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Lokführerstreik trifft Bahnverkehr ins Mark: S-Bahn-Netz kommt komplett zum Erliegen

Lokführerstreik trifft Bahnverkehr ins Mark: S-Bahn-Netz kommt komplett zum Erliegen

Der kurzfristig anberaumte Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Montagabend zur Berufsverkehrszeit den Bahnverkehr ins Mark getroffen. Bis auf wenige Ausnahmen fuhren drei Stunden keine Regional-, Fern- und Güterzüge.

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Der Streik der Lokführer legte auch den S-Bahn-Verkehr im Leipziger Citytunnel lahm.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das mitteldeutsche S-Bahn-Netz war praktisch komplett stillgelegt. Etliche strandeten an den Bahnhöfen.

Leipzig, kurz vor 18 Uhr: Bis auf die wie stets zu Monatsanfang riesigen Schlangen vor den beiden LVB-Servicepunkten in der Petersstraße und am Hauptbahnhof deutet nichts auf einen besonderen Tag im Nahverkehr hin. Doch schon kurz darauf heißt es für den Großteil aller Kunden der Deutschen Bahn: Rien ne va plus – nichts geht mehr. Die S 1 um 18.05 Uhr nach Borsdorf und Wurzen ist die erste, die an der Anzeigetafel mit einem „fällt aus" geschmückt wird. In Minutenabständen werden es mehr betroffene Züge. Zugleich wächst die Schlange am Infopunkt auf dem Querbahnsteig stetig an. Ein erstes „Das ist das Allerletzte!" eines frustrierten Reisenden hallt über den Querbahnsteig. Kopfschütteln allenthalben.

Die S 3 nach Halle (Saale) verkehrt wenig später ebenso nicht wie der Regionalexpress 17694 nach Magdeburg. Hingegen setzt sich der RE 26146 um 18.08 Uhr nach Lutherstadt Wittenberg in Bewegung: „Der Lokführer ist bei der Konkurrenzgewerkschaft EVG", lautet die lakonische Erklärung des Zugbegleiters. Letztlich hängt es von der Mitgliedschaft eines Lokführers in diesem oder jenem Arbeitnehmerverband ab, ob ein Zug die Bahnhofshalle verlässt – oder nicht. Im S-Bahn-Netz rührt sich praktisch nichts – knapp 90 Prozent der Lokführer gehören der GDL an.

Im City-Tunnel versucht sich ein „Bahn-Prügelknabe", wie es einer der Umstehenden formuliert, in der Beruhigung aufgebrachter Fahrgäste. Einige kann er mit dem Hinweis auf an der Ostseite des Hauptbahnhofs abfahrende Ersatzbusse zufriedenstellen. Andere reden sich in Rage, weitere ergeben sich in ihr (Warte-)Schicksal. Ob ein bereits entwertetes Ticket noch Gültigkeit besitzt, vermag er nicht zu sagen und verweist auf die Kollegen am Infopunkt.

Bahnhofsmanager Karsten Kammler gibt derweil am Busbahnhof Auskunft. Ihm stehen aufgrund der Kürze der Reaktionszeit auf die Streikankündigung lediglich acht Busse zur Verfügung. Sie verkehren vor allem Richtung Halle (Saale), Chemnitz/Zwickau und Falkenberg. Einer Familie aus dem Großraum Magdeburg, die mit den beiden Enkeln den Leipziger Zoo besucht hat, kann er allerdings ebenso wenig weiterhelfen wie der stocksauren Mutter eines dreijährigen Kindes aus Könnern, deren Frage nach Übernahme der Taxikosten er mit Verweis auf höhere Gewalt im Fall eines Ausstandes verneinen muss. „Ich verstehe ja die Leute", so Kammler, doch seien die Möglichkeiten nunmal begrenzt. Insgesamt halte sich der Frust seiner Einschätzung nach aber in Grenzen.

Ironie der (Streik-)Geschichte: Der Lokführer des ICE 1641 aus Frankfurt/Main Flughafen rollt noch kurz vor Beginn des Ausstands in Leipzig ein. Jedoch hat ihn die Info darüber offenbar nicht erreicht. So muss der gebürtige Leipziger ebenso drei Stunden auf die Weiterfahrt in die neue Heimat Dresden warten.

Nach dem Ende der Aktion um 21 Uhr sollte der Verkehr wieder anrollen. Es war jedoch unklar, wie lange es dauern würde, bis alle Züge wieder nach Fahrplan unterwegs sind.

Martin Pelzl

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