erwarten?

Krentz: Wir erwarten keine Großbeben, auch wenn schon mal wieder ein Schlag kommen kann. Vorhersagen kann man das nicht, wir gehen aber von Maximal-Magnitude vier bis fünf aus. Da fängt man in anderen Gebieten wie China oder Japan erst an zu messen. Hier besteht kein Grund zur Panik und die Vogtländer sind ja auch ein bisschen daran gewöhnt.  

Wendt: Die Magnitude kann noch eine halbe Einheit größer werden, mehr als bis fünf ist aber nicht drin.

Zur Person: Ottomar Krentz ist Geologe und arbeitet beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in der seismischen Überwachung. Siegfried Wendt ist Physiker und Seismologe und arbeitet im Geophysikalischen Observatorium Collm der Universität Leipzig.

Simona Block, dpa

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