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Leipziger Studie über traumatische Erlebnisse in der DDR – Auch Kinder politischer Häftlinge leiden

Leipziger Studie über traumatische Erlebnisse in der DDR – Auch Kinder politischer Häftlinge leiden

Welche Folgen haben traumatische Erlebnisse für die eigenen Kinder? Dieser Frage gehen Wissenschaftlerinnen der Universität Leipzig am Beispiel politischer Häftlinge in der DDR nach.

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Ein Trauma hat verschiedene Symptome - manchmal ziehen sich betroffene Kinder immer weiter zurück. (Bild: DAK/Wigger/dpa/tmn)

Quelle: dpa

Leipzig. Schätzungsweise 300 000 Frauen und Männer waren in der Zeit von 1945 bis 1989 aus politischen Gründen im Gefängnis. Viele Menschen würden auch heute noch unter den Folgen ihrer traumatischen Erlebnisse leiden, so die Leipziger Wissenschaftler.

Die Staatssicherheit kam zumeist ohne Vorwarnung, am frühen Morgen oder in der Nacht. Die Mutter oder der Vater verschwanden anschließend für Jahre im Gefängnis, Besuche oder Briefkontakte hingen vom „Wohlwollen“ der Behörden ab. Solche Erfahrungen können sich zu einem Trauma entwickeln, das auch Jahre später noch das Leben der Kinder beeinflusst. Diesen Schluss legen zumindest die bisherigen Ergebnisse zweier Studien nahe, die sich erstmals mit den Kindern politisch Inhaftierter in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR beschäftigen.

Schätzungsweise 300 000 Frauen und Männer waren in der Zeit von 1945 bis 1989 aus politischen Gründen im Gefängnis. Dabei veränderten sich die Haftbedingungen von anfänglich körperlicher Misshandlung und Folter - etwa Schlafentzug und Schläge - hin zu etwas subtileren psychischen Quälereien, wie es in den Studien der Diplom-Psychologinnen Grit Klinitzke und Maya Böhm heißt. Vor allem das Erzeugen von absoluter Unsicherheit in Bezug auf die Familie oder Scheinexekutionen kamen vor. Viele leiden bis heute unter den Folgen. Und dies hat wiederum Auswirkungen auf das Leben der Kinder, glauben Klinitzke und Böhm.

Demnach gibt es auch bei den Nachkommen der politisch Verfolgten eine gewisse psychische Verletzbarkeit. So liege die Ängstlichkeit bei fast 50 Prozent der Befragten über dem Normalbereich, berichteten die beiden Wissenschaftlerinnen von der Uni Leipzig. Jeder Zweite habe eine bis drei psychische Störungen. Allerdings müssten die Ergebnisse sehr vorsichtig interpretiert werden, da sich nur 42 Teilnehmer bereiterklärt hätten, die Fragebögen auszufüllen. Sehr stark oder gar nicht belastete Personen hätten sich vielleicht erst gar nicht gemeldet.

Dennoch scheint es einen Zusammenhang zu geben, wie auch der Leiter der Beratungsstelle „Gegenwind“, Stefan Trobisch-Lütge, festgestellt hat. Der Psychologe kümmert sich seit Jahren um Traumatisierte der SED-Diktatur. Oft seien die Erfahrungen der Kinder gebunden an die der Eltern, sagte der Psychologe der Nachrichtenagentur dpa.

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Wenn ein traumatisches Erlebnis einen zu erdrücken droht, können Freunde und manchmal nur professionelle Unterstützung bei der Verarbeitung helfen. (Bild: DAK/dpa/tmn)

Quelle: dpa

„Viele haben Zweifel an der Erinnerung, es gibt auch ein gewisses Lamentieren, eine Selbstbeschuldigung und Überforderung“, berichtete er aus den Gesprächen mit seinen Patienten. Oftmals seien die Inhaftierten von eigenen Familienmitgliedern verraten worden. „Auch die Kinder brauchen Hilfe“, fügte er hinzu. Die Studie sei auch eine Anregung, über den Begriff Opferrente neu nachzudenken. Er müsse sich auch auf die Kinder Inhaftierter beziehen, forderte Trobisch-Lütge.

Dies gilt ganz vor allem für Betroffene aus den Nachkriegsjahren. Besonders hart sei das Schicksal für die Kinder in den 1940er und 1950er Jahren gewesen, die in den Gefängnissen geboren worden seien, betonte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky, bei der Vorstellung der Studien Anfang vergangener Woche. Viele dieser Kinder seien später mit Gewalt von ihren Müttern getrennt und in Kinderheime gebracht oder zur Adoption freigegeben worden.

So erging es etwa dem Journalisten und Autor Ulrich Schacht. Er kam 1951 im Frauengefängnis Hoheneck zur Welt, wo seine Mutter inhaftiert war. 1973 wurde er selbst wegen staatsfeindlicher Hetze zu sieben Jahren Haft verurteilt und 1976 in die Bundesrepublik abgeschoben. Die in Schottland lebende Fotografin Myriam Ceglarek hingegen hatte mehr Glück. Sie habe sich erst im vergangenen Jahr mit dem Schicksal ihres in der DDR inhaftierten Vaters auseinandergesetzt, der wegen eines Fluchtversuches mehrere Jahre in Haft saß, erzählte sie bei der Veranstaltung im Gebäude der Bundesstiftung Aufarbeitung.

dpa

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