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Mehr als 200.000 Euro für bunte Bio-Möhren: Steuerzahlerbund kritisiert Verschwendung

Mehr als 200.000 Euro für bunte Bio-Möhren: Steuerzahlerbund kritisiert Verschwendung

Bernburg. Von oben betrachtet haben die Möhren alle ein kräftiges, grünes Kraut. Doch unter der Erde entwickelt sich auf dem 100 Quadratmeter großen Versuchsfeld in Sachsen-Anhalt eine wahre Farbenpracht: Rote, violette, gelbe und sogar weiße Möhren bohren sich in den lockeren Boden der Börde.

230 000 Euro lässt die Bundesregierung springen, damit neue Bio-Sorten gezüchtet werden. Für den Steuerzahlerbund ein klassisches Beispiel für Verschwendung.

Showdown mit Möhre: Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) will die Kritik an dem Projekt nicht auf sich sitzen lassen - und hat am Donnerstag Vertreter des Steuerzahlerbundes zu einem Termin vor Ort in Bernburg eingeladen. „Wir bekennen uns voll zu diesem Versuch“, sagt er am Feldrand. „Wer Kritik übt, liegt auch manchmal daneben.“ Doch der Finanzexperte des Steuerzahlerbundes, Matthias Warneke, kontert: „Ich habe nichts gegen bunte Möhren. Es ist aber nicht die Zuständigkeit des Steuerzahlers, sich um verschiedenfarbige Möhren zu kümmern.“ Für den aus Berlin auf die weiten Felder der Börde angereisten Experten steht fest: „Das ist eine Liebhaberei.“

Doch worum geht es im Möhren-Streit genau? Mit mehr als 10 000 Hektar Anbaufläche zählt die Möhre zu den wichtigsten Freilandgemüsearten in Deutschland. Aber der Anbau kann den Bedarf nicht decken: Fast jede zweite Möhre wird importiert. Und bei den Verbrauchern sind immer mehr die Bio-Möhren beliebt. Die kommen nicht in den heutigen Standard-Farben mit sehr viel Karotin daher, sondern gehen auf alte Sorten zurück, die andere Farben und Nährstoffe haben. „Die Farbe ist nur ein Indikator für andere Eigenschaften“, sagt der Vize-Präsident des Landesanstalt für Landwirtschaft, Falko Holz. Und bisher gebe es nur wenige alte Sorten, die verbessert werden könnten.

Für Landwirtschaftsminister Aeikens ist die Sache ganz klar. Gemüsebauern hätten in Deutschland kaum die Möglichkeit, Samen für die seltenen Möhrensorten zu kaufen. „Hier haben wir ein Beispiel, wo es zu Marktversagen kommt.“ Die Konsumenten wollten die bunten Möhren, aber es fehle am Saatgut. Die Alternative seien dann Importe. Aber: „Mir ist die Möhre lieber, die in der Region produziert wird.“ Daher sei der Eingriff in die freie Marktwirtschaft gerechtfertigt.

Doch der Steuerzahlerbund lässt sich nicht überzeugen. Rote oder violette Möhren gebe es längst. Diejenigen, die vom Verkauf der Möhren später profitieren, sollten auch für die Zucht bezahlen, sagt Warneke. Und die bunten Möhren seien kein Einzelfall: In Hessen werde an einem roten Apfelsaft geforscht, die Uni Münster wolle aus kaukasischem Löwenzahn Gummi gewinnen. Agrarminister Aeikens lässt das ungerührt. Außerdem zeige das Projekt auch die Qualität der Forschung in Sachsen-Anhalt - wenn man die Bundesförderung nicht bekommen hätte, wären die bunten Möhren womöglich in einem anderen Bundesland gezüchtet worden.

Rochus Görgen, dpa

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