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Mitteldeutsche Straße der Braunkohle wird 20 Jahre alt

Exkursionsführer in 3. Auflage Mitteldeutsche Straße der Braunkohle wird 20 Jahre alt

Die Straße der Braunkohle ist erwachsen geworden. Am Freitag feiert sie in Meuselwitz ihren 20. Geburtstag. Dann wird auch der neue Exkursionsführer vorgestellt.

Publikumsmagnet: Die Straße der Braunkohle.

Quelle: dpa

Leipzig. Wer vor der Friedlichen Revolution durch die Rauchschwaden von Espenhain fuhr oder den rußgeschwärzten Schnee in Leipzig fallen sah, hatte zum Thema Braunkohle in der Regel eine ganz eigene kritische Meinung. Seinerzeit förderten 20 Tagebaue rund 105 Millionen Tonnen Kohle, die in zahlreichen Kraftwerken, Brikettfabriken und Schwelereien verstromt beziehungsweise veredelt wurde. Fast 60 000 Bergleute standen noch 1989 in Lohn und Brot.

Die danach folgenden Tagebauschließungen, Gerätesprengungen oder Abrisse von Fabrikgebäuden wurden in der Regel nicht als Verlust, sondern als Befreiung wahrgenommen. Ein industriekulturelles Bewusstsein bildete sich erst Anfang der 1990er-Jahre heraus, 1996 gründete sich der Verein Mitteldeutsche Straße der Braunkohle. „Die Straße der Braunkohle versteht sich nicht in erster Linie als Freizeitroute, sondern eher als Bildungsangebot für Einheimische und Gäste der Region“, sagt Andreas Berkner vom Vorstand des Dachvereins.

Von einer umfänglichen Straßenbeschilderung sei damals angesichts der Kosten und administrativen Hinweise abgesehen worden. Jeder, der einmal ein Schild an einer Straße aufgestellt hat, wisse, die administrativen Hindernisse seien vielleicht noch zu überwinden, aber es gehe am Ende um viel Geld. Berkner: „Da ist ein Verein wie der unsere einfach überfordert. Deshalb versuchen wir an vielen Stellen, zumindest unser Logo unterzubringen. Im Grunde ist es ja ohnehin ein Kunstgebilde und jeder kann sich selbst seine Route – ob er mit dem Auto oder mit dem Fahrrad unterwegs ist – zusammenstellen.“

Nach 20 Jahren sei die Straße der Braunkohle nunmehr erwachsen geworden. Zu bedauern sei jedoch, dass Industriekultur noch immer ein touristisches Nischenthema darstelle und in Sachsen etwas unterbelichtet sei. Denn die Klientel, die sich dafür interessiere, sei durchaus nicht unerheblich. Im Freistaat werde das Thema häufig im Zusammenhang mit Chemnitz oder Zwickau wahrgenommen und dabei übersehen, dass die Region Leipzig auch eine bedeutende Industriegeschichte aufzuweisen hat.

Am Freitag nun findet anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung des Vereins eine Festsitzung im Kulturbahnhof Meuselwitz bei der legendären Kohlebahn und noch dazu an symbolträchtiger Stelle im Dreiländereck zwischen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt. Erwartet werden rund 100 Gäste – Unternehmen, die mit dem Thema Kohle im weitesten Sinne zu tun haben, lokale Vereine, die sich um Sachzeugen bemühen, private Interessenten und auch zehn Bürgermeister aus den drei Ländern. „Das ist eine der wenigen mitteldeutschen Initiativen, die seit 20 Jahren funktionieren“, sagt Berkner nicht ohne Stolz.

Dann wird auch die 3. Auflage des legendären Exkursionsführers „Auf der Straße der Braunkohle“ vorgestellt, der 2003 zum ersten Male alle Sachzeugen inventarisierte. „Wer alle Stationen besuchen will, muss fast 5000 Stufen bewältigen und wird mit eindrücklichen Fernblicken zwischen Fläming und Erzgebirge, Harz und Collm belohnt“, verspricht der Herausgeber.

In die neue 3000 Exemplare umfassende Auflage mit nunmehr über 500 Seiten (die erste hatte 340) wurden 23 weitere Objekte aufgenommen, alle anderen komplett überarbeitet wie auch die Themenspecials mit Hintergrundinformationen. Zur Verfügung stehen nun erstmals GPS-Koordinaten zur Navigation. Ab kommender Woche ist der Exkursionsführer dann im Buchhandel erhältlich.

Andreas Berkner (Hrsg.): Auf der Straße der Braunkohle. Pro Leipzig, 504 S., 16 Euro. www.braunkohlenstrasse.de

Von Roland Herold

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Meuselwitz
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