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Mäzene lassen Baudenkmäler im Osten glänzen

Mäzene lassen Baudenkmäler im Osten glänzen

Die Bauten sind einmalige Zeugnisse der deutschen Kulturtradition. Ob die barocke Frauenkirche in Dresden, die gotische St.-Georgen-Kirche in Wismar oder das Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam - alle wurden nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.

Berlin. Dass diese architektonischen Juwelen heute wieder in neuem Glanz erstrahlen, verdanken sie ganz wesentlich privatem Engagement. Mäzene, Stiftungen und Unternehmenssponsoren steuerten einen erheblichen Teil der Gelder im mehrstelligen Millionenbereich bei.

„Wir erleben in Deutschland eine Renaissance der Philanthropie, ein zunehmendes Engagement von Privatpersonen in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen“, sagt Prof. Klaus Siebenhaar vom Berliner Institut für Kultur- und Medienmanagement. Das habe mit dem gewachsenen individuellen Reichtum zu tun. „In Deutschland wird derzeit so viel vererbt wie nie zuvor.“ Das zeige sich auch an dem Stiftungsboom in Deutschland. Entscheidend sei der Wandel vom Sponsoring der 80er und 90er Jahre zum heutigen Mäzenatentum.

„Der Mäzen handelt selbstlos, er will nur gesellschaftliche Anerkennung“, erläutert Siebenhaar. „Beim Sponsoring geht es jedoch um die geldwerte Gegenleistung. Die Unterstützung für Projekte finanziert das Unternehmen aus dem Werbeetat. Dabei geht es nicht um Investitionen aus Herzblut, sondern um die Frage: Nützt es dem Unternehmen mehr, als Anzeigen zu schalten?“ Der Osten Deutschlands schneide dabei schlechter ab, weil es dort kaum große Erben gebe. „Doch viele Mäzene aus dem Westen konzentrieren sich auf den Aufbau im Osten wie Arend Oetker in Leipzig.“ Dort unterstützt der ehrenamtlich engagierte Unternehmer die Galerie für Zeitgenössische Kunst. Stiftungen im Osten rarer und weniger vermögend

Den Stiftungsboom und das Füllhorn für den Osten bestätigt auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Ohne die Arbeit von Stiftungen sähe es in Deutschland, vor allem in den neuen Bundesländern, eklatant anders aus“, resümierte 2009 Verbands- Generalsekretär Hans Fleisch zu 20 Jahren Mauerfall. Um den großen Nachholbedarf zumindest teilweise auszugleichen, investierten viele Stiftungen nach der Wende vorrangig in den neuen Bundesländern.

„In den 90er Jahren sind rund 95 Prozent unserer Mittel in den Osten geflossen. 2009 ist dieser Anteil auf 57 Prozent gesunken“, sagt ein Sprecher der Stiftung Deutscher Denkmalschutz. „Viele Kulturdenkmäler wären sonst verfallen.“ So beteiligte sich die Stiftung Denkmalschutz mit 15 Millionen an den rund 35 Millionen Euro für den Wiederaufbau der St.-Georgen-Kirche in Wismar, der in diesem Jahr vollendet wird. Sie gilt als eine der bedeutendsten Kirchenbauten der Backsteingotik.

Doch vom Stiftungskahlschlag zu DDR-Zeiten - als private Einrichtungen wurden sie weitgehend abgeschafft - erholen sich die neuen Länder nur langsam. Von den 17 372 Stiftungen bürgerlichen Rechts Ende 2009 in Deutschland hatten nach Angaben des Bundesverbandes nur 1117 oder 6,4 Prozent ihren Sitz in den neuen Ländern. Mit Berlin (690) erhöht sich der Anteil auf 10,4 Prozent. Auch beim Stiftungsvermögen kann der Osten nicht mithalten. Von den 15 größten Stiftungen - meist von Unternehmen - mit einem Vermögen bis zu mehr als 5 Milliarden Euro sitzt keine in Ostdeutschland. Dort ist kein Vermögen höher als 250 Millionen Euro. Mäzene zeigen sich im Osten spendabel

Doch vieles gleichen private Mäzene aus. Eins der berühmtesten Beispiele ist die Rekonstruktion der Frauenkirche in Dresden. Von den Kosten in Höhe von 132 Millionen Euro während der elfjährigen Bauzeit bis 2005 wurden rund 100 Millionen Euro durch Spenden aus aller Welt aufgebracht. Zu den großzügigen Förderern zählt auch der US- Nobelpreisträger für Medizin, Günter Blobel, der in Dresden aufgewachsen ist. 1999 stellte er 1,6 Millionen Mark seines Preisgeldes für die Frauenkirche zur Verfügung.

Von privaten Gönnern profitierte auch besonders die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam, die im Schatten Berlins gut situierte Bürger anzog. TV-Moderator Günther Jauch spendete Millionen für die Rekonstruktion des Fortunaportals, das einst als schönster Teil des barocken Stadtschlosses galt. Für den Wiederaufbau des Schlosses, in das der Landtag einziehen soll, überreichte der Aufsichtsratschef des Software-Unternehmens SAP, Hasso Plattner, einen 20-Millionen-Scheck. Deshalb warnt Siebenhaar vor einem Problem: „Sogenannte Leuchttürme im Osten werden mehr bedacht als viele Kulturschätze in kleinen Städten oder auf dem Land.“

Kirsten Baukhage, dpa

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