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Milder Winter bringt Freude und Ärger in Sachsen - Leipzig spart 300 Tonnen Salz pro Tag

Milder Winter bringt Freude und Ärger in Sachsen - Leipzig spart 300 Tonnen Salz pro Tag

Der milde Winter sorgt in Sachsen für gemischte Gefühle: Den Kommunen etwa verschaffen die frühlingshaften Temperaturen eine kleine Verschnaufpause. Bauprojekte gehen zügig voran, Straßen werden von Schäden durch Kälte und Streusalz verschont.

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In Leipzig streute der Winterdienst im Dezember 3,3 Tonnen Salz auf die Straßen. „Ein Klacks“, sagte eine Sprecherin der Stadtreinigung. Für eine Rundumtour durch die Stadt würden normalerweise 300 Tonnen pro Tag benötigt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Dresden. Gerade einmal 100 Tonnen Salz und Splitt wurden bisher in Dresden verbraucht, mit weiteren 3000 Tonnen sind die Lager derzeit prall gefüllt. „Erst an fünf Tagen war der Winterdienst im Einsatz“, erklärte ein Mitarbeiter.

Bisher wurden in Chemnitz 3428 Tonnen Streusalz verbraucht, im vergangenen Winter waren es 12 745 Tonnen. Nach ersten Schätzungen fallen in diesem Winter etwa 70 Prozent weniger Kosten für Streugut an, schätzt Beate Bodnar vom Stadtreinigungsbetrieb. Salz und Splitt würden als Vorrat für den nächsten Winter gebunkert. „Bleibt es weiterhin so mild, kann bereits im März mit der Sanierung von Straßen begonnen werden.“ In Leipzig streute der Winterdienst im Dezember 3,3 Tonnen Salz auf die Straßen. „Ein Klacks“, sagte eine Sprecherin der Stadtreinigung. Für eine Rundumtour durch die Stadt würden normalerweise 300 Tonnen pro Tag benötigt.

„Es ist erfreulich, dass es bisher keinen häufigen Wechsel von Frost- und Tauperioden gab, der die Hauptursache für Schlaglöcher ist“, sagte der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Mischa Woitscheck. Für eine Entwarnung sei es allerdings zu früh, Bilanz könne erst Ende März gezogen werden. Im vergangenen Winter gab es enorme Frostschäden auf den Straßen, der Freistaat legte ein 65 Millionen Euro-Programm auf, um den Schlaglöchern zu Leibe zu rücken. Von einer wirklichen Einsparung in diesem Winter könne allerdings nicht die Rede sein. „Dafür ist der Aufwand für die ganzjährige Straßenunterhaltung und die Straßensanierung zu hoch“, erklärte Woitscheck. Städte und Gemeinden in Sachsen sind für mehr als 23 500 Straßenkilometer zuständig.

Die Baubranche freut sich unterdessen über volle Auftragsbücher: Allein beim privaten Wohnungsbau gab es 2011 nach ersten Schätzungen ein Plus von etwa 25 Prozent. „Auf dem Bau wurde bis Ende Dezember durchgearbeitet“, sagte Susann Stein, Sprecherin des Bauindustrieverbandes Sachsen. Auch die Lage auf dem Finanzmarkt spiele der Bauindustrie in die Hände. „Viele Privatleute entscheiden sich angesichts der unsicheren Situation lieber für die Investition in ein Eigenheim“, erklärte Stein. Vor allem auch der Straßen- und Tiefbau profitiere derzeit von den milden Temperaturen.

Vielen Händlern dagegen vermiest der milde Winter das Geschäft. Waren im vergangenen Winter Schlitten und Skier vielerorts Mangelware, bleiben Händler in diesem Jahr auf ihren Wintersachen sitzen. Das betrifft auch die Modebranche. „Mäntel, Stiefel, Handschuhe und Schals waren bisher wenig gefragt“, sagte René Glaser vom Handelsverband Sachsen. Schnäppchenjäger allerdings können sich freuen: In den nächsten Tagen locken nach Angaben des Handelsverbandes zahlreiche Läden mit Rabatten zum Winterschlussverkauf.

Mieter brauchten in diesem Winter die Heizung nur selten voll aufzudrehen, sie können sich über niedrige Heizkosten freuen. Bei den Dresdner Stadtwerken Drewag ist der Absatz an Fernwärme und Erdgas in diesem Winter etwa um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Liegt der Leistungswert im Kraftwerk Nossener Brücke in dieser Jahreszeit sonst bei etwa 600 Megawatt, sind es derzeit gerade einmal 390 Megawatt, berichtet Sprecherin Gerlinde Ostmann. Trotz der Absatzflaute seien derzeit keine Preiserhöhungen geplant. „Noch ist der Winter ja auch noch nicht zu Ende“, sagte Ostmann. Nach Angaben der Stadtwerke Leipzig sind Wärme und Gasverbrauch in der Messestadt im Vergleich zum letzten Winter um etwa 16 Prozent zurückgegangen.

Christiane Raatz, dpa

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