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Millionenschwerer Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder

Millionenschwerer Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder

Mit einem 40 Millionen Euro umfassenden Hilfsfonds wollen die ostdeutschen Länder und der Bund ehemalige DDR-Heimkinder entschädigen. Die Kinder und Jugendlichen seien in den Spezialheimen und Jugendwerkhöfen Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen, sagte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) am Mittwoch in Erfurt.

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Der ehemalige Insasse Ralf Weber (54) steht in einer Zelle im Dunkelzellentrakt des ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau.

Quelle: dpa

Erfurt. Viele der Betroffenen seien auch heute noch traumatisiert. Mit dem Hilfsfonds sollen gesundheitliche und rentenrechtliche Spätfolgen gemildert werden. „Wir können keine Entschädigung für ein verlorenes Leben zahlen, sondern neben einer gesellschaftlichen Entschuldigung nur ein gewisses Entgegenkommen zeigen“, betonte Taubert. Eine monatliche Rente werde es für die Betroffenen daher nicht geben.

Angestrebt werde, dass Bund und Länder je zur Hälfte den Fonds füllen, sagte Taubert. Der Freistaat zahle 3,26 Millionen Euro ein. Der Hilfsfonds sei zunächst auf die Dauer von fünf Jahren angelegt. Anträge könnten dann ab Juli dieses Jahres gestellt werden. Laut Taubert gab es von 1949 bis 1990 fast 500 000 Kinder in Heimen und Werkhöfen der DDR. Angestrebt werde, dass die Entschädigungen für ehemalige Heimkinder nicht als Einkommen auf Hartz IV oder andere Transferleistungen angerechnet werden.

Für Kinder aus Westdeutschland, die zwischen 1949 bis 1975 in Kinderheimen unter Psychoterror, Zwangsarbeit und körperlichen Misshandlungen gelitten haben, steht bereits seit Jahresanfang ein mit 120 Millionen Euro gefüllter Entschädigungsfonds zur Verfügung.

Das Geld wird zu je einem Drittel vom Bund, von den Westländern und Kommunen sowie von den Kirchen und ihren Sozialverbänden aufgebracht. Ein Großteil davon soll für die Behandlung von traumatischen Folgeschäden eingesetzt werden. Die Hilfen gehören zu den Empfehlungen, auf die sich Fachleute am Runden Tisch Heimerziehung bereits 2010 verständigt hatten.

Auf maßgebliche Initiative von Thüringen wurde ein Bericht zur „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“ erarbeitet, der am kommenden Montag (26. März) in Berlin vorgestellt wird. An die seit 2010 existierende Thüringer Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder haben sich den Angaben zufolge bislang etwa 500 Betroffene gewandt. Sie berichteten von militärischem Drill in den Heimen, sexuellen Übergriffen, Misshandlungen, Demütigungen, Strafarbeit und Prügel.

Auch wurden Kinder als Bestrafung nackt mit heftigem kalten Wasserstrahl abgespritzt, dass es ihnen die Beine wegriss. Allein in Thüringen gab es zwölf Jugendwerkhöfe. Taubert kündigte mit dem Hilfsfonds auch die personelle Aufstockung der Beratungsstelle im Freistaat an.

dpa

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