Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Magdeburger Bischöfin Junkermann widerspricht Kritik am Reformationsjahr

Reaktion auf Streitpapier Magdeburger Bischöfin Junkermann widerspricht Kritik am Reformationsjahr

War das Reformationsfest 2017 ein verschenktes Jahr? Die kritische Bilanz der beiden Theologen Christian Wolff (Leipzig) und Friedrich Schorlemmer (Wittenberg) hat eine Debatte über den Kurs der Evangelischen Kirche in Deutschland ausgelöst. Die Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann widerspricht jetzt der Kritik.

Kirchentag in Leipzig: Das Bläsertreffen auf dem Augustusplatz war eines der wenigen gut besuchten Veranstaltungen
 

Quelle: Olaf Majer

Magdeburg/Leipzig.  “Reformation in der Krise“ – unter diesem provokanten Titel hatten die beiden ostdeutschen Protestanten Christian Wolff und Friedrich Schorlemmer Anfang dieser Woche ein Memorandum zum Lutherjahr 2017 herausgegeben. Ihre zentrale Botschaft: Die evangelische Kirche kann nur dann überleben, wenn sie mit Selbsttäuschung und Selbstüberschätzung aufhört und stattdessen wieder nah bei den Menschen ist sowie praxisnahe Glaubensbildung betreibt.

Mehr Ökumene als erhofft

Die Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann versteht die Sorge, widerspricht aber in wesentlichen Punkten der Kritik. In der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM), der Junkermann vorsteht, fanden die meisten Veranstaltungen im Reformationsjahr 2017 statt. Und die EKM-Bischöfin hat eine andere Wahrnehmung der Ereignisse. Ein verschenktes Jahr? Ganz im Gegenteil: „Wir sind reich beschenkt worden in diesem Jahr“, sagt sie. Viele Menschen hätten sich für die Geschichte der Reformation in Mitteldeutschland interessiert, viele seien ins Staunen gekommen oder hätten ihre bisherige Einstellung zu Kirche hinterfragt. „Unser ökumenisches Miteinander wurde in einem Maße gestärkt, wie ich es nicht zu hoffen wagte“, sagt sie. „Und es gab kontroverse Auseinandersetzungen zum aktuellen Zustand unserer Kirche, wie nicht zuletzt das Memorandum von Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff zeigt.“

Die Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann

Die Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann

Quelle: dpa

Leere Kirchentags-Podien? „Aus Fehlern gelernt“

Diese Debatte dürfe allerdings nicht dazu führen, allein nur die Fehler zu suchen. Schorlemmer und Wolff hatten beispielsweise das Programm der Kirchentage scharf kritisiert. Angesichts leerer Podien und enttäuschender Teilnehmerzahlen habe es eine „grandiose Selbstüberschätzung“ gegeben. Junkermann hält entgegen: „Wer nur auf Zahlen schaut, wird enttäuscht sein. Wir haben aber auch viel gelernt, das kann kein Fehler sein.“ Es stimmt, viele groß geplante Diskussionsformate hätten oft nur wenige Menschen angezogen. „Gerade sie haben aber das intensive Gespräch auf Augenhöhe, an dem sich alle beteiligen konnten, besonders geschätzt gegenüber Großveranstaltungen mit Podien, auf denen nur wenige etwas sagen“ so Junkermann. „Das ist für mich Ausdruck gelebten Priestertums aller und nicht nur einiger VIPs.“

Offene Tischgemeinschaft in Leipzig hat funktioniert

Auch neue Formate, wie offene Tischgemeinschaften in den Innenstädten wie in Leipzig, hätten bei den Kirchentagen gut funktioniert. „Hier haben sich viele einladen lassen. Das provoziert uns, ganz neu über Mahlgemeinschaft nachzudenken und wie wir dazu einzuladen“. Dem hält allerdings der frühere Leipziger Thomaspfarrer Wolff entgegen, dass dies vor allem deshalb gelungenen Veranstaltungen waren, weil sie von Gemeinden vor Ort organisiert wurden. Dagegen habe das „übergestülpte Mammut-Programm“ von oben scheitern müssen. Vorausgegangen sei eine „völlige Fehleinschätzung der Lage“ in den ostdeutschen Landeskirchen durch die Organisatoren der Kirchentage.

Junkermann wundert sich über Wolff-Schorlemmer-Vorwurf

Auf großen Widerspruch trifft bei der Magdeburger EKM-Bischöfin allerdings der Wolff-Schorlemmer-Vorwurf, Kirche müsse Schluss machen mit ihrer Selbstbeschäftigung und wieder mehr im Alltag der Menschen verankert sein. „Was sie einfordern, genau das haben wir doch in besonderer Weise im Reformationsjahr erlebt“, wundert sich Junkermann über die Kritik. So hätten allein die EKM-Teams in den Kirchenkreisen täglich 50 bis 80 Gespräche mit Menschen vor Ort geführt. „Menschen lassen sich ansprechen, und wir können uns überwinden, sie anzusprechen. Was kann noch näher bei den Menschen sein?“, fragt die Bischöfin. „Ich verstehe nicht, dass die beiden etwas einfordern, was, zugegeben in kleiner Münze und nicht oft in großer Öffentlichkeit, geschieht.“

Sie sehe zwar auch die Gefahr einer Selbstbeschäftigung, wenn Kirche vor großen Umbrüche stehe, wie derzeit in Mitteldeutschland. Gerade dieser Reformationssommer aber habe Kirche für Menschen auf Straßen und Marktplätzen erlebbar gemacht. „Wir haben unsere Glaubensschätze zum Glänzen gebracht. Das alles geht jedoch nur mit tragfähigen Strukturen, man darf das eine nicht gegen das andere ausspielen“, so Junkermann.

Mehrkosten des Festjahres? Magdeburg bleibt gelassen

Ein mögliches finanzielles Nachspiel des Reformations-Festjahres sieht man derweil in Magdeburg noch gelassen. Lutherbotschafterin Margot Käßmann hatte zuletzt angedeutet: Falls der Reformationssommer mit einem finanziellen Defizit enden sollte, werde das mit den Landeskirchen besprochen. Ein EKM-Sprecher bestätigte, dass man bereits darauf angesprochen wurde. Für konkrete Zahlen sei es jedoch viel zu früh. „Wir warten ab, bis im Frühsommer nächsten Jahres alles ausgewertet ist.“ Und auch Käßmann sagt: „Eine genaue Auswertung habe ich noch nicht. Aber wenn die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum nicht genutzt hätte, wäre ihr das als ein Riesenfehler vorgeworfen worden.“

 

Streitschrift zum Download

Die große Bilanz zum Reformationsfest – das ganze Memorandum zum Nachlesen können Sie sich hier downloaden:

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr