Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Bahn wechselt in Notfall-Modus - Leipzig so gut wie abgekoppelt

Lokführerstreik Bahn wechselt in Notfall-Modus - Leipzig so gut wie abgekoppelt

Die Lokführer streiken erneut - und dieses Mal fahren noch weniger Züge. Mitteldeutschland und Leipzig trifft es besonders hart. Betroffen sind auch Verbindungen Richtung Magdeburg, München und Dresden.

Leere Bahnsteige in Leipzig. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Berlin/Leipzig. Wegen des angekündigten Streiks der Lokführer schaltet die Deutsche Bahn wieder in den Not-Modus. Von Mittwoch an werden im Regionalverkehr in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur noch zehn Prozent der Züge fahren. Das ist noch etwas weniger als beim vorherigen Streik der Gewerkschaft GDL.

"Weil diesmal kein Streikende angekündigt ist, müssen wir mit dem Personal haushalten und planen etwas zurückhaltender", sagte dazu ein Bahnsprecher am Dienstag in Leipzig. Auch im Fernverkehr wird es im Südosten wieder gravierende Auswirkungen geben. Die IC-Strecke Leipzig-Magdeburg wird nicht bedient, ebensowenig wie die Verbindungen zwischen Dresden und Leipzig sowie Dresden und Berlin.

Zwischen Leipzig und München sowie Leipzig und Frankfurt/Main fahren nur vereinzelt ICEs. „Bis auf dass wir uns auf eine längere Streikdauer einstellen müssen, ist der Verfahrensablauf der gleiche wie beim letzten Mal“, sagte der Bahnsprecher. Ziel sei es, dass die wenigen Züge des ausgedünnten Ersatzfahrplans zuverlässig fahren. Die GDL hat ihre Lokführer zum Streik aufgerufen, diesmal aber kein Ende in Aussicht gestellt. Es ist der neunte Lokführerstreik in Folge. Der Tarifkonflikt mit der Bahn ist völlig festgefahren.

Fahrplan-Infos der Deutschen Bahn

Nächste Eskalationsstufe

Die Gewerkschaft GDL kündigte am Montag an, der Streik werde noch länger dauern als der vorangegangene, der den Bahnverkehr eine Woche lahmgelegt hatte. „Wir sehen uns gezwungen, in die nächste Eskalationsstufe einzutreten“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky.

Die Bahn verurteilte den Streik „als Schikane für viele Millionen Menschen“ und forderte erneute eine Gesamtschlichtung.  Es ist die mittlerweile neunte Streikwelle der Lokführergewerkschaft in dem Tarifkonflikt: Der Ausstand soll um 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch im kompletten Personenverkehr beginnen. Bereits am Dienstag um 15 Uhr hatten die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit niedergelegt.

Das angeblich bereits feststehende Streikende will die Gewerkschaft anders als bei den vorhergehenden Streikrunden erst 48 Stunden vorher nennen. Ein unbefristeter Streik sei das daher nicht, erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. Der Streik werde aber „etwas länger“ dauern als die vorangegangene Streikrunde. Damit sind auch die Pfingsttage betroffen. „Wir erwarten, dass die Fahrgäste nicht den Vorwurf an die Lokführer richten“, sagte der Gewerkschaftschef. Verantwortlich für den Streik sei der Konzern.

Wirtschaft ist besorgt

Aus der Wirtschaft kamen besorgte Reaktionen: „Jeder weitere Streiktag bürdet der gesamten deutschen Industrie neue Lasten auf“, erklärte der Maschinenbau-Verband VDMA. Die Unternehmen des Maschinenbaus griffen allerdings vielfach auf andere Transportmittel zurück.

Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen. Es war der bisher längste Streik in der 21-jährigen Geschichte der Deutschen Bahn AG. Nach erneut gescheiterten Gesprächen vom Wochenende hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einen Streikverzicht verlangt. Nur eine Schlichtung über alle strittigen Fragen könne jetzt noch weiterhelfen.

Weselsky erklärte sich bereit, während des Streiks in eine Schlichtung mit der Bahn zu treten. Dann könne die Gewerkschaft den Streik auch schneller als mit 48 Stunden Vorlauf beenden. In der Schlichtung dürfe es aber nur um Themen wie Entgelt und Arbeitszeit gehen, nicht um die grundsätzliche Frage, für welche Berufsgruppe die GDL Tarifverträge abschließen dürfe. „Über Grundrechte lassen wir nicht schlichten“, betonte Weselsky erneut. „Wir sind lange genug verschaukelt worden“, schimpfte der GDL-Chef.

100 Euro Streikgeld pro Tag

Das Streikgeld, das die Lokführer pro Arbeitskampftag von der Gewerkschaft erhalten, werde von 75 auf 100 Euro erhöht. Bis Dezember hatte es noch bei 50 Euro gelegen. Trotz der Erhöhung büßten streikende Lokführer Einkommen ein, sagte Weselsky.

Die GDL warf der Bahn vor, den Tarifabschluss bis zum Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes verschleppen zu wollen. Das wird voraussichtlich Anfang Juli geschehen. Dem Gesetzentwurf zufolge soll künftig in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft gelten. Streiks einer kleineren Gewerkschaft wie der GDL für einen eigenen Abschluss wären dann möglicherweise nicht verhältnismäßig und illegal. Weber sagte, die GDL sei ein wichtiger Partner, „daran wird auch ein Gesetz nichts ändern“.

Ein Hauptstreitpunkt war zuletzt ein eigenständiges GDL-Tarifwerk für die rund 3000 Lokrangierführer bei der Bahn. Das Unternehmen habe am Wochenende angeboten, diese Berufsgruppe tariflich wie Lokführer einzugruppieren, sagte der Bahnmanager. Die Kernforderung der GDL sei damit erfüllt worden. Die GDL habe auch von einer „intelligenten, juristisch machbaren Lösung gesprochen“, den Vorschlag aber dennoch abgelehnt.

Die Bahn will unterschiedliche Tarifverträge für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden. Die GDL strebt zunächst eine Einigung über die künftige Tarifstruktur an und will erst danach in einer Schlichtung über Geld, Arbeitszeit und Überstundenbegrenzung sprechen. Sie verfolgt deutlich andere Ziele als die größere EVG.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr