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"Mein Kampf" – Sachsen gibt Hitlerbuch für den Unterricht frei

Kommentierte Ausgabe erschienen "Mein Kampf" – Sachsen gibt Hitlerbuch für den Unterricht frei

Am Freitag erscheint Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" zum ersten Mal seit 70 Jahren wieder in Deutschland - und könnte in Sachsen umgehend zum Unterrichtsstoff werden. Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) fordert eine bundeseinheitliche Regelung, wie mit Hitlers Propaganda-Schrift umzugehen ist.

Erstmals, 70 Jahre nach dem Tod Hitlers, veröffentlicht das Institut für Zeitgeschichte eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe des Buches.

Quelle: Matthias Balk/dpa

Dresden. Am Freitag erscheint Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" zum ersten Mal seit 70 Jahren wieder in Deutschland - und könnte in Sachsen umgehend zum Unterrichtsstoff werden. "Unsere Lehrer haben eine hervorragende Ausbildung und das nötige pädagogisch-didaktische Rüstzeug, um Inhalte dieses Buches verantwortungsvoll mit den Schülern zu besprechen", sagt Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) der Leipziger Volkszeitung.

Damit erteilt sie die Freigabe für jenes Buch, auf dem die NS-Propaganda beruhte und das jahrzehntelang in den sogenannten Gift-Abteilungen der Bibliotheken verschlossen war. Neben den genehmigten Schulbüchern und den Literaturempfehlungen mache das sächsische Kultusministerium keine Vorgaben zur Bücherwahl im Unterricht, erklärt Brunhild Kurth. Jedem Lehrer sei es ab morgen freigestellt, ob und wie die jetzt erscheinende kommentierte Ausgabe in den Klassen behandelt wird.

Auf dem Markt frei verfügbare und rechtlich zulässige Bücher könnten auch in den Unterricht eingebunden werden, so die Kultusministerin. Die CDU-Politikerin stellt allerdings klar: "Ziel muss es dabei sein, die NS-Ideologie zu entlarven, Schüler gegen Rechtsextremismus stark zu machen und sie zu Persönlichkeiten zu erziehen, die der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen extremistischen Tendenzen sowie Gewaltherrschaften entschieden entgegen treten.“ Denkbar sei die Behandlung beispielsweise in Geschichte oder Gesellschaftskunde in den oberen Klassen; aber auch in Biologie, die Rassentheorie betreffend.

Nach 1945 war es für Verlage nicht möglich, das Buch nachzudrucken. Doch jetzt hat sich die Lage grundlegend geändert: Mit dem Ablauf des Jahres 2015 - also 70 Jahre nach dem Tod des Nazi-Diktators - sind die Urheberrechte erloschen, die beim Freistaat Bayern lagen. Dieser nutzte die Rechte in der Vergangenheit, um Nachdrucke in Deutschland, und mitunter auch im Ausland, zu verhindern. In den vergangenen drei Jahren haben Experten des Instituts für Zeitgeschichte Müchnen daran gearbeitet, "Mein Kampf" in einer kommentierten Ausgabe herauszubringen. Das 1800 Seiten starke Werk erscheint am Freitag.

Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) will sich dagegen nicht festlegen - sondern fordert eine bundeseinheitliche Regelung, wie mit Hitlers Propaganda-Schrift umzugehen ist. Ihr eigener humanistischer Anspruch und der Respekt vor den Millionen NS-Opfern lehne allerdings eine Behandlung im Unterricht ab, erklärt Birgit Klaubert. Dagegen teilen Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), Lehrerverbandspräsident Josef Kraus wie auch der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, die sächsische Auffassung. Mecklenburg-Vorpommern will "Mein Kampf" gar zum verbindlichen Unterrichtsstoff machen.

Thomas Krüger meint: "Heute würden Jugendliche Hitlers Buch wahrscheinlich nach wenigen Seiten weglegen und sich fragen: 'Was ist denn das für ein Heini?'" Dennoch will sein Haus eine kommentierte Teilausgabe der Kampfschrift für Schüler noch in diesem Jahr herausbringen, die auch in Klassensätzen bestellt werden kann.

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