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Leipziger erlebt Sorgen der Menschen auf Zypern

Leipziger erlebt Sorgen der Menschen auf Zypern

Von 2008 bis 2012 gehörte er zu den Leistungsträgern am Leipziger Bundesstützpunkt Schwimmen. Alexandre Bakhtiarov studierte vier Semester Sportmanagement an der hiesigen Uni.

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Alexandre Bakhtiarov bei seinem Sachsenmeistertitel über 100 m Schmetterling.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig/Larnaca. Die vier Jahre bei Trainerin Eva Herbst bezeichnet er als die schönsten seiner Karriere, "ich bin allen dankbar, die mich so toll unterstützt haben". Die Semesterferien verbringt er daheim in Larnaca. Die Sorgen um die Finanzkrise waren bei dem 26-Jährigen gestern am Telefon deutlich zu spüren.

"In den Cafés gibt es nur noch ein Thema: Was passiert mit unserem Geld", berichtet "Sascha", der aber einschränkend sagt: "Die Straßen, Kneipen und Cafés sind seit Tagen sehr leer. Es gehen weniger Leute aus, zumal ja die Banken und Geldautomaten immer noch geschlossen sind und man nicht überall seine Rechnung mit EC- oder Kreditkarte bezahlen kann." Seine Landsleute suchen nach Schuldigen für die Situation - und landen bei der größten europäischen Volkswirtschaft Deutschland, namentlich bei Angela Merkel. "Viele von uns denken, Deutschland setzt Zypern unter Druck. Beim Karneval am Wochenende in Limassol sah man Merkel-Plakate mit Nazi-Symbolen und so." Dies erinnere ihn an die Proteste in Griechenland vor sechs Monaten. Geschimpft werde aber auch auf die eigene Regierung - auf den altenlinksgerichteten Präsidenten ebenso wie auf den neuen konservativen.

Die Sorge ums Ersparte sei deshalb besonders groß, weil seine Landsleute die konservative Geldanlage auf dem Sparbuch bevorzugen. "Auch ich mache mir Gedanken, ob mein Geld dort noch sicher ist und wie es weitergeht. Wir alle sind verunsichert, weil es keine zuverlässigen Informationen gibt, wann die Banken wieder öffnen. Erst hieß es diesen Dienstag, dann Freitag, jetzt nächsten Dienstag. Das kam alles so plötzlich." Dass die Sparer ihren Anteil an der Lösung der Krise bringen sollen, stoße zum Teil auf Zustimmung: "Bei Facebook schreiben einige Freunde, dass wir patriotisch sein sollten. Andere befürchten, dass die zehn Prozent Abgabe nur der Anfang sind. Aber alle stört, dass dies einfach festgelegt wird, ohne die Menschen zu fragen." Sein Land sei bei der Suche nach Hilfe zweigeteilt: "Die einen hoffen auf Europa, andere setzen auf Russland. Viele Russen haben ihr Kapital auf Zypern investiert und wollen es nicht verlieren."

Ihm selbst gehe es recht gut, da er auf die Hilfe seiner Eltern bauen kann. Doch ein zielstrebiges Training ist für den besten zyprischen Schwimmer bei der unsicheren Lage nicht denkbar. Das hat auch einen anderen Grund - die verpasste Olympiateilnahme in London. "2008 hatte ich schon einmal Pech. Die Norm für Peking hatte ich geschafft, aber die elektronische Zeitmessung war ausgefallen. So fehlten mir 14 Hundertstel." 2012 wähnte er sich am Ziel. In 54,08 Sekunden über 100 m Schmetterling schaffte er die B-Norm des Weltverbandes. "Ich habe ein Passbild nach London geschickt, im Internet sah ich meine Olympia-Akkreditierung. Plötzlich hieß es, es sind zu viele Schwimmer, einige müssen gestrichen werden." Es traf ihn. Als Dritte-Welt-Athlet (ohne Norm) wäre er dabei gewesen.

Zwar hat er zwei Weltmeisterschaften und die Commonwealth Games erlebt, stand bei den Mittelmeerspielen über 100 Meter Freistil im Finale. Doch der Traum von Olympia erfüllte sich noch nicht. "Ich halte mich fit. Vielleicht versuche ich es 2016 noch einmal." Doch derzeit hat Aleksandre Bakhtiarov andere Sorgen. Verständlicherweise.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2013

Frank Schober

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