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Linda W. muss im Irak mit dem Schlimmsten rechnen

Sächsische IS-Kämpferin Linda W. muss im Irak mit dem Schlimmsten rechnen

Seit Mitte Juli sitzt die 16-jährige IS-Kämpferin aus Pulsnitz bereits in einem Gefängnis in Bagdad. Nun kündigte der irakische Ministerpräsident an, dass die Justiz seines Landes über die Strafe entscheiden wird. Auch das Todesurteil ist möglich.

Die sächsische Schülerin Linda W. wurde Mitte Juli von irakischen Soldaten in Mossul festgenommen.
 

Quelle: Screenshot RND/Twitter

Bagdad/Pulsnitz.  Die 16-jährige Pulsnitzerin Linda W. muss im Irak offenbar mit dem Schlimmsten rechnen. Das lassen kürzlich getroffene Aussagen des irakischen Ministerpräsidenten Haidar Al-Abadi vermuten. Dieser sagte am Wochenende, die Justiz seines Landes werde nun entscheiden, ob Linda W. zur Todesstrafe verurteilt werde. Irakische Soldaten hatten die Deutsche im Juli bei der Rückeroberung Mossuls vom IS angetroffen. Seitdem befinde sie sich in einem Gefängnis in Bagdad.

In dem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte Al-Abadi weiter: „Teenager sind bestimmten Gesetzen zufolge verantwortlich für ihre Taten, besonders, wenn diese Tat eine kriminelle Handlung ist, wenn es um die Tötung unschuldiger Menschen geht.“

Hintergrund: Die Schülerin war im vergangenen Jahr von ihrem Elternhaus in Pulsnitz (Landkreis Bautzen) davongelaufen, nachdem sie mit der Terrormiliz Islamischer Staat via Internet in Kontakt gestanden hatte. Die irakische Armee nahm W. dann Mitte Juli in der Altstadt von Mossul fest. Später bereute sie, sich dem IS angeschlossen zu haben.

Das Auswärtige Amt bestätigt die Berichte

Auf Nachfrage von LVZ.de heißt es aus Berlin: „Das Auswärtige Amt bestätigt, dass die irakischen Behörden ein Ermittlungsverfahren eingeleitet haben. Linda W. wird von unserer Botschaft in Bagdad konsularisch betreut.“ Welche Punkte Linda W. konkret vorgeworfen werden und welche Strafe sie zu erwarten habe, könne derzeit nicht genannt werden, so das Außenministerium.

Doch auch bei einer möglichen Rückkehr nach Deutschland könnte auf Linda W. ein Verfahren warten: Wie das Auswärtige Amt weiter mitteilt, habe auch der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. In ähnlichen Fällen war IS-Angehörigen von deutschen Gerichten bereits die „Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung “ oder auch die „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“ vorgeworfen worden.

Todesstrafen weltweit

Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitteilt, ist die Zahl der Hinrichtungen, die von ihr erfasst wurde, im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel auf 1.032 gesunken. 2015 waren es noch 1.634. Für 87 Prozent der Todesurteile waren vier Länder verantwortlich: Iran (567), Saudi-Arabien (154), Irak (88) und Pakistan (87).

Zum ersten Mal seit 2006 sei die USA nicht unter den fünf Staaten mit den meisten Hinrichtungen. Grund dafür seien teilweise Probleme beim Zugang zu Chemikalien für die Hinrichtung durch die Giftspritze. Wie in den Jahren zuvor habe China vermutlich auch 2016 mehr Menschen hingerichtet als der Rest der Welt zusammen. Amnesty gehe von tausenden Fällen aus. Informationen zur Todesstrafe in China stehen per Gesetz als Staatsgeheimnis unter Verschluss.

„Mit Nauru und Benin haben im vergangenen Jahr zwei weitere Länder die Todesstrafe abgeschafft. Sie schließen sich der Mehrheit der Staaten weltweit an“, sagt Alexander Bojčević von Amnesty International in Deutschland. Damit werde in 141 Staaten kein Todesurteil mehr vollstreckt.

In der Bundesrepublik ist die Todesstrafe seit 1949 und in der DDR seit 1987 abgeschafft. Das letzte Todesurteil der DDR wurde bereits sechs Jahre zuvor vollzogen: Am 26. Juni 1981 wurde Werner Teske, Ex-Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit, per Genickschuss in der Leipziger Haftanstalt an der Alfred-Kästner-Straße getötet. Der Hauptmann war wegen angeblicher Spionage und vorbereiteter Fahnenflucht vom Obersten Gericht der DDR zum Tode verurteilt worden.

Von mhs (mit dpa)

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