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Lustige Dresden-Erinnerung aus der Photokiste - Neustädter Automat besonders beliebt

Lustige Dresden-Erinnerung aus der Photokiste - Neustädter Automat besonders beliebt

Wenn sich am Wochenende das Partyvolk wieder durch die Dresdner Neustadt schiebt, wird es in der Alaunstraße, gleich neben der Scheune, immer wieder kräftig blitzen.

Dresden. Verantwortlich dafür ist aber in den wenigsten Fällen ein Gewittersturm, sondern eine Photokiste, die man anderswo schon längst in den Ruhestand geschickt hätte. Im Zeitalter der digitalen Fototechnik sind solche Boxen wahre Raritäten. In der Dresdner Neustadt gibt es eine zweite in der Louisenstraße nahe dem Café „Blumenau", auch in der Altstadt wartet ein Automat, der nicht nur bei Teenagern sondern auch bei den Senioren und allen Altersklassen dazwischen gleichermaßen beliebt ist, verrät Nils Emmrich, der zwei der drei Fotomaschinen betreibt. Wetterabhängig seien es mal mehr und mal weniger Box-Besucher. Hauptsächlich das Neustädter Partyvolk würde sich allein, zu zweit oder zu viert hinter dem Vorhang tummeln und für die vier schwarz-weiß Unikate ohne Negativ in Pose setzen. Der Rekord liege bei acht Personen auf einem Bild. Ein besonderes Bonbon für den für Ewigkeit festgehalten Moment: Als lustigen Zusatz können sich die Fotomodelle neben der Kiste an der Scheune Clownsnase, Klebebart, Herzluftballon oder Papier und Stift gegen Aufpreis aus einem Automaten ziehen. Manche üben vorher schon mal Lächeln, Knutschen oder Grimassen schneiden, bei anderen tut auch der Alkohol sein übriges: Wenn es nach dem Einwurf einer Zwei-Euro Münze kurz blitzt, guckt der soeben Abgelichtete auf dem zweiten Foto meist total perplex und versteht erst beim vierten Blitz, dass das jetzt der Auslöser war. Vier Millisekunden hat es gedauert: keine Bearbeitungsoptionen, keine Löschtaste. Nur Vorfreude. Bitte fünf Minuten warten, informiert der Automat. Dann wirft er einen Streifen mit vier Passbildern aus: total verdatterte Gesichter, knutschende Pärchen oder eine leere Box - wenn das Model zu langsam war. „Die Idee entstand als mir ein Freund von den Photokisten in Berlin und Köln berichtete. Zum Schaubudenfest 2009 wollten wir den Gag dann in Dresden ausprobieren", erzählt Nils Emmrich. Also suchte der 27-Jährige nach Restbeständen - in Deutschland erfolglos. Hierzulande werden Passbildhersteller, die in den 60er und 70er Jahren auf Bahnhöfen standen, nicht gebaut. „Solche ausrangierten Dinger sind schwer zu ergattern. Entweder man hat Glück, dass jemand seinen Keller aufräumt oder man muss nach Übersee, um fündig zu werden", gibt der Diplombetriebswirt preis.

 

Die nächste Schwierigkeit: Das Stadtplanungsamt wollte einen öffentlichen Standort nicht genehmigen. „Deswegen stehen unsere Kisten auf privaten Grundstücken", berichtet Emmrich. In die Technik hat er sich eingefuchst. Der Selbstständige kümmert sich auch um die Fotochemie und Ersatzteile. „Momentan beliefert uns ein Fotochemiewerk aus den USA. Die Optionen werden rar, weil die analoge Technik überholt ist", befürchtet er.

 

Nachdem das erste Projekt in der Alaunstraße gut lief, kam der „Retter des Retroeffekts auf den Papierstreifen" mit der Künstlerin Katja Hütter ins Gespräch: „Mir gefiel ihr Stil. Kurzum haben wir eine zweite Kiste für die Altstadt besorgt." Auf der Photokiste am Neumarkt hat sich die Künstlerin verewigt. „Bei dem Standort passte es, die Skyline Dresdens abzubilden", findet die Psychologie-Studentin.

 

Zur diesjährigen „Bunten Republik Neustadt" bekam die Photomaschine an der Scheune ein neues Gesicht. Fotostreifen von Passanten, die ihre Werke gegen ein Stück Kuchen tauschten, baute Künstlerin Hütter in ihre Neugestaltung ein. Außerdem warnt jetzt ein Text: „Achtung! Hier bitte keine Parktickets lösen. Bei Aktfotografien unbedingt Vorhang schließen. Wer Digitalbilder will, muss sich an Port01 wenden. Hier werden die Photos weder digital noch als Negative gespeichert. Viel Spaß wünscht Eure Photokiste."

Der zweite Neustädter Fotoautomat wurde von Asger Doenst aufgestellt. Der Berliner hat seine Boxen in der ganzen Bundesrepublik und vielerorts in Europa platziert. Weil der Gag so gut ankommt, will er im September eine weitere auf der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße bereitstellen.  

Sandra Hohlfeld / ast

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