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Mit Blasenpflaster, aber ohne Handy - Kinder pilgern durch Ostsachsen

Mit Blasenpflaster, aber ohne Handy - Kinder pilgern durch Ostsachsen

Für einen großen Pilgerzug ist keiner zu klein. Wer in den kommenden Tagen in Ostsachsen unterwegs ist, könnte auf eine bunte Schar zu Fuß und hoch zu Roß stoßen.

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Etwa 120 Kinder pilgern am 19.07.2011 vom ostsächsischen Schmochtitz ausgehend auf der alten Handelsstraße „Via Regia“.

Quelle: dpa

Schmochtitz. Etwa 120 Kinder pilgern auf der alten Handelsstraße „Via regia“ von Schmochtitz bei Bautzen bis nach Görlitz. Fünf Tagesetappen sind zu meistern, die kürzeste ist 11 Kilometer lang, zwei haben es mit 17,5 Kilometer in sich. Der Weg geht gen Osten, er geht aber auch in die Vergangenheit. Denn die Kinder sollen ein wenig vom Leben und den Beschwernissen mittelalterlicher Pilger mitbekommen. Übernachtet wird in Zelten, das Essen ist rustikal, Handys und andere technische Errungenschaften der Neuzeit sind für viele tabu.

Die 13-jährige Franziska Küfgen aus Görlitz fand die Idee von Anfang an super. „Das ist mal etwas anderes als ein Ferienlager“, erzählt die Schülerin. Schon nach ein paar Kilometern hat sie viele Adressen ausgetauscht. „Ich werde jetzt ganz viele Briefe schreiben müssen.“ Für die Tour fühlt sie sich gut gerüstet. „Ich gehe immer mal wieder wandern, außerdem habe ich Blasenpflaster dabei.“ Dass sie ein paar Tage auf ihr Handy verzichtet, findet sie nicht schlimm. Wohl auch deswegen hält Franziska die ganze Tour für witzig und freut sich nun darauf, „extrem viele Leute kennenzulernen“.

Mit Rock, Schürze, Kopftuch und Poncho ausgerüstet läuft Franziska nun im Tross. „So ein bisschen Mittelalter hat jeder dabei.“ Projektleiterin Gabi Kretschmer geht davon aus, dass die Kinder freiwillig auf Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichten. „Verbote gibt es nicht. Die Kinder kommen da von selbst drauf. Das ist ein großes Abenteuer“, berichtet sie. Eines sei aber klar: „Es ist keine Spaßtour.“ Auch kulinarisch müssen die jungen Pilger auf sonst übliche Kost verzichten. Fast-Food-Ketten liegen jedenfalls nicht am Wegesrand. Auch Nahrung aus der Büchse gibt es nicht, an den jeweiligen Rastplätzen wird alles frisch zubereitet. Gemüse steht oben auf dem Speiseplan.

Der Pilgerzug, teilweise mit einem Pferd, gehört zum Begleitprogramm der 3. Sächsischen Landesausstellung „Via regia“, die noch bis 31. Oktober in Görlitz zu sehen ist. Die Stadt an der Neiße ist auch Ziel des Pilgerzuges. Am kommenden Samstag (23. Juli) wollen die Teilnehmer dort eintreffen. Zum harten Kern gesellen sich jeden Tag noch etwa 50 Kinder, die einzelne Abschnitte mitlaufen.

Rastplätze sind unter anderem der Stausee Bautzen, das Dorf Melaune und Markersdorf. Auf dem Weg zum Ziel geht es an der Görlitzer Landskrone vorbei. Zu diesem Zeitpunkt haben die Pilger schon 72,5 Kilometer in den Beinen hat. Auf diese Art trainiert, dürften auch die letzten Meter zu schaffen sein.

Ein bisschen Pädagogik gehört dazu. Im Begleitbrief („Hallo, ihr Pilgerer“) wird auch der „Weg nach Innen“ beschrieben. „Das Glück findet man nicht, wenn man denkt, man ist der Mittelpunkt der Welt und alles dreht sich um einen selbst“, heißt es da. Und selbst Kritik an der Kirche bleibt nicht aus. „Es wird ja heute ganz viel geschimpft, was die Kirche im Laufe der Jahrhunderte alles so falsch gemacht hat, und sie hat viele Dummheiten gemacht.“

Immer wieder seien Menschen in die Irre gegangen und hätten nach Auswegen gesucht. Auch wenn solche Erkenntnisse noch nicht zum Erfahrungsschatz von Kindern gehören dürften: Eines werden sie auf dem Pilgerzug auf alle Fälle lernen - manchmal ist einfach nur der Weg das Ziel.

Jörg Schurig, dpa

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