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Lucke, entgleiste Köln-Fans und Rewe – Leipziger AfD hält Boykott-Aufruf für Unsinn

Lucke, entgleiste Köln-Fans und Rewe – Leipziger AfD hält Boykott-Aufruf für Unsinn

„Boykott, bis zur Entschuldigung!“ – dieser gegen die Supermarktkette Rewe gerichtete Aufruf schlägt noch immer Wellen im Netz. Der AfD-Kreisverband Mecklenburg-Schwerin hatte am Dienstag auf seiner Facebookseite Front gegen den Sponsor des 1. FC Köln gemacht, weil Fans in einem ICE Parteichef Lucke hart angegangen waren.

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Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke sollte offenbar von 1. FC Köln-Fans aus dem Zug gedrängt werden.

Quelle: dpa

Leipzig. In Leipzig hat die AfD-Ratsfraktion eine eindeutige Haltung zu dem Boykottaufruf.

Hintergrund: Am Samstagabend wollten offenbar Fans des 1. FC Köln AfD-Chef Bernd Lucke aus dem ICE von Berlin nach Köln drängen. „Wir wollen keine Nazis hier!“ sollen die Fußball-Anhänger, die auf dem Rückweg von der Auswärts-Partie gegen Hertha BSC waren, laut express.de gesagt haben.

Schlichtungsversuche der Bahn-Mitarbeiter sollen laut Medienbericht gescheitert sein, worauf Lucke die Polizei rief, die an verschiedenen Haltepunkten des Zuges Position bezogen. Mit seiner Frau soll er den Zug dann in Wuppertal verlassen haben. Dienstagabend reagierte der aufgebrachte Kreisverband im Nordosten mit dem Facebook-Aufruf.

Leipziger AfD-Fraktion gegen Boykott

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Tobias Keller, Chef der Leipziger AfD-Ratsfraktion.

Quelle: André Kempner

„Ich persönlich bin gegen jeden Boykott wirtschaftlicher Unternehmen, zumal Rewe offensichtlich mit dem Vorfall nichts zu tun hat“, sagte der Leipziger AfD-Fraktionsvorsitzende Tobias Keller am Mittwoch auf Anfrage von LVZ-Online. „Das ist völliger Unsinn“, so Keller weiter. Und mit Blick auf die Entgleisung der Köln-Fans sagt der Leipziger Fraktionschef: „Idioten gibt es immer.“ Dafür könne weder der Fußballverein noch die Supermarktkette bestraft werden.

Tatsächlich wollen sich weder die Handelskette noch der Kölner Fußballverein am Mittwoch auf Anfrage offiziell zu dem Vorfall äußern. Aus Vereinskreisen der Kölner verlautet aber, dass der Bundesliga-Aufsteiger mit 70.000 Mitgliedern und mehr als 1500 Fanclubs das Benehmen der Anhänger nicht als Vereinssache betrachte.

Trotz Shit-Storm: AfD-Kreisverband legt nach

Das Boykott-Bild mit dem roten Warnschild vor einem Rewe-Logo ist bereits wenige Stunden nach seinem Erscheinen auf der AfD-Facebookseite nach einem Shitstorm wieder gelöscht worden. Auf dem Kurznachrichtenkanal Twitter fühlt sich ein Nutzer bitter den nationalsozialistischen Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte 1933 erinnert. „Kauft nicht bei Menschen. Kennt man von den braunen Horden. Keine Stimme für Nazis und Rechtsextreme“ heißt es dort.

Noch immer erntet die AfD beißenden Spott: Zahlreiche Twitter Kommentatoren loben die Werbekampagne für den Einzelhändler und freuen sich, dass sie nun ohne Anhänger der rechtskonservativen Partei einkaufen können. „Ist der #Rewe-Aufruf der #AfD Satire, oder sind die wirklich so schlecht?“ fragte ein Nutzer.

Der AfD-Kreisverband Mecklenburg-Schwerin legte am Mittwoch auf Facebook nach und deklarierte den Boykott als Aktion, der Empörern, Gutmenschen und Moralaposteln den Spiegel vorhalten soll: „Jetzt wisst ihr, wie es sich anfühlt, wenn mit unfairen Mitteln geschossen wird.“ Dazu wird der irische Literat Oscar Wilde bemüht mit dem Zitat: „Moral ist nichts weiter als die Haltung, die wir Leuten gegenüber einnehmen, gegen die wir eine persönliche Abneigung haben.“

Evelyn ter Vehn

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