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Leipziger Generalmajor: Bundeswehr schließt Feldlager in Nordafghanistan

Leipziger Generalmajor: Bundeswehr schließt Feldlager in Nordafghanistan

Bis zum Jahresende schließt die Bundeswehr zwei kleine Feldlager in Nordafghanistan, sagte Generalmajor Erich Pfeffer. Er hat Anfang 2012 das Regionalkommando Nord in Afghanistan übernommen und für ein Jahr seinen Posten an der Spitze der Division in Leipzig geräumt.

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Generalmajor Erich Pfeffer.

Quelle: Anne Weinrich

Frage:

Masar-i-Scharif. Wie geht es Ihnen?

Erich Pfeffer:

Gut. Ich habe eine gute Truppe hier.

Wie ist derzeit die Sicherheitslage im Norden?

Wir haben seit über einem Jahr kontinuierlich weniger Zwischenfälle. Die größte Bedrohung sind nach wie vor die selbst gefertigten Sprengfallen, aber es werden weniger. Zudem haben die afghanischen Sicherheitskräfte die Lage immer besser unter Kontrolle.

Hatten Sie Tote und Verwundete zu beklagen?

Ja, bedauerlicherweise hatten auch wir in diesem Jahr bei unseren multinationalen Partnern Opfer zu beklagen. Am meisten betroffen sind jedoch die afghanischen Sicherheitskräfte, die hier im Norden zum großen Teil schon allein die Sicherheitsverantwortung übernommen haben. Von den Sicherheitskräften im Norden stellen die Afghanen inzwischen über 75 Prozent. In Zahlen ausgedrückt sind das rund 35 000 afghanische Soldaten und Polizisten. Dazu kommen über 10 000 Soldaten der internationalen Schutztruppe. In sechs der neun Provinzen im Norden sorgt die afghanische Polizei weitgehend allein für Ordnung. Wir konzentrieren uns auf die drei Provinzen Fariab, Kundus und Baghlan, um dort die Sicherheitslage zu verbessern.

Ist der Norden eine Insel der Sicherheit? In anderen Teilen Afghanistans häufen sich wieder die Anschläge.

Ich kann nur für den Norden sprechen. Uns ist es bisher gut gelungen, gemeinsam mit den afghanischen Partnern die Zahl der Anschläge zu reduzieren. Die Führungsarbeit leisten dabei die Afghanen, wir haben meist nur noch eine Beratungs- und Unterstützungsrolle.

Und wodurch ist es im Norden gelungen, die Sicherheit zu verbessern?

Indem wir die Qualität der afghanischen Sicherheitskräfte verbessern. Quantitativ sind sie zu 95 Prozent aufgestellt. Jetzt konzentrieren wir uns verstärkt auf den Ausbau der Fähigkeiten.

Aber das ist doch schwierig, wenn die Soldaten und Polizisten nicht mal lesen und schreiben können?

Auch das ist Teil der Ausbildung. Die Afghanen sind hoch motiviert. Besonders bei der afghanischen Bereitschaftspolizei gibt es zum Beispiel schon einen hohen Anteil von Polizisten, die lesen und schreiben können, wenn sie ihren Dienst antreten.

Werden die Taliban nach 2014, wenn die Isaf-Truppen abgezogen sind, wieder die Oberhand gewinnen?

Nein, das sehe ich nicht. Im Norden sind die Rahmenbedingungen gut, so dass die afghanischen Sicherheitskräfte bis 2014 soweit sein können, um die Sicherheit allein zu gewährleisten. Sie planen immer mehr Einsätze schon eigenständig, wir stehen meist nur noch beratend zur Seite. Die Bevölkerung gewinnt auch zunehmend das Vertrauen in die eigene Armee und Polizei. Aber es gilt weiterhin Vorsicht, vor Rückschlägen sind wir nicht gefeit.

Vertrauen Sie den afghanischen Sicherheitskräften? Einige haben ja schon die eigenen Leute umgebracht.

Ja, ich vertraue ihnen, denn das sind wirklich Einzelfälle. Wir hatten einen Fall im Norden, bei dem ein afghanischer Soldat auf zwei Nato-Soldaten geschossen hat. Aber bei 35 000 afghanischen Soldaten wäre Misstrauen gegenüber allen das völlig falsche Signal. Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihnen ist unser größter Schutz.

Wie bereiten Sie den Rückzug vor?

Wir schließen in diesem Jahr zwei kleine Feldlager, in Feisabad und Hasrat-e Sultan. Je mehr Verantwortung die Afghanen übernehmen, desto mehr können wir an Personal und Material abbauen. Bis Ende Januar reduzieren wir die deutschen Soldaten auf eine Gesamtstärke von 4400.

Was wird aus dem Camp Marmal, in dem derzeit immerhin 5400 Soldaten aus 17 Nationen untergebracht sind, wenn die Isaf-Truppen abziehen?

Das Camp ist die Führungszentrale und das logistische Zentrum des Nordens und wird als solches auch weiterhin gebraucht. In Masar-i-Scharif ist der zentrale Flughafen des Nordens, hier entlang verlaufen die wichtigsten Verbindungsstraßen. Wie das Camp nach Isaf genutzt wird, lässt sich heute noch nicht absehen.

Wird jetzt verstärkt sächsisch gesprochen im Camp?

Na klar, aber als gebürtiger Bayer kann ich da nicht wirklich mithalten.

Sie sind seit Anfang Februar in Afghanistan. Wie groß ist Ihre Sehnsucht nach Zuhause?

Natürlich freue ich mich auf Zuhause, auf meine Frau, und auch auf meinen Hund. Ich stehe in enger Verbindung mit Daheim und am meisten freu ich mich über Post, das ist immer wie ein kleines Weihnachten. Wir schreiben uns Briefe und meine Frau hält tapfer durch denn sie hat es von uns beiden schwerer. Ich habe große Achtung vor ihr und allen Ehefrauen und Familien, die diese Zeit so tapfer bewältigen.

Wünschen Sie sich mehr Interesse von Politik und Bürgern für die Bundeswehr?

Ich würde mir generell ein größeres Interesse für die Rolle der Streitkräfte insgesamt wünschen. Ich habe den Eindruck, dass es in der Bevölkerung keinen Konsens gibt, wozu wir die Streitkräfte brauchen. Das Thema Sicherheit wird bei uns in Deutschland als sehr selbstverständlich gesehen. Innere und äußere Sicherheit sind aber keine Selbstverständlichkeiten. Dafür muss man als Gemeinschaft etwas tun.

Anita Kecke

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